Darum gehts
- In Basel wurden 26 Legionellen-Fälle gemeldet, eine Person verstarb
- Die Ursache: Kühlanlage in Kleinbasel, inzwischen stillgelegt
- Acht von zehn Anlagen zeigen Grenzwertüberschreitungen bei Legionellen
Legionellen sind Bakterien, die sich natürlicherweise im Wasser befinden. Bestimmte Bakterientypen dieser Gattung können eine Erkrankung der Atemwege auslösen, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf seiner Website schreibt.
In der Stadt Basel kam es in den letzten zwei Wochen zu ungewöhnlich vielen Legionellen-Erkrankungen. 26 Krankheitsfälle sind in der Stadt nachgewiesen worden. 25 Menschen mussten ins Spital, eine Person starb, wie das Basler Gesundheitsdepartement mitteilt. Auf Anfrage von Blick erklärte das Departement am Dienstag, es sind nach wie vor fünf Personen im Spital, jemand liegt noch auf der Intensivstation. Seit Montag konnten vier Menschen entlassen werden, neue Fälle sind keine dazugekommen.
Das Gesundheitsdepartement informierte am Montag über die Situation. Die wahrscheinliche Ansteckungsquelle wurde identifiziert. Es handelt sich um eine Kühlanlage in der Rebgasse im Quartier Kleinbasel. Diese wurde mittlerweile stillgelegt. Die Erkrankungsfälle sollten nun zurückgehen, ist sich das Departement sicher.
Das ist über die Patienten bekannt
Wie das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt auf Blick-Anfrage bestätigt, handelt es sich bei der verstorbenen Person um einen Mann (†69) «mit Begleiterkrankungen». Neun Personen befinden sich aktuell noch in stationärer Behandlung, eine Person ist noch immer auf der Intensivstation. «Das durchschnittliche Krankheitsalter der Personen, die stationär behandelt wurden, liegt bei 64 Jahren», teilt das Gesundheitsdepartement weiter mit. Dies entspreche auch in etwa dem Durchschnittsalter der Personen, die auf der Intensivstation behandelt wurden.
20 Männer und sechs Frauen sind betroffen. Auf der Intensivstation wurden bislang fünf Männer und zwei Frauen betreut. Zuerst hatte nau.ch breiter über die Patienten berichtet.
Legionellen-Ausbruch im Manor-Hauptsitz
Zwei Kühltürme auf dem Dach des Manor-Hauptsitzes in der Rebgasse gelten als Ansteckungsherde. Das bestätigt das Unternehmen auf Anfrage von Blick. «Nach Bekanntwerden des Befunds haben wir in Abstimmung mit den zuständigen Behörden sämtliche erforderlichen Massnahmen eingeleitet, die betroffenen Anlagen wurden ausserdem ausser Betrieb genommen», erklärt ein Mediensprecher.
«Aktuell haben wir Kenntnis von drei Mitarbeitenden, die mögliche Symptome einer Lungenentzündung aufweisen», teilt er weiter mit. Bei den übrigen Erkrankten soll es sich um Anwohner aus dem Quartier, aber auch Erkrankte aus anderen Quartieren handeln, heisst es auch beim «Bund».
Anwohner ist hässig
Blick spricht am Montagabend mit einem Angestellten, der gerade in den Feierabend geht. Er arbeitet im Gebäude, weiss aber nichts von dem Legionellenausbruch. Er sagt, er arbeite im untersten Stock, die Klimatisierung funktioniere. Von Unternehmensseite heisst es, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien informiert worden.
Der Architekt Stephan Egeler (77) wohnt vis-à-vis vom Manor-Hauptsitz an der Rebgasse. Er sagt: «Es ist skandalös, dass hier im Quartier nicht aktiv informiert wurde. Die Stadtverwaltung hätte das unbedingt machen müssen. Vielleicht ein Plakat aufhängen, bei den Leuten klingeln.»
Der Anwohner regt sich auf: «Es ist so skandalös, dass man es kaum glauben kann. Ich komme nach Hause vom Einkaufen, erfahre von einem Journalisten, dass ein massiver Legionellenausbruch stattgefunden hat. Ich wusste nichts. Krass.»
Kühltürme bieten gutes Umfeld für Legionellen
Legionellen können sich besonders gut in Wassersystemen vermehren, in denen das Wasser nicht konstant erneuert wird. Ausserdem sollte sich die Temperatur zwischen 25 und 45 Grad bewegen. Kühltürme bieten dementsprechend ein gutes Umfeld für die Bakterien.
Die Infektion verbreitet sich über Aerosole, also zerstäubte Wassertröpfchen, die Legionellen enthalten. Seltener findet eine Ansteckung über mit Legionellen kontaminiertem Wasser statt, welches versehentlich in die Luftröhre statt in die Speiseröhre gelangt, schreibt die «Basler Zeitung» weiter. Die Krankheit ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.
Wenn Kühltürme mit Legionellen kontaminiert sind, kann der von der Anlage ausgestossene Wasserdampf ansteckende Wassertröpfchen enthalten. Acht von zehn kontrollierten Anlagen im Umkreis der stillgelegten Kühlanlage in Kleinbasel zeigen Grenzüberschreitungen bei den Legionellenwerten, heisst es an der Medienkonferenz des Gesundheitsdepartements. In zwei der Anlagen wurde die für die Menschen gefährliche Legionella pneumophilia nachgewiesen.
Aussergewöhnlich viele Fälle
Bestimmte Legionellen-Typen können verschiedene Krankheiten verursachen. Die leichtere Form der Infektion ist das Pontiac-Fieber. Diese Form heilt in der Regel in wenigen Tagen wieder von selbst aus. Die Legionellose ist die schwere Form der Erkrankung. Symptome sind Fieber, Husten, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Appetitverlust, sagt die stellvertretende Basler Kantonsärztin Eva Würfel.
Normalerweise gebe es in Basel-Stadt jährlich 7 bis 20 Fälle von Legionellose, heisst es an der Medienkonferenz weiter. 26 Fälle seien also aussergewöhnlich viele. Die Experten vermuten, dass die Fälle von Legionellose aufgrund des Klimawandels und der höheren Temperaturen zunehmen würden. Hitze begünstige die Zahl der Bakterien im Wasser.