Fieser Trauer-Betrug mit KI
Betrüger zocken Angehörige mit Nachrichten aus dem Jenseits ab

Betrüger nutzen vermehrt KI, um auch Trauernde mit perfiden Tricks zu täuschen – sie erschleichen Vertrauen mit vermeintlichen Botschaften Verstorbener und fordern Geld. Die Kapo Zürich warnt vor Vorschussbetrug.
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Nachrufe und Todesanzeigen werden nun teilweise von Betrügern mit KI durchsucht.
Foto: imago images/photothek

Darum gehts

  • Betrüger nutzen Trauer-Scams, um Hinterbliebene mit gefälschten Nachrichten auszutricksen
  • Künstliche Intelligenz durchforstet Onlinedaten, um Betrug besonders glaubwürdig zu gestalten
  • Kantonspolizei Zürich warnt vor Vorschussbetrug und rät zu Vorsicht
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Natalie ZumkellerRedaktorin News

Wenn ein Familienmitglied, eine vertraute oder bekannte Person verstirbt, herrscht bei den Hinterbliebenen vor allem eine Emotion vor: Trauer. Für Angehörige ist die Zeit nach dem Verlust oft eine besonders vulnerable, rationales Denken kommt erst an zweiter Stelle – und genau das wird von Betrügern bei Trauer-Scams besonders kaltherzig ausgenutzt.

Plötzlich erreicht die Hinterbliebenen kurz nach dem Ableben eine Nachricht von «Mama» oder «Papa», die versteckte Konten gehabt haben sollen, auf welche die Familie nun, im Gegenzug für eine Anzahlung, Zugriff erhalten soll. Hinter den scheinbaren Botschaften aus dem Jenseits stecken jedoch Betrüger, die durch Nachrufe und Todesanzeigen Kontakt mit den Angehörigen aufnehmen können.

Verletzlichkeit mit KI ausgenutzt

Die Masche ist besonders perfide, dank des Einsatzes von künstlicher Intelligenz jedoch auch extrem überzeugend. Die Betrüger nutzen die KI, um im Vorfeld das Internet und die Sozialen Medien nach persönlichen Informationen der Verstorbenen zu durchstöbern. Diese werden bei der Kontaktaufnahme mit den Angehörigen genutzt, um diese von der Legitimität des Angebots zu überzeugen.

Zusammen mit der verletzlichen emotionalen Verfassung, in der sich die Hinterbliebenen befinden, haben diese privaten Informationen oft einen grossen Einfluss. Wer könnte denn sonst von Papas Hund wissen, den er als Kind hatte und der Bello hiess? Nun ja, wenn dies einmal öffentlich online gepostet wurde – jeder und jede.

Kapo mahnt zur Vorsicht

Bei der Kantonspolizei Zürich sind solche Betrugsformen unter dem Übernamen Vorschussbetrug bekannt. Eine Meldung zu dem «Trauer-Scam» sei so noch nie eingegangen, wie die Kapo gegenüber Blick erklärt, ähnliche Maschen sind jedoch bekannt.

«Bei Vorschussbetrug werden Opfer mit unterschiedlichsten Geschichten dazu gebracht, vorgebliche Gebühren, Abwicklungs- oder Freigabekosten zu bezahlen, um angeblich an Geld, Erbschaften oder andere Vermögenswerte zu gelangen», so die Kapo. «Nach erfolgter Zahlung bricht der Kontakt in der Regel ab, und das versprochene Geld existiert nicht.»

Wer Verdacht schöpft, soll sich bei der Polizei melden. «Betroffenen raten wir, bei unerwarteten Kontaktaufnahmen im Zusammenhang mit angeblichen Guthaben, Erbschaften oder versteckten Konten besondere Vorsicht walten zu lassen, keine Vorauszahlungen zu leisten und die Angaben unabhängig zu überprüfen. Im Zweifelsfall empfiehlt sich eine Rücksprache mit der Polizei oder mit Vertrauenspersonen, bevor finanzielle Transaktionen vorgenommen werden.»

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