Darum gehts
- David A. stritt 2022 mit Ex-Stadtrat Markus Zindel in Maienfeld
- Überwachungsvideo zeigt Konfrontation auf Grundstück
- Zindel trat zurück; David A. erwägt nächste Instanz anzurufen
Der jahrelange Rechtsstreit zwischen der Stadt Maienfeld GR und dem Strassen-Sperrer David A.* (64) ist um ein Kapitel reicher. Es geht um eine hitzige Konfrontation am 25. Dezember 2022. Beteiligt ist ein damals noch unbekannter Mann und Grundstückbesitzer David A., der einen Tag zuvor seine Strasse sperrte. Bis heute ist die Strasse zu.
Passiert ist der Zwischenfall zwar schon vor über drei Jahren – und könnte trotzdem jetzt die Gerichte beschäftigen. Denn seit letzter Woche ist klar: Bei dem Unbekannten handelt es sich um das damalige Stadtrat-Mitglied Markus Zindel (63).
Stadtrat schubste David A.
Auf einem Überwachungsvideo von besagtem 25. Dezember ist zu sehen, wie der damalige Stadtrat um 17.30 Uhr das Grundstück von David A. betritt. Zur selben Zeit ist A. mit einer Lampe in der Hand auf dem Weg zur Absperrung, weil er seine provisorische Ketten-Sperre beleuchten will.
Auf dem Video ist zu sehen, wie die beiden Männer aufeinandertreffen. «Er wollte mir seinen Namen nicht sagen», erinnert sich A. Die beiden Männer unterhalten sich angeregt. Was sie sagen ist nicht zu hören – das Video ist ohne Ton. David A. behauptet aber: «Der Stadtrat griff mich körperlich an – auf meinem eigenen Grundstück! Er bedrohte und schubste mich.» Er habe versucht, dem «grossen Mann» aus dem Weg zu gehen, doch Stadtrat Markus Zindel versperrt David A. den Weg.
Dies lässt sich David A. nicht gefallen und erstattet Anzeige bei der Polizei gegen Unbekannt wegen Nötigung, Hausfriedensbruch und Tätlichkeiten.
Augenzeuge muss Name bekannt geben
Während des Vorfalls halten sich hinter der Absperrung zwei weitere Männer auf. «Es ist nicht angenehm, wenn man im Dunkeln von drei wütenden Männern abgepasst wird», so A.
Einen von ihnen kennt der Grundstückbesitzer aber und nennt dessen Namen der Polizei. Dieser muss zur Klärung des Vorfalls im ersten Halbjahr 2023 zweimal für eine Zeugenaussage bei der Kantonspolizei Graubünden antraben und den Namen des unbekannten «grossen Mannes» preisgeben.
Am 28. August 2023 muss Markus Zindel schliesslich selbst für Einvernahme zur Polizei. Wie Blick schriftlich vorliegt, gibt er dort zu, am besagten Abend die Absperrkette überstiegen und David A. zu Rede gestellt zu haben. Die Vorwürfe, er habe David A. geschubst und ihm den Weg versperrt, bestreitet er jedoch.
Dass es sich bei diesem Mann um den Stadtrat handelt, erfährt David A. erst vergangene Woche als er Post von der Staatsanwaltschaft über eine Teil-Einstellung des Verfahrens erhält. Er ist empört: «Die Staatsanwaltschaft tut drei Jahre lang nichts – und dann kommt ein solches Urteil. Dabei sind die Fakten doch sonnenklar. Ich habe sogar Videobeweise. Man musste nur noch herausfinden, wer dieser unbekannte Mann ist.»
David A. überlegt sich, den Fall vor die nächste Instanz zu ziehen: «Ich will für meine Rechte einstehen», sagt er.
Ex-Stadtrat hält sich bedeckt
Auf Blick-Anfrage will sich der ehemalige Stadtrat Markus Zindel nicht zum Vorfall äussern. Er betont nur, damals als Privatperson gehandelt zu haben – und nicht in seiner Funktion als Stadtrat.
Auf der Internetseite der Stadt Maienfeld steht, dass Markus Zindel vergangenes Jahr von seinem Amt als Stadtrat zurückgetreten ist. Ob dies im Zusammenhang mit dem laufenden Verfahren passierte, ist nicht klar.
Auch Stadtpräsident Heinz Dürler (59/SVP) will gegenüber Blick nichts zum Verfahren sagen. Er betont lediglich: «Der geschilderte Vorfall weist keinen Bezug zur Stadt Maienfeld oder zu einer amtlichen Tätigkeit auf.»
Trotzdem: David A. machen diese neuen Erkenntnisse sprachlos. «Man müsste meinen, Stadträte sind Leute, die einen gewissen gesellschaftlichen Rang haben und sich korrekt verhalten.» Den Glauben an die Maienfelder Behörden habe er schon lange verloren, dieser Vorfall sei nun das «Sahnehäubchen» auf der ganzen Geschichte.
* Name geändert