Darum gehts
- Massiver Streit im Verwaltungsrat der Dermatologie Klinik Zürich eskaliert
- Zwei Gründer haben Hausverbot und klagen gegen den neuen Investor
- Viele Patienten sind betroffen, darunter einige Hautkrebspatienten
Baustopp, Hausverbote, fristlose Kündigungen, Betreibungen! Was passiert gerade in der Dermatologie Klinik Zürich (DKZ)? Auf der Blick-Redaktion landen mehrere Hinweise auf einen massiven Streit im Verwaltungsrat der renommierten Klinik-Kette mit Standorten in Zürich und Sirnach TG. Theoretisch sollte Anfang Mai die Zentralschweizer Niederlassung in Sursee LU eröffnet werden. Am Zürcher Standort bestätigt die Recherche einen eiskalten Machtkampf in der Teppichetage.
Gut 300 Patienten werden bei der DKZ jeden Tag behandelt. Ein grosser Teil der Untersuchungen betrifft Hautkrebspatienten. Hier werden also nicht nur klassische dermatologische Behandlungen wie etwa Muttermal-Kontrolle oder Akne behandelt. Stockt der Betrieb, geht es ums nackte Überleben.
Security soll VR-Präsidenten abfangen
An der Zürcher Adresse am Vulkanplatz beim Bahnhof Zürich-Altstetten trifft Blick beim Eingang im fünften Stock auf einen Sicherheitsmann. Er verrät, dass er einen bestimmten Mann nicht ins Gebäude lassen darf. Wie dieser heisst, weiss er nicht, aber er hat ein ausgedrucktes Foto dabei.
Blick erkennt gleich: Der Security soll den medizinischen Leiter der DKZ abweisen. Dieser ist auch der Verwaltungsratspräsident und besitzt zusammen mit dem CEO die Hälfte der Aktien der Klinik. Es stellt sich die Frage: Was ist hier los?
Vor dem Gebäude trifft Blick auf den CEO und den medizinischen Leiter. Sie bestätigen: «Wir haben Hausverbot!» Sie dürfen nicht mehr in die eigene Firma. «Die beiden anderen Verwaltungsräte wollen uns loswerden», sagt der CEO der Hautklinik zu Blick. «Wir schauen jetzt, ob wir wirklich nicht mehr ins Gebäude dürfen.»
Unverhofft kommen beide auf Anhieb rein. Wie sich später herausstellt, ist der Sicherheitsmann im Parterre gerade nicht auf der Lauer. Der zweite Security-Angestellte im fünften Stock erkennt den medizinischen Leiter schlicht nicht. Auf dem Foto ist der Arzt viel jünger, jetzt hat er graue Haare.
Zypriotischer Investor – feindliche Übernahme?
Blick-Recherchen bringen jetzt diese unmögliche Geschichte ans Licht. Vor einem Jahr kaufte eine Investmentfirma 50 Prozent der Aktien der DKZ. Der in der Klinik unerwünschte CEO erklärt den Grund: Expansionspläne verlangten nach mehr Geld, die Banken hätten damals Kredite abgelehnt.
Die Investmentfirma gehört einem Geschäftsmann aus Zypern. Er platzierte nach seiner Investition zwei seiner Leute im Verwaltungsrat. Die neue Konstellation in der Teppichetage: Der CEO, der medizinische Leiter – der gleichzeitig Verwaltungsratspräsident ist – und zwei Männer von der Investmentfirma.
Der Streit habe ein paar Monate nach Unterzeichnung begonnen. «Wir haben unterschiedliche Meinungen darüber, wie schnell wir wachsen. Für uns ist ein nachhaltiges Wachstum wichtig», sagt der CEO.
An der Sitzung des Verwaltungsrats am 9. Dezember sei es zum Eklat gekommen. Die beiden neuen Verwaltungsräte der Investmentfirma konnten dem CEO kündigen, weil er in eigener Sache keine Stimme hatte – sich also enthalten musste. Der Investor hatte automatisch eine Stimmenmehrheit. Der medizinische Leiter erhielt schliesslich am 6. Februar die fristlose Kündigung.
Sicherheitspersonal an allen Standorten
Die beiden unerwünschten Gründer der Klinik gehen jetzt rechtlich gegen die beiden anderen Verwaltungsräte und den Investor vor. Die aktuelle Situation blockiert auch die Fertigstellung der dritten Klinik in Sursee. Der Investor liess bei allen Kliniken Sicherheitsleute postieren, die dem CEO und dem medizinischen Leiter den Zutritt verweigern sollen. Kommuniziert wird nur noch über den Anwalt.
Blick liegt ein Schreiben vor, das auf einen Baustopp bei der Klinik Sursee und auf unbezahlte Rechnungen deutet. Auch in Sirnach könnte es bald Betreibungen geben, weil das Geld ausbleibt.
Keine Intervention durch Kanton
Ein weiteres Problem: Die DKZ hat im Moment keinen medizinischen Leiter, der eigentlich für eine Betriebsbewilligung nötig wäre. Auch dass der medizinische Leiter nicht mehr praktizieren darf, hat direkte Folgen: Alle seine Krebspatienten müssen sich einen neuen Arzt suchen.
Ob es legal ist, eine Klinik ohne medizinischen Leiter zu betreiben, erklärt Dragana Glavic-Johansen vom Amt für Gesundheit des Kantons Zürich. Es könne vorkommen, dass «eine Institution kurzfristig über keine ärztliche Leitung verfügt, etwa infolge Tod, Unfall, Krankheit, Kündigung».
Diesen Praxen werde die Betriebsbewilligung nicht sofort entzogen, sie müssten aber möglichst zeitnah dem Amt für Gesundheit mindestens eine interimistische oder direkt eine neue ärztliche Leitung präsentieren. Erst wenn die Vorgaben «mittel- und langfristig nicht sichergestellt» seien, könne die Bewilligung entzogen werden, so Glavic-Johansen. Wie lange diese Frist beträgt, lässt sie offen.