Darum gehts
- Erneut Phase Rot in Brienz
- Ein Bereich über dem Dorf hat sich extrem beschleunigt
- Wer das Dorf jetzt betritt, muss mit einer Busse von bis zu 5000 Franken rechnen
Die Gemeinde Brienz GR kehrt zurück in die Phase Rot. Die Situation im Bündner Bergdorf hat sich nach Niederschlägen von Anfang Mai und dem Pfingstwochenende deutlich verschärft.
«Der Bereich ‹Plateau› hoch über dem Dorf hat sich seit dem Winter kontinuierlich und nach den Niederschlägen der vergangenen sechs Wochen stark beschleunigt», erklärt die Gemeinde in einer Medienmitteilung. «Die Gefahr eines grossen Bergsturzes und eines schnellen Schuttstroms ist stark gestiegen.» Das Dorf könne deshalb bis auf Weiteres nicht mehr regelmässig betreten werden.
Bereich «Plateau» macht Sorgen
Der Gemeindeführungsstab Albula/Alvra ist besorgt über die Entwicklung der Geschwindigkeiten in der Rutschung Berg oberhalb von Brienz/Brinzauls. Der östliche Teil des «Plateaus» oberhalb der riesigen Schutthalde hat sich in den vergangenen Wochen so stark beschleunigt, dass er laut Geologen und Naturgefahrenexperten in den kommenden Wochen abstürzen kann.
Im Rahmen einer Medienkonferenz am Freitagnachmittag sagte der zuständige Geologe Stefan Schneider: «Wir können nicht mehr ausschliessen, dass die Gesteinsmassen demnächst abstürzen.» Schneider warnte vor einer Kettenreaktion. «Wenn das Plateau Ost abstürzt, könnte die Schutthalde oben zusätzlich ausgelöst werden», sagt er. «Im schlimmsten Fall: Wenn sich das Plateau Ost ablöst, die Insel Ost mitreist und die Schutthalde oben abrutscht, könnten Millionen Kubikmeter ins Tal abgehen.»
«Verdammt gefährlich»
Die Geschwindigkeit des Plateaus zeige «einen exponentiellen Trend». «Dann werden wir Geologen nervös», so Schneider. «Bei 2,2 Millionen Kubikmetern mit sehr feuchten Bedingungen» wäre eine Überschüttung des Dorfes möglich, teilte er mit.
Führungsstabssprecher Christian Gartmann erinnerte an die Gefahr, die von einem Schuttstrom ausgeht. «Die Phase rot bedeutet also: gehen sie nicht hin, denn sie sind nicht sicher», betont Gartmann. Es sei «verdammt gefährlich». Wer sich nicht an das Betretungsverbot halte, müsse mit einer Busse von bis zu 5000 Franken rechnen. «Wir bedauern sehr, dass wir diese Massnahmen ergreifen müssen», sagte Gartmann zum Abschluss der Medienkonferenz. «Sobald wir können, werden wir den Zugang zum Dorf wieder öffnen, aber im Moment können wir das nicht.»
Brienz wurde erstmals im November 2024 evakuiert. Zuletzt war es den Bewohnern möglich, das Dorf tagsüber zu betreten und beispielsweise die Landwirtschaftsflächen zu bewirtschaften. Doch am Montag wurde das untersagt. Nun ist das Dorf also wieder in der Phase Rot.
Den Liveticker zur Medienkonferenz kannst du hier nachlesen: