Overtourism am Oeschinensee
Kandersteg BE will Wanderer zur Kasse bitten

Tausende Touristen pilgern täglich zum Oeschinensee, ohne einen Rappen im Dorf auszugeben. Jetzt platzt Kandersteg BE der Kragen: Gemeindepräsident René Maeder (72) will eine Bezahlschranke für den Wanderweg prüfen lassen – und Wanderer künftig zur Kasse bitten.
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Kann eine Bezahlschranke die Massen davon abhalten, zum Oeschinensee zu wandern?
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Kandersteg BE prüft wegen tausenden Tagestouristen zum Oeschinensee eine Bezahlschranke
  • Ausflügler verursachen hohe Kosten für Müll, Toiletten und Unterhalt, lassen aber kaum Geld im Dorf, sagt Gemeinderatspräsident
  • Auch andere Schweizer Orte wie Lauterbrunnen BE und Flims GR kassieren bei Touristen ab
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Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft

Der Hype um den Oeschinensee droht Kandersteg zu überrollen: Täglich klettern Tausende Wanderer hoch zum Bergsee – und hinterlassen der Gemeinde nur Kosten. Gemeindepräsident René Maeder (72) will deswegen die Reissleine ziehen. Der Dorfchef denkt laut über eine Bezahlschranke für Tagestouristen nach. Ob Drehkreuz, QR-Code oder App: Der Touristen-Ansturm auf den Oeschinensee soll endlich kontrolliert werden. Das betonte Maeder gegenüber dem Regionalportal Plattform J.

Das Ärgernis für die Einheimischen: Die Massen strömen hoch, knipsen ihre Fotos und marschieren wieder hinunter. Geld lassen viele im Dorf keines liegen. Auf den Kosten bleibt die Gemeinde sitzen. Unterhalt der Wege, Toilettenanlagen, Ranger: All das muss Kandersteg finanzieren. Für Maeder ist das ein Problem: Die Steuerzahler würden eine teure Infrastruktur berappen, ohne dass die Wertschöpfung im Tal bleibt.

Der Plan ist noch nicht fix

Wie teuer das Ticket für den Marsch zum Oeschinensee werden könnte, ist offen. Blick konnte René Maeder bisher nicht für eine Stellungnahme erreichen – er weilt derzeit im Ausland. Ob die Schranke tatsächlich kommt, steht ohnehin in den Sternen: Der Wanderweg gehört nicht der Gemeinde. Kandersteg muss nun erst juristisch abklären, ob eine solche Maut auf öffentlichen Pfaden überhaupt zulässig ist.

Kandersteg ist nicht der einzige Schweizer Ferienort, der Massnahmen gegen die Kehrseiten des Tourismus ergreift. Auch andere Hotspots setzen auf Schranken, Gebühren oder Kontingente:

Iseltwald BE setzt auf Drehkreuz

Das Fischerdorf am Brienzersee ist wohl das bekannteste Schweizer Beispiel: Durch eine romantische Schlüsselszene im koreanischen Netflix-Hit «Crash Landing on You» erlangte Iseltwald weltweite Berühmtheit. Tausende Fans strömten herbei, um auf dem Holzsteg für Selfies Schlange zu stehen. Als Reaktion stellte die Gemeinde ein Drehkreuz auf und verlangt seither fünf Franken pro Steg-Besuch. Gebremst hat die Gebühr den Hype zwar kaum – dafür spülte sie der Gemeindekasse 2024 mehr als doppelt so viel Geld ein wie ursprünglich budgetiert.

Lauterbrunnen BE plant Entgeld für Staubbachfall

Im Tal der 72 Wasserfälle bahnt sich das nächste Bezahlmodell an: Lauterbrunnen will künftig für den kurzen Weg hinter den berühmten Staubbachfall Eintritt verlangen. Auch hier das bekannte Problem: Tausende Tagestouristen kommen für ein schnelles Foto, lassen aber kaum Geld im lokalen Gewerbe liegen. Bevor die Kasse öffnen kann, muss an der steilen Felswand jedoch noch ein Schutznetz montiert werden. Gemeindepräsident Karl Näpflin (61) peilt eine Abstimmung für Anfang 2027 an. Erst danach wird festgelegt, wie hoch die Eintrittsgebühr sein soll.

Besucher sollen am Caumasee GR blechen

Der türkisblaue Bündner Bergsee inmitten dichter Tannenwälder ist wie geschaffen für Social Media – und ging entsprechend viral. Um den Besucheransturm auf das Ufer des Caumasees zu regulieren und die Infrastruktur zu finanzieren, drehten die Gemeinde Flims und die Badibetriebsgesellschaft an der Preisschraube: Der Eintritt für Erwachsene kletterte auf 19 Franken pro Tag (zuvor 12 Franken).

Parkgebühren im Alpstein explodieren

Die neuen Parktarife im Wanderparadies Alpstein kommen weder bei Touristen noch bei Einheimischen gut an. Heute kostet das Parkieren mancherorts mehr als dreimal so viel wie vor der Preiserhöhung. Das Ziel der Kantonsregierung: Den Tagestourismus rund um Säntis, Hohen Kasten und Seealpsee besser steuern. Doch wie schon einige Blick-Leser mutmassten, dürften dadurch auch die Kantonskassen klingeln.

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