Hoffnung für Brandopfer
Psychologin gibt Einblicke in die Therapie der Verletzten

Fünf Jugendliche aus der Brandkatastrophe von Crans-Montana werden im Kinderspital Zürich behandelt. Obwohl viele im Koma liegen, sieht eine Psychologin dennoch Hoffnung: «Die meisten werden ihr Trauma bewältigen.»
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Fünf Jugendliche aus der Brandkatastrophe von Crans-Montana werden im Kinderspital Zürich behandelt. (Symbolbild)
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Fünf Jugendliche nach Brandkatastrophe in Crans-Montana im Kinderspital Zürich
  • Eine Patientin erleidet Flashbacks durch geschlossene Glastür, Lösung gefunden
  • Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, viele noch im Koma
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Die leitende Psychologin am Kinderspital Zürich, Anna Graf, hat in einem Interview einen Hoffnungsschimmer genannt: «Aus der Forschung weiss man, dass ein grosser Teil von Kindern und Jugendlichen keine gravierenden psychischen Folgen erleben wird.» Zurzeit seien fünf Verletzte der Brandkatastrophe von Crans-Montana im Kinderspital Zürich in Behandlung.

Die Zahl könne sich aufgrund von Verlegungen laufend ändern, sagte Graf zur «NZZ am Sonntag». Die Jugendlichen seien zwischen 14 und 18 Jahre alt, viele von ihnen seien noch im Koma und deshalb nicht ansprechbar. «Wir betreuen vor allem die Familien.»

Schreckhaft, reizbar oder ohne Appetit

Die Familien hätten ebenso wie die Jugendlichen ein Trauma erlebt. «Wie Menschen darauf reagieren, ist sehr unterschiedlich», so Graf. Es gebe ein erhöhtes Risiko für Folgestörungen wie posttraumatische Belastungsstörungen. Betroffene würden dabei das Erlebte immer wieder erleben und unter anderem an dauerhafter Angst und Unruhe leiden.

Bei den meisten Opfern eines Traumas komme es beim Aufwachen zu einer akuten Belastungsreaktion. Die furchtbaren Situationen würden wieder erlebt, was mit Panik einhergehen könne, sagte die Psychotherapeutin. Auch das Nervensystem könne über längere Zeit in einem Alarmzustand bleiben. «Die Leute sind sehr schreckhaft, reizbar, können nicht schlafen, haben keinen Appetit.» Betroffene würden oft auch davon sprechen, dass sie sich wie in einen Nebel gehüllt fühlten. «Sie stehen neben sich und fühlen sich emotional stumpf.»

Angehörige stark betroffen

Ein weiteres Symptom sei die Vermeidung von Reizen, die an das Geschehene erinnern. «Eine unserer Patientinnen zum Beispiel erlebt gerade beim Anblick einer geschlossenen Glastür immer wieder Flashbacks und extreme Angst», sagt Graf. Wegen der Hygiene und der hohen Temperatur, die bei der Behandlung von Brandwunden notwendig sei, könne die Tür nicht einfach offenbleiben. Doch hat das Team von Graf mit den Ärztinnen und Pflegern eine Lösung gefunden, sodass eine Glastür offenbleiben kann. «Die Nachtpflegerinnen lassen der Patientin nachts ein Licht an und kennen ihre Musik-Playlist, die sie ihr anschalten können», sagt die Psychologin.

Den Eltern gehe es ebenfalls schlecht, auch sie litten laut Graf häufig an einer akuten Belastungssymptomatik wie ihre Kinder. Gleichzeitig wollen sie ihren Kindern Halt und Sicherheit geben. «Viele Eltern machen es übrigens intuitiv richtig mit ihren Kindern, sie sind ruhig und vermitteln möglichst viel Sicherheit», sagte Graf.

Oft monatelange Unterstützung nötig

Bezugspersonen ermutige sie, «den Jugendlichen zuzuhören und die Geschichten nicht zu vermeiden». Damit die Jugendlichen zu einem späteren Zeitpunkt auch die Behandlung nachvollziehen können, liegt neben ihrem Bett ein Tagebuch, wie Graf sagte. Darin machten ihr Team, die Pflege und die Eltern Notizen.

«Die Wege aus dem Trauma werden sehr unterschiedlich sein, und ich habe Respekt vor jedem individuellen Schicksal», so die leitende Psychologin. Manche Betroffene bräuchten nach ihrem monatelangen Spitalaufenthalt weiterhin psychologische Unterstützung, andere erst Jahre später wieder. «Aber die meisten werden ihr Trauma bewältigen.»

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