Nach 44 Bussen auf dem Bürkliplatz – Flohmarkt-Präsidentin warnt
«Haltet euch an die Regeln»

Die Stadtpolizei Zürich hat vergangenen Samstag 44 Standbesitzer auf dem Bürkliplatz-Flohmarkt gebüsst. Dies sorgte für grossen Aufruhr unter den Betroffenen. Sie berichten von kleinlichem Bünzli-Verhalten der Polizisten.
Kommentieren
1/10
Monika Luck (76) ist seit zwölf Jahren Präsidentin der Vereinigung Zürcher Flohmarkt und regt sich ebenfalls über die Bussen auf.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Stadtpolizei Zürich hat vergangenen Samstag 44 von rund 250 Standbetreibern auf dem Bürkliplatz-Flohmarkt gebüsst
  • Die Höhe der Bussen: 80 bis 120 Franken
  • Flohmi-Präsidentin Monika Luck warnt die Händler nun
RMS_Portrait_AUTOR_1198.JPG
Karin FrautschiReporterin Blick

Sie wollten sich etwas dazuverdienen, nun müssen sie blechen: Vor rund einer Woche hagelte es Bussen auf dem Flohmarkt auf dem Zürcher Bürkliplatz. «Der Aufruhr war gross», sagt Monika Luck (76), Präsidentin der Vereinigung Zürcher Flohmarkt VZF, zu Blick. «Viele Standbetreiber und Besucher fielen aus allen Wolken.»

Die Stadtpolizei Zürich teilt auf Blick-Anfrage mit, dass sie 44 von rund 250 Standbetreibern wegen Missachtens der Standplatzzuteilung und Missachtens der Bewilligungspflicht büsste. Die Bussenbeträge lagen zwischen 80 und 120 Franken.

Busse wegen zwei Zentimetern

Eine der Gebüssten ist die über 80 Jahre alte Standbetreiberin Rosmarin Ruesch. «Zwei Bilder von mir befanden sich etwas ausserhalb der grün markierten Linie», sagt sie zu Blick. Und betont: «Eines davon stand nur rund zwei Zentimeter neben der Linie.»

Dass Ruesch dafür nun 80 Franken bezahlen soll, finde sie «daneben». Dieser Betrag tue weh. Ruesch rechnet vor: «Am Flohmarkt nehme ich pro Tag gerade einmal zwischen 200 und 300 Franken ein – und arbeite mindestens zwölf Stunden dafür.» Dazu kämen Platzgebühren und Parkplatzkosten, die sie jeweils zusätzlich berappen müsse.

Mit der Busse folgte am vergangenen Samstag weiterer Ärger für Ruesch. «Ich wollte die 80 Franken direkt bezahlen, doch stattdessen gab mir der Polizist einen Zettel mit einem QR-Code», sagt die über 80-Jährige. «Ich sagte ihm, dass ich nicht so bezahlen kann, weil ich mit der Technik nicht zurechtkomme. Er verwies er mich dann an den Bussenschalter – was noch mehr Aufwand für mich bedeutet.»

Bezahlt hat Ruesch die Busse bisher nicht, wie sie sagt. «Ich warte noch ab.» Diesen Samstag will sie aber alles richtig machen: «Wir müssen jetzt aufpassen. Ich stelle nichts neben meinen Stand, ich glaube, die Polizisten kommen nochmals kontrollieren.»

«Das war sehr bünzlig»

Ähnlich erging es Felix Müller-Boekamp (49) aus St. Gallen. Seine Frau und er betreuen jeweils einmal pro Jahr den Stand einer Freundin auf dem Flohmarkt am Bürkliplatz – und erwischten ausgerechnet den Tag der Grosskontrolle.

Auch Müller-Boekamp erhielt eine 80-Franken-Busse, weil er drei Bilder etwas ausserhalb seines Platzes aufgestellt hatte. Als die Polizisten ihn auf den Verstoss aufmerksam machten, wollte er die Bilder sofort wegstellen. Doch dies änderte nichts. «Die Polizisten waren aggressiv und extrem unfreundlich», kritisiert Müller-Boekamp und fügt an: «Das war sehr bünzlig und hat mit Kulanz überhaupt nichts zu tun.»

Getrübte Stimmung

Flohmarkt-Präsidentin Monika Luck weiss: «Viele Standbesitzer empfinden diese Bussen als extrem kleinlich und planen, Einsprache dagegen zu erheben.»

Die Stimmung unter den Standbetreibern sei seither getrübt. «Viele sind eingeschüchtert und regen sich auf», sagt Luck. Auch sie habe noch nie eine solch rigorose Kontrolle erlebt – obwohl sie bereits seit 43 Jahren am Bürkliplatz-Flohmarkt teilnimmt.

Ihrer Meinung nach sind die 44 ausgesprochenen Bussen völlig unverhältnismässig. «Die Leute sind sich gar nicht bewusst, was der Flohmarkt für einen gesellschaftlichen Wert hat», sagt Luck. «Die Stadt Zürich zieht von uns nur Gebühren und Bussen ein. Unterstützung erhalten wir so gut wie keine.»

Diesen Samstag findet bereits der nächste Flohmarkt auf dem Bürkliplatz statt – zum fünftletzten Mal in diesem Jahr. «Ich habe all unsere Mitglieder vorgängig angeschrieben, dass sie am Samstag aufpassen und sich an die Regeln halten sollen», sagt Flohmarkt-Präsidentin Luck. Im Falle einer möglichen Nachkontrolle hofft sie, dass so niemand eine weitere Busse erhält.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen