Laut Beobachtern fliesst ein Teil des «Waisenkinder»-Geldes in den Ukraine-Krieg
Putin-Nonnen sammeln in Berner Kirche

In der Berner Dreifaltigkeitskirche sammeln Nonnen für Waisenkinder in Belarus. Doch Kremlkritiker warnen: Das Geld ist für Putins Schlachtfeld bestimmt!
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Belarussische Nonnen sammelten in der Dreifaltigkeitskirche in Bern Geld. (Archivbild)
Foto: Zvg

Darum gehts

  • Nonnen des Minsker Klosters sammelten in Bern Geld für Waisenkinder
  • Kloster steht laut Berichten in Verbindung mit Kreml und russischer Armee
  • Mehrere Länder, darunter Polen und Schweden, haben solche Sammelaktionen verboten
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Guido FelderAusland-Redaktor

Kirchgänger Daniel Henseler (55) verschlug es die Sprache, als er am Wochenende den Gottesdienst in der katholischen Dreifaltigkeitskirche in Bern besuchen wollte. Beim Eingang standen Nonnen, die Kerzen, Tassen, Bücher, russische Matrjoschka-Puppen und vieles mehr anboten.

Ein Plakat verriet, wofür die Schwestern des Klosters der Heiligen Elisabeth in Minsk (Belarus) Geld in der Schweiz sammelten: für arme Waisenkinder – angeblich. Denn als Russischdozent und Osteuropaspezialist hat Henseler darüber gelesen, dass die Minsker Nonnen einen zweifelhaften Ruf geniessen und das Geld für ganz andere Zwecke missbrauchen.

So sagt Olga Homici von der belarussischen Bürgerinitiative «Schtschin 646» gegenüber dem rumänischen Portal ziare.com: «Diese Nonnen reisen zu verschiedenen Veranstaltungen in Europa, um Handel zu treiben und Geld zu verdienen. Ein Teil davon ist für die Unterstützung des Lukaschenko-Regimes bestimmt, ein anderer Teil soll die russische Armee in der Ukraine unterstützen.» Gekauft würden mit dem gesammelten Geld unter anderem Ausrüstung, Autos und sogar Munition.

Direkter Draht zu Putin

Laut dem ukrainischen Portal «United 24 Media» steht das erst 1999 gegründete Kloster in Kontakt mit dem Kreml. Russlands Präsident Wladimir Putin (73) habe den leitenden Erzpriester Andrej Lemeschonok im vergangenen Oktober persönlich mit der Puschkin-Medaille für besondere Verdienste ausgezeichnet. 

Das Kloster soll schon seit 2015 in den russisch besetzten Gebieten in der Ukraine aktiv sein. Nach der Invasion gründete das Kloster die Freiwilligengruppe «Hilfe für die Brüder», die mit dem russischen Militär verbunden sei. Gemäss «United 24 Media» lädt das Kloster zudem Kinder zu Sommerlagern ein, in denen sie lernen, Waffen zusammenzubauen, Magazine zu laden, Fallschirme zu falten und Schiesspositionen einzunehmen.

Wegen des schweren Verdachts haben mehrere europäische Länder die Nonnen von Sammelaktionen verbannt, so etwa Schweden, Norwegen, Polen, England und Nordirland.

Protestbrief an den Pfarrer

Daniel Henseler ist irritiert. Gegenüber Blick sagt er: «Ich halte es für bedenklich und naiv, dass die Dreifaltigkeitskirche diesen Nonnen in dieser Zeit eine Auftrittsmöglichkeit bietet.» Damit bestehe die Möglichkeit, dass Geld «von grossherzigen Gottesdienstbesuchern in der Ukraine auf dem Schlachtfeld landet».

Er hat der Pfarrei, dem Pfarrblatt Bern und auch dem Bistum Basel einen Brief geschrieben, in dem er «aufs Deutlichste» gegen den Verkaufsstand protestiert. Er verlangt die sofortige Auflösung des Standes.

Das ist allerdings bereits passiert. Laut Pfarrer Mario Hübscher (63) hatten die Nonnen eine Bewilligung nur fürs vergangene Wochenende. Von den angeblichen Verbindungen zum Kreml habe er keine Kenntnis gehabt. «Mir wurde mehrfach schriftlich versichert, dass die Spenden ausschliesslich für deren karitatives Engagement verwendet werden», sagt Hübscher gegenüber Blick. Er bedauere, wenn der Stand der Schwestern als ein politisches Statement gewertet würde. Das sei nicht seine Absicht gewesen.

Den Schwestern, die im Namen der Barmherzigkeit für Putins brutalen Krieg sammeln, wird die Pfarrei den Riegel vorschieben. Hübscher: «Um irritierende Assoziationen künftig zu vermeiden, werden wir von einer wiederholten Präsenz der Schwestern absehen.» 

Auf Anfrage reagiert das Kloster in Minsk empört. Klostersekretärin Schwester Anastasia schreibt von «unwahren Behauptungen» und nachweislich «falschen Tatsachenbehauptungen». 

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