VA Jugendwort des Jahres 2026
0:38
«Komme morgen nochmals»:Tagesschausprecherin gibt Rätsel um Jugendwort-Gewinner

Expertin zum Jugendwort des Jahres
«Wörter sind eine Parallele zur aktuellen Weltlage»

Am Samstag wird das Jugendwort 2026 bekannt gegeben. Sprachwissenschaftlerin Marlies Whitehouse erklärt die Faszination und Bedeutung hinter den Wörtern – auch in der Schweiz wird dieses Jahr erstmals ein Jugendwort gewählt.
Kommentieren
1/5
Marlies Whitehouse ist Sprachwissenschaftlerin.
Foto: zVg
RMS_Portrait_AUTOR_758.JPG
Natalie ZumkellerRedaktorin News

Ohne sie ist die Verkündung des Jugendworts des Jahres nicht komplett: Susanne Daubner (65). Die Moderatorin der deutschen Ausgabe der Tagesschau verkündet seit sechs Jahren das Jugendwort des Jahres. Eigentlich soll die grosse Enthüllung erst am Samstag stattfinden – doch Daubner gibt Rätsel auf.

«Und jetzt ist es endlich so weit: das Jugendwort 2026 steht fest», sagt sie. Doch statt den Gewinner preiszugeben, greift sie nach einem Handy und stellt erschrocken fest: Es ist erst der 9. Oktober! Nachdem sie ihren kuriosen Terminkalender für das Wochenende erklärt hat, fügt sie noch an: «Sorry Leute, ich komme morgen nochmals. Aber vielleicht wisst ihr es jetzt schon.» Ob sich in dem Video ein Hinweis versteckt?

Wörter übernehmen, verändern und neu erfinden

Dieses Jahr stehen unter anderem Crashout, Ragebait und Peak hoch im Kurs. Ob du die drei Favoriten und die anderen Nominierten entschlüsseln kannst, findest du in diesem Quiz heraus. Doch was steckt hinter Jugendwörtern? Sprachwissenschaftlerin Marlies Whitehouse vom Departement für Angewandte Linguistik an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) erklärt das Phänomen gegenüber Blick.

«Jugendwörter sind Wörter, die ausschliesslich von jungen Menschen benutzt werden», so die Expertin. «Damit entsteht eine Gemeinschaft und eine bewusste und klare Abgrenzung zu den Personen, die nicht mehr im Jugendalter sind.»

Die Wörter entstehen durch sprachliche Innovation innerhalb jugendlicher Gemeinschaften. Dabei werde auf Wörter zurückgegriffen, diese verändert und Ausdrücke von anderen Sprachen übernommen. Auch würden Bezeichnungen komplett erfunden.

«Klare Parallele zur aktuellen Weltlage»

Doch wieso sind sie so beliebt? Whitehouse sieht in den Favoriten aus Deutschland eine Parallele: «Die aktuellen Top 3 in Deutschland beschreiben extreme Gefühle – einen emotionalen Zusammenbruch, einen Höhepunkt, eine Provokation. Wenn wir die aktuelle Weltlage mit ihren Verwerfungen und Disruptionen sehen, erkenne ich klare Parallelen zu diesen Wörtern.»

Viele der Begriffe stammen zudem aus dem Englischen – daran dürften auch die sozialen Medien schuld sein. «Diese Plattformen sind entscheidend für die Verbreitung der Jugendwörter. Je mehr Jugendliche ein Wort benutzen, desto angesagter ist es.»

Eine Auffälligkeit besteht jedoch: «Diese Beliebtheit hört allerdings dann auf, wenn das Wort als Neuzugang im Duden aufgenommen wird: Dann kann man sich mit diesem Wort nicht mehr gegen die ältere Generation abgrenzen.»

Gleich vier Jugendwörter in der Schweiz

Derzeit gleist die Sprachwissenschaftlerin die erste Ausgabe des Schweizer Jugendworts des Jahres auf – und das in allen vier Landessprachen. «Wir bilden mit dem Jugendwort des Jahres Schweiz ab, wie die Schweizer Jugend in den verschiedenen Sprachregionen spricht, was sie dort bewegt und welches ihre Themen sind», so Whitehouse.

Die Gewinner werden dann am 27. Oktober bekannt gegeben. Dann wird sich auch zeigen, ob es den Röstigraben auch in der Jugendsprache gibt.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen