Darum gehts
- In Hannover wurden vier Vergiftete behandelt, einer starb nach dem Knollenblätterpilz-Verzehr
- Auch in der Schweiz ist der Knollenblätterpilz verbreitet, Pilzkontrollen fangen ihn jährlich ab
- Das Gift übersteht Kochen und Braten, Symptome folgen spät, Leber und Nieren können versagen
In Deutschland häufen sich schwere Pilzvergiftungen. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) behandelten Ärzte diesen Herbst vier Betroffene nach dem Verzehr von Knollenblätterpilzen. Zwei Patienten überlebten dank Gegengift, einer brauchte eine neue Leber. Ein Patient starb. In Deutschland ist der Pilz für 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich.
Besonders Zuwanderer aus fernen Ländern sind laut MHH gefährdet: Der Giftpilz wächst in ihren Herkunftsländern nicht. Auf Bestimmungsbücher und Apps auf dem Smartphone ist kein Verlass. Auch in der Schweiz ist der Knollenblätterpilz weit verbreitet. Wer sammeln geht, bringt seinen Fund am besten immer zur offiziellen Pilzkontrollstelle. Laut Tox Info Suisse fangen Kontrolleure dort jedes Jahr mehrere Kilos des Giftpilzes ab.
Versteckte Gefahr im Kochtopf
Er sieht harmlos aus, ist aber absolut tödlich: Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) gehört zu den gefährlichsten Giftpilzen Europas. Schon kleinste Mengen genügen für eine Vergiftung. Die tückische Falle: Sammler verwechseln ihn leicht mit gewöhnlichen Champignons. Kochen oder Braten zerstört das Gift – sogenannte Amatoxine – nicht.
Der Knollenblätterpilz wächst vor allem in Laubwäldern unter Eichen und Buchen, spriesst aber auch in Pärken. Seine Hauptsaison dauert von Juli bis Oktober. Ist das Wetter mild, taucht er bis in den Spätherbst auf.
Tückische Scheinerholung vor dem Organversagen
Erste Symptome zeigen sich oft erst spät. Betroffene merken meist 6 bis 15 Stunden lang gar nichts – manchmal vergeht ein ganzer Tag. Danach reagiert der Körper heftig: Übelkeit, Erbrechen, Magenkrämpfe und starker Durchfall setzen schlagartig ein.
Besonders gefährlich ist die anschliessende Scheinerholung: Während sich die Patienten kurzzeitig besser fühlen, greift das Gift die Organe an. Es drohen Nierenschäden, akutes Leberversagen und der Tod.
Bei Verdacht zählt jede Minute: Betroffene müssen sofort ins Spital. Ärzte verabreichen Infusionen, Medikamente und überwachen die Organe rund um die Uhr. Als Gegengift dient vor allem der Wirkstoff Silibinin. In schweren Fällen rettet nur noch eine Transplantation das Leben.
Engpass beim Gegengift
Wie heikel die medizinische Versorgung sein kann, zeigte sich im Herbst 2024: Damals war das Gegengift in der Schweiz über Wochen nicht lieferbar. Am 7. Oktober 2024 schlug Tox Info Suisse Alarm, weil der Engpass bis Mitte November andauern sollte. Eine brenzlige Lage, da es kaum Alternativen zum Antidot gibt. Derzeit gibt es keine Hinweise auf neue Lieferengpässe.