Darum gehts
- Russisch-orthodoxe Kirche in Bern vor Gerichtsstreit am 10. März
- Streit wegen Überbelegung der Krypta, maximal 50 Personen erlaubt
- Drei Vermittlungsgespräche 2024 und 2025 scheiterten laut Stadt Bern
Die russisch-orthodoxe Kirche in Bern gehört zu den ältesten orthodoxen Gemeinden der Schweiz – gegründet 1816. Seit 1944 ist sie in der Berner Altstadt bei der evangelisch-lutherischen Kirche im Antonierhaus eingemietet, die Messe wird im Untergeschoss in einer kleinen Krypta gehalten. 80 Jahre lebten die beiden Kirchgemeinden harmonisch miteinander. Doch der Überfall der Russen auf die Ukraine 2022 hat alles verändert.
Bereits vor drei Jahren kündigten die Lutheraner der russisch-orthodoxen Kirche den Mietvertrag. Die Orthodoxen wehren sich seither mit rechtlichen Mitteln, betrachten die Kündigung als missbräuchlich. Weil mehrere Schlichtungsversuche scheiterten, steht nun am 10. März in Bern ein Zivilprozess an. Wie konnte es so weit kommen?
Viele Geflüchtete in der Krypta
Dazu wollen beide Kirchen mit Verweis auf das laufende Verfahren nichts sagen. Doch laut mehreren mit dem Streit vertrauten Personen hat der Konflikt nichts mit Politik zu tun.
Zwar beten die Russisch-Orthodoxen in Bern noch immer bei jedem Gottesdienst für Patriarch Kyrill I. Der Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche in Moskau ist ein enger Vertrauter Putins und Unterstützer der Invasion in der Ukraine. Doch der Berner Priester Wladimir Swistun, ein Ukrainer, betont: Das Gebet sei fester Bestandteil der Liturgie, kein politisches Statement. Die Berner Gemeinde ist Teil der russischen Auslandskirche, die von der Bischofssynode in New York (USA) geleitet wird.
Seit Kriegsbeginn beten Ukrainer und Russen in Bern Seite an Seite für Frieden. Die Gemeinde erhielt mit der Fluchtbewegung ab 2022 massiven Zulauf durch russisch-orthodoxe Frauen und Kinder aus der Ukraine. Daran entzündete sich offenbar der Streit: zu viele Gläubige in der kleinen Krypta. Die Lutheraner führten angeblich feuerpolizeiliche Gründe für die Kündigung an. Laut der Stadt Bern dürfen sich aufgrund der Grösse und der Fluchtwegsituation 30 bis 50 Personen im Raum aufhalten.
Stadt Bern wollte vermitteln
Brisant: Das Antonierhaus gehört der Stadt Bern. Sie vermietete die Räume an die Lutheraner, die das Untergeschoss an die Orthodoxen weitergaben. Eingreifen will die Stadt nicht. Sie verwies auf die bestehenden Mietverhältnisse und bot lediglich Vermittlungsgespräche an.
Drei solche Gespräche zwischen den Streitparteien haben 2024 und 2025 mit Beteiligung der Stadt stattgefunden, wie diese mitteilt. Eine Einigung blieb aus. Jetzt entscheidet das Gericht, ob die 80-jährige Nachbarschaft der beiden Kirchen ihr Ende findet.