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Blick-Reporter fahren die Unfallstelle ab:«Wo die Baustelle aufhört, ist es wirklich eng»

Reisecar-Unglück im Engadin
5 Tote und 40 Verletzte – erste Details über Opfer bekannt

Ein schwerer Busunfall hat am Donnerstag im Unterengadin fünf Menschen das Leben gekostet. Ein niederländischer Reisecar stürzte zwischen Zernez und Susch neben einer Baustelle von der Strasse. Das wissen wir.
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Blick-Reporter Devin Schürch ist an der Unfallstelle vor Ort.
Foto: Blick

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ein niederländischer Reisebus verunglückte am späteren Donnerstag nahe Zernez schwer
  • Fünf Tote und 40 Verletzte; Unfallstelle in einspurigem Baustellenbereich
  • 45 Personen im Bus, Rettungseinsatz mit Helikoptern und Ambulanzen bis 22 Uhr

Ein schwerer Busunfall hat am Donnerstag im Unterengadin fünf Menschen das Leben gekostet. Ein niederländischer Reisecar kam zwischen Susch und Zernez von der Strasse ab und kippte um. Zahlreiche Rettungskräfte, Ambulanzen und mehrere Helikopter standen im Einsatz. Die Ermittlungen zur Unfallursache laufen.

Was geschah?

Der Reisebus verunfallte am Donnerstag gegen 16.45 Uhr auf der Engadinerstrasse von Zernez in Richtung Susch.

Foto: RMS

Nach bisherigen Erkenntnissen kollidierte der Car am Ende einer Baustellenpassage mit einer Leitplanke. Roman Rüegg, Mediensprecher der Kantonspolizei Graubünden, präzisiert am Freitag gegenüber der SRF-Tagesschau: «Der Bus kollidierte mit der Leitplanke, dadurch bohrte sich diese in den Bus. Er wurde dadurch lenkunfähig und stürzte rechts von der Strasse.» Der Reisecar rutschte ein kurzes Stück den Hang hinunter und kam auf der Seite liegend zum Stillstand.

Die Leitplanke sei aufgrund der Baustellen-Situation abgedeckt gewesen, so Rüegg: «Die Leitplanke war abgeschirmt durch entsprechende Elemente, wie sie üblicherweise auf Baustellen eingesetzt werden.» Weshalb der Bus in die Leitplanke fuhr und sich diese in den Bus bohrte ist noch unklar.

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Fünf Menschen starben, wie die Kantonspolizei Graubünden am Freitagvormittag mitteilt. Die Identifikation der Todesopfer steht noch aus. Drei Personen wurden schwer, sieben mittelschwer und 30 leicht verletzt. Insgesamt waren 45 Erwachsene an Bord, niemand blieb unverletzt. Sieben Rettungshelikopter und 13 Ambulanzen standen im Einsatz.

Der belgische Nachrichtensender VRT berichtete, dass es sich bei den Fahrgästen um überwiegend ältere Menschen handelte.

Der Mitarbeiter eines Garagisten, dessen Garage etwa hundert Meter vom Unfallort entfernt liegt, wurde Zeuge des Geschehens. Anschliessend berichtete er seinen Kollegen von dem Unfall, wie RTS schreibt.

«Er war vor dem Bus. Er fuhr ganz normal, als er hörte, dass hinter ihm etwas Schreckliches passierte. Es gab einen gewaltigen Knall, und er sah, dass der Bus umgekippt war», so der Unternehmer in der Sendung «La Matinale». «Das ist wirklich eine Katastrophe.»

Was verursachte den Unfall?

Die Kantonspolizei Graubünden geht derzeit von einem Selbstunfall ohne Beteiligung eines zweiten Fahrzeugs aus. Bilder zeigen ein Teil der Leitplanke, die im Bus feststeckt. Ersten Erkenntnissen nach prallte der Car dagegen, bevor er auf die Wiese stürzte.

Die Unfallstelle liegt in einem Baustellenbereich. Dort war die Fahrbahn teilweise nur einspurig befahrbar. Die Engadinerstrasse wurde nach dem Unfall vollständig gesperrt.

Frank Radstake, Chef des niederländischen Branchenverbands für Reiseunternehmen ANVR, sagte RTL Nieuws zum Unfallhergang: «Der Chauffeur musste ein Ausweichmanöver durchführen, möglicherweise wegen eines Felsbrockens auf der Fahrbahn. Dabei kippte der Bus auf die Seite und rutschte ein kurzes Stück den Hang hinunter.» Diese Darstellung ist bislang jedoch nicht als Unfallursache bestätigt.

Woher kam der Bus und wohin wollte er?

Wie das «Algemeen Dagblad» berichtet, dürften die Touristen die zehntägige Reise «Nauders und der Bernina-Express» mit Schwerpunkt Österreich gebucht haben. Vergangenen Montag war die Gruppe aufgebrochen.

Die Reise beginnt in den Niederlanden. Am vierten Tag ist ein Ausflug mit dem berühmten Bernina Express geplant. Der Reisebus fährt an diesem Tag zunächst nach Tirano in Italien. Dort steigen die Reisenden in den Zug nach St. Moritz GR. Von St. Moritz bringt sie der Bus dann zurück zu ihrem Hotel in Nauders in Österreich.

Die Rückroute führt über das Engadin, vorbei an Zernez und Susch, Richtung Österreich. Also genau über den Strassenabschnitt, auf dem sich am Donnerstagnachmittag der Unfall ereignete. Der Reiseveranstalter Oad hat dies aber noch nicht offiziell bestätigt. «Eine einzigartige Reise voller Höhepunkte – das Beste aus drei Ländern», schreibt er auf seiner Webseite.

Wer sass im Car?

Wie «De Gelderlander» schreibt, soll ein Lokalpolitiker in den Carunfall verwickelt sein. Er arbeitet als Buschauffeur und soll in ganz Europa unterwegs sein. Ob er am Steuer sass, ist unklar. Er sitzt in der niederländischen Gemeinde Montferland im Gemeinderat. Die Partei will sich am Freitag zu dem Sachverhalt äussern. Zu der Identität der weiteren Opfer ist noch nichts bekannt. Laut ANVR-Chef Radstake wurde der Chauffeur des Busses «nicht so schwer verletzt, dass er ins Spital musste». «Der Chauffeur ist nicht unter den Todesopfern», sagte Kapo-Sprecher Roman Rüegg am Freitagmittag zur «Südostschweiz». Nähere Angaben zum Zustand des Mannes machte er nicht.

Wie «De Gelderlander» weiter berichtet, soll eine Frau aus der Gemeinde Uden unter den Opfern sein. Ihr Ehemann soll mit unbestimmten Verletzungen ins Spital gebracht worden sein.

Vier Personen, die der Reisegruppe angehörten, entschieden sich zudem, den Abstecher in die Schweiz auszulassen und im Hotel in Österreich zu bleiben. Ob sie sich noch dort befinden oder abgereist sind, ist nicht bekannt.

Wie werden die Betroffenen betreut?

Laut Behörden wurde ein Care-Team-Point eingerichtet, wo Überlebende des Unglücks sowie Angehörige betreut werden, die zum Unglücksort anreisen. Die Personen werden an einem vertraulichen Ort betreut – und nicht in der Turnhalle des Sportzentrums Zernez, wie es erst hiess.

Der niederländische Reiseverband ANVR teilt laut «Algemeen Dagblad» am Freitagmorgen mit, dass ein Bus bereitgestellt wurde, um die unverletzten Passagiere nach Österreich zu bringen. Laut dem Reiseverband möchten die Reisenden so schnell wie möglich in ihre Heimat zurückkehren. «Sie sind extrem erschrocken und verwirrt», zitiert die Zeitung den Chef des Reiseverbands, Frank Radstake.

Wo werden die Verletzten behandelt?

Nach bisherigen Informationen wurden Verletzte von den Rettungsdiensten in umliegende Spitäler gebracht, darunter in Scuol. Laut dem niederländischen TV-Sender NOS bricht ein Team des niederländischen Rettungsdiensts Eurocross am Freitag in die Schweiz auf. Die Retter sollen weitere Hilfe leisten.

Bei Eurocross melden sich laut «Algemeen Dagblad» immer wieder besorgte Angehörige. «Für sie ist dies eine beunruhigende und ungewisse Situation. Verständlicherweise ist in diesen Anrufen viel Panik zu hören», zitiert die Zeitung den Rettungsdienst. Offenbar wurden noch nicht alle Angehörige benachrichtigt.

Laut Eurocross rückt die Organisation immer häufiger zu schweren Busunfällen aus. «Dieser hier ist jedoch extrem schwerwiegend.»

Wie verlief die Bergung?

Der Rettungseinsatz war umfangreich. Neben zahlreichen Ambulanzfahrzeugen waren mehrere Helikopter im Einsatz. Die Helikopter verliessen die Unfallstelle nach Angaben der Kantonspolizei erst kurz vor 22 Uhr.

Anschliessend liefen die Spurensicherung und die Bergung der Todesopfer. Der Unglücksbus wurde in der Nacht geborgen, die Strasse wieder für den Verkehr freigegeben. Gegen 7 Uhr am Freitagmorgen waren die Räumungsarbeiten abgeschlossen, berichtete RTS.

Am Unglücksort befindet sich auch ein Zelt mit den Todesopfern. Vor Ort wurden Leichenwagen gesehen, die die Opfer bargen.

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Grosseinsatz im Engadin:Videos aus der Nacht zeigen die Unfallstelle

Wie reagiert die Politik?

Die Schweizer Behörden und die Rettungsorganisationen arbeiten an der Aufklärung des Unfalls. Ein Team der niederländischen Botschaft in der Schweiz, darunter auch Botschafterin Karin Mössenlechner, ist nach Blick-Informationen in Susch eingetroffen.

Bundespräsident Guy Parmelin (66) versicherte in einer Beileidsbekundung auf X: «Die zuständigen Schweizer Behörden werden dafür sorgen, dass eine umfassende und gründliche Untersuchung durchgeführt wird, um alle Umstände dieses Unfalls aufzuklären.»

Die Bündner Regierung zeigte sich in einer Medienmitteilung «tief betroffen vom tragischen Busunglück». Den Angehörigen und Betroffenen sprach sie «ihr tief empfundenes Mitgefühl und ihre aufrichtige Anteilnahme» aus. Den Verletzten wünscht die Regierung zudem eine rasche und vollständige Genesung». Sie kündigte ferner eine Schweigeminute im Rahmen des Treffens mit Bundesrat Ignazio Cassis (65) am Freitagnachmittag in Soglio GR an.

Blick spricht am Freitag auch mit Domenic Toutsch (59, SVP), Gemeindepräsident von Zernez. «Meine Gedanken sind bei den Opfern, Verletzten und Angehörigen in den Niederlanden. Im Namen der Gemeinde spreche ich mein herzliches Beileid aus. Was gestern Abend passiert ist, tut mir sehr leid – es ist tragisch», sagt er. «Ich danke allen Einsatzkräften, die am Donnerstagabend ihr Bestes gegeben haben.»

Der Einsatz ging laut Toutsch «schnell und effizient» vonstatten. Bei den Kräften hat er aber Spuren hinterlassen, sei schwer zu verarbeiten. «Gestern Abend wurde ich von unserem Feuerwehrkommandanten über den Einsatz und das Ausmass informiert. Im Minutentakt hörte man in Zernez Blaulicht durchs Dorf fahren und die Helikopter am Himmel. In der Nacht besuchte ich persönlich die Einsatzkräfte am Schadensplatz und hab mich bei ihnen bedankt.» Er ergänzt: «Wenn auf dem Gemeindegebiet ein solches Ereignis passiert, beschäftigt das einen sehr.»

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