Darum gehts
- Seit Sperrung des Kerenzerbergtunnels am 12. April 2026 vermehrte Geisterfahrer
- Drei Geisterfahrten binnen weniger Tage wegen umgeleiteter Verkehrsführung bei Walensee
- 2025 wurden 150 Geisterfahrer gemeldet, 15 führten zu Unfällen
Es ist ein vertrautes Bild: Rechts der Walensee, links die Felswand. Doch seit der Sperrung des Kerenzerbergtunnels am 12. April 2026 kann die Fahrt zwischen Weesen SG und Murg SG plötzlich zur Gefahr werden – es mehren sich die Geisterfahrer, die sich auf die falsche Spur verirren, wie der «Sarganserländer» berichtet.
Weil der Tunnel gesperrt ist, werden beide Fahrtrichtungen auf dieselbe Autobahnseite bei der Walensee-Autobahn umgeleitet – und das sorgt für grosse Verwirrung.
Innert wenigen Tagen mehrere Fälle
Gleich drei Geisterfahrer wurden innert wenigen Tagen auf der Walensee-Strecke gemeldet. Wie die Kantonspolizei gegenüber dem «Sarganserländer» berichtet, kommt eine solche Häufung von Falschfahrten zwar selten vor, am ehesten aber bei temporär geänderten Verkehrsführungen.
Aktuell wird untersucht, wie es zu den Falschfahrten gekommen ist. Marco Wölfli, Medienbeauftragter beim TCS, kennt den Ursprung. «Ein Grund ist, dass die Einfahrt verwechselt wird, zum Beispiel wegen einer Baustelle oder falsch verstandener Signalisation. Eine andere Ursache sind Autofahrer, die auf der Autobahn wenden. Das kann aufgrund von Alkoholkonsum oder anderen Gründen vorkommen», sagt Wölfli zu Blick.
Wie handelt man bei einem Geisterfahrer?
Doch nicht nur im Kanton Glarus verirren sich Autofahrer auf die falsche Fahrbahn. Der TCS meldete für das Jahr 2025 insgesamt 150 Geisterfahrer. Rund 15 Fälle endeten in Unfällen – also etwa 10 Prozent, wie Sprecher Wölfli erklärt. Insgesamt registriert der TCS zehnmal mehr Meldungen als tatsächliche Unfälle. Der Verband sieht darin einen Hinweis darauf, dass Meldungen zur effektiven Unfallprävention beitragen.
Wölfli rät, sofort auf die rechte Spur zu fahren und kein weiteres Überholmanöver vorzunehmen, wenn man einen Geisterfahrer entdeckt. Zudem sollte man bei der nächsten Möglichkeit anhalten und die Polizei informieren. Sollte man sich selbst auf die falsche Spur verfahren, dann gilt: Auf den Pannenstreifen fahren, Warnblinker an, Fahrzeug verlassen und Polizei anrufen.
Was wegen der Kerenzerbergtunnel-Schliessung passiert, ist kein Einzelfall. Obwohl in der Schweiz keine Statistiken erhoben werden, wo sich Autofahrer am häufigsten auf der Gegenfahrbahn verirren, gibt es Hotspots.
Die A2, die Gotthard-Achse und viel Chaos
Der Stau gehört zum Gotthardtunnel wie das Gelbe zum Ei. Und manchmal verirrt sich ein Geisterfahrer auf der Gotthard-Achse. So beispielsweise 2025, als ein Fahrer im Naxbergtunnel aus unbekannten Gründen wendete. Auch 2023 kam es zwischen Göschenen und Wassen im Kanton Uri zur Sperrung der A2 und des Gotthardtunnels aufgrund eines Falschfahrers.
Manch einer wird auch absichtlich zum Geisterfahrer: Im Jahr 2024 hatten die ungeduldigen Autofahrer keine Lust mehr auf den Gotthard-Stau und nutzten Drängler die Ausfahrt Wassen UR, um sich in den Stau vor dem Gotthardportal zu drängen.
Verwirrung und Fahruntaugliche auf der A13
Eigentlich führt die A13 zu idyllischen Destinationen, etwa dem Tessin und dem Bündnerland. Auf der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung neben der Gotthardroute häufen sich allerdings auch Geisterfahrten. So beispielsweise 2019, als ein Geisterfahrer gleich zweimal wendete. Ein Jahr später raste auf der gleichen Autobahn ein Geisterfahrer Richtung Rheineck SG. Beide Fahrer standen unter Alkohol.
Die A1 und ihr Stau-Problem
Geisterfahrer tauchen dort auf, wo reger Verkehr herrscht. Den gibt es auf der A1 definitiv. 2024 nutzten zwei Autofahrer eine Rettungsgasse zum Wenden und flüchteten anschliessend vor dem Stau. Beim Autobahnabschnitt in Oftringen nutze eine Autofahrerin in einem verkehrsarmen Moment ebenfalls die Gelegenheit, um zu wenden.