Darum gehts
- Saskia Leber erhält den Prix Courage 2026 für ihren Einsatz gegen Victim-Blaming nach Übergriffen
- Das Appellationsgericht Basel-Stadt hielt fest, dass Leber Opfer ist und der Täter schuld ist
- Paolo und Gianni Campolo erhalten den Spezialpreis, weil sie bei einem Brand 20 Menschen retteten
Die Baslerin Saskia Leber entging zweimal einer Vergewaltigung, danach stellte der Täter ihr und ihren Kindern nach. Später beging er Suizid. Seither ringt die heute 38-Jährige darum, dass man ihr vorbehaltlos glaubt und sie als Opfer anerkennt.
Denn die Institutionen versagten: Nach dem zweiten Übergriff schaltete Leber die Polizei ein. Doch das kantonale Bedrohungsmanagement der Polizei blieb untätig – obwohl die Behörden wissen mussten, dass der Täter bereits mehrfach Frauen gegenüber gewalttätig geworden war. Zudem lehnte das kantonale Amt für Sozialbeiträge Lebers Gesuch um Genugtuung ab. Die stossende Begründung: Sie habe sich in Chat-Nachrichten zu wenig deutlich abgegrenzt. Deshalb anerkannte das Amt Saskia Leber nicht als Opfer.
Der Prix Courage des «Beobachters» geht in eine neue Runde. Dazu gibt es für Sie eine Artikelserie mit allen Nominierten – und allem rund um den Preis. Im Zentrum stehen inspirierende Menschen hinter mutigen Taten und unerschrockenem Handeln.
Leserinnen und Leser des «Beobachters» werden im Vorfeld dazu eingeladen, ihre Stimme für die überzeugendste Kandidatur abzugeben. Das Publikum und die Jury entscheiden schliesslich über die Gewinnerin oder den Gewinner. Alle Infos zum Prix Courage des «Beobachters» findest du hier.
Der Prix Courage des «Beobachters» geht in eine neue Runde. Dazu gibt es für Sie eine Artikelserie mit allen Nominierten – und allem rund um den Preis. Im Zentrum stehen inspirierende Menschen hinter mutigen Taten und unerschrockenem Handeln.
Leserinnen und Leser des «Beobachters» werden im Vorfeld dazu eingeladen, ihre Stimme für die überzeugendste Kandidatur abzugeben. Das Publikum und die Jury entscheiden schliesslich über die Gewinnerin oder den Gewinner. Alle Infos zum Prix Courage des «Beobachters» findest du hier.
Einsatz gegen Victim Blaming
Leber liess das nicht auf sich sitzen. Sie machte ihre Geschichte im März 2026 im Beobachter publik und zog den Entscheid vors Appellationsgericht Basel-Stadt. Mit Erfolg: Das Gericht hiess ihren Rekurs teilweise gut und hielt unmissverständlich fest, dass Saskia Leber Opfer ist und die Schuld einzig beim Täter liegt.
Für diesen unerschrockenen Kampf gegen gesellschaftliche Tabus und institutionelle Widerstände erhält Saskia Leber den mit 10’000 Franken dotierten Prix Courage 2026. «Jeder Form von Victim Blaming ist entschieden entgegenzutreten. Der Grundsatz ‹Nein heisst Nein› gilt unabhängig davon, was zuvor geschehen ist», würdigt Jurypräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf die Preisträgerin.
Saskia Leber, die sich heute als Überlebende und nicht mehr nur als Opfer sieht, nutze ihre Stimme nun, um anderen gewaltbetroffenen Frauen auf Augenhöhe Mut zu machen.
Prix Courage: Spezialpreis für Lebensretter
In diesem Jahr wird der Prix Courage des Beobachters zum 30. Mal verliehen. Zu diesem Jubiläum vergibt die Redaktion einen ebenfalls mit 10’000 Franken dotierten Spezialpreis für herausragende Zivilcourage. Er geht an Paolo und Gianni Campolo.
In der Silvesternacht 2026 brach in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana ein Feuer aus. Vater und Sohn zögerten nicht: Mit einem Feuerlöscher bewaffnet drangen sie trotz extremer Rauchentwicklung in das brennende Gebäude ein. Sie trugen verletzte Partygäste ins Freie und leisteten Erste Hilfe. Durch das Aufbrechen einer verschlossenen Glastür bahnten sie gemeinsam mit weiteren Helfern zahlreichen Eingeschlossenen den Weg nach draussen. Insgesamt retteten sie in jener Nacht 20 jungen Menschen das Leben.
Dominique Strebel, Chefredaktor des Beobachters, sagt über Vater und Sohn: «Sie sind ein Vorbild in einer Zeit, in der grosse Teile von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein anderes Ideal vorleben. Jenes von Eigennutz und Egoismus.» Darum zeichnet sie der Beobachter als herausragende Vorbilder für Mitmenschlichkeit und Zivilcourage aus.
Zweistufiges Wahlverfahren und Jury
Die Vergabe des Prix Courage basiert auf einem zweistufigen Wahlverfahren. In einem öffentlichen Publikums-Voting standen dieses Jahr fünf mutige Taten zur Auswahl: Saskia Leber, Manuela Eggli, Lea Blattner, André Wyss sowie die Frauen Agnes, Faye, Nathi, Alisha und Franny. Die drei Nominationen mit den meisten Stimmen wurden anschliessend der sechsköpfigen Jury vorgelegt, die über die Vergabe des Hauptpreises entschied.
Die Jury setzte sich wie folgt zusammen:
- Eveline Widmer-Schlumpf, ehemalige Bundesrätin und Präsidentin der Prix-Courage-Jury
- Nora Scheidegger, Juristin am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht in Freiburg im Breisgau (D)
- Sarah Akanji, Mitbegründerin des Frauenteams des FC Winterthur, alt SP-Kantonsrätin in Zürich
- Thomas Ihde-Scholl, Chefarzt psychiatrische Dienste Berner Oberland
- Gian-Marco «Gimma» Schmid, Autor, Texter und Musiker
- Mahbube Ibrahimi, Gewinnerin des Prix Courage 2025