Externe Untersuchung bei Tamedia – Journalistin erhebt Vorwürfe gegen Kadermann
«Er griff mir an die Brüste»

Der Verlag Tamedia hat zwei Führungskräfte von «24 heures» freigestellt. Es geht um Vorwürfe von Sexismus, sexualisierter Gewalt und Drogenkonsum.
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Unruhe bei «24 heures» im Tamedia-Haus in Lausanne.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Tamedia stoppte Ernennung von Kadermann zum «24 heures»-Chefredaktor im Januar 2026
  • Externe Untersuchung prüft Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens und unangemessener Kommunikation
  • Zwei Fälle gemeldet, beschuldigte Kadermänner beurlaubt, Ergebnisse stehen noch aus
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Eigentlich wollte der Tamedia-Verlag am 27. Januar einen neuen Chefredaktor für die Westschweizer Tageszeitung «24 heures» mit Sitz in Lausanne bekannt geben. Doch dazu kam es nicht, wie das Portal «L'Impertinent» berichtete. Der damalige Chefredaktor, der bereits sein Büro geräumt hatte, wurde gebeten, noch ein bisschen länger zu bleiben. Stattdessen wurde der designierte Chefredaktor freigestellt, später ein weiterer Kadermann. Eine Kanzlei prüft die Vorfälle. Die betroffenen Kadermänner wollten sich gegenüber Blick nicht äussern. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. Was soll passiert sein?

Weihnachtsfeier um 2018

Nach einer «24 heures»-Weihnachtsfeier soll es eine Afterparty gegeben haben. Kadermann A soll in einer Disco in Lausanne gegenüber einer jungen Journalistin übergriffig geworden sein. «Er hat mich plötzlich auf den Mund geküsst. Ich war wie gelähmt. Damit habe ich nicht gerechnet, weil er schwul ist und mit einem Mann zusammen war. Später griff er mir an die Brüste. Ein Praktikant griff daraufhin ein und sagte dem Kadermann, er solle nach Hause gehen», sagt die Journalistin heute zu Blick. Einige Tage später habe sich der Kadermann ihr am Arbeitsplatz genähert und ihr sinngemäss gesagt, was für ein fantastischer Abend das gewesen sei und dass sie allen Spiessern eine Lektion erteilt hätten. «Er hat sich nicht entschuldigt und das Ganze als Scherz abgetan. Für mich hatte das überhaupt nichts von einem Scherz.» Eine offizielle Meldung gab es nicht. «Hätte ich davon gewusst, hätte ich etwas dagegen unternommen», sagt der damalige Chefredaktor Claude Ansermoz (56) zu Blick.

Angebliche Affäre 2023

Um 2023 herum soll Kadermann B – der 2026 Chefredaktor werden sollte – eine angebliche Affäre mit einer jungen Mitarbeiterin gehabt haben. «Als ich davon erfahren habe, bin ich eingeschritten», berichtet Ansermoz. Kadermann B gilt intern schon länger als umstritten. Mehrere Journalisten werfen ihm vor, seine Emotionen nicht im Griff zu haben und abwertend zu kommunizieren. Claude Ansermoz: «Ich persönlich habe nie eine Beschwerde dieses Inhalts erhalten. Wäre das der Fall gewesen, hätte ich die Situation neu beurteilt.»

Weihnachtsfeier 2025

Die Weihnachtsfeier 2025 soll erneut eskaliert sein. Ein anderer Kadermann soll sich unangemessen gegenüber jungen Frauen verhalten haben. Tamedia betont: «Fehlverhalten jeglicher Art wird bei Tamedia klar adressiert, sorgfältig abgeklärt und die notwendigen Konsequenzen gezogen.»

Januar 2026

Der Zürcher Tamedia-Verlag möchte am 27. Januar Kadermann B zum neuen Chefredaktor von «24 heures» ernennen. Als das intern bekannt wird, geht die Personalkommission gemeinsam mit dem Berufsverband Impressum auf die Barrikaden. Co-Präsidentin Fabienne Sennhauser (33) arbeitet für Tamedia in Zürich und bestätigt den Vorgang: «Wir haben lückenlose Aufklärung gefordert und der Personalabteilung Konsequenzen aufgezeigt, sollte die Ernennung dieser Person bestätigt werden.» Dem Vernehmen nach gibt es einen Brandbrief der Belegschaft in Lausanne an die Zürcher Zentrale. Daraufhin wird Tamedia-CEO Jessica Peppel-Schulz (56) aktiv. Sie stoppt die geplante Ernennung und ordnet eine externe Untersuchung an. Damit wird nach Blick-Informationen die Kanzlei PG Avocats in Lausanne beauftragt. Am 27. Januar wird nur eine Personalie zur «Basler Zeitung» kommuniziert, am 27. Februar wird Virginie Lenk (51) zur Chefredaktorin ad interim ernannt.

Frühling 2026

Eine «24 heures»-Journalistin lädt zu sich nach Hause ein. Es soll viel Wein geflossen sein, manche sollen illegale Drogen konsumiert haben. Was genau vorgefallen ist, ist unklar. Die Teilnehmenden des Abends haben dem Vernehmen nach eine Stillschweigeerklärung unterschrieben, während der laufenden Untersuchung nicht über den Abend zu sprechen. Auf den Gängen von «24 heures», so berichten mehrere Quellen, geht das Gerücht um: Kadermann A, über den manche sagen, mit Alkohol- und Drogenkonsum sei er «nicht mehr schwul, sondern bisexuell», soll zu einer jungen Mitarbeiterin gesagt haben: «Ich habe Lust, zu vergewaltigen.» Kurz nach dem Abend im Frühling 2026 wird Kadermann A freigestellt. Eine Untersuchung ist am Laufen.

Was sagt Tamedia?

Tamedia-Sprecher Edi Estermann zu Blick: «Tamedia wurden Anfang dieses Jahres über die dafür vorgesehene Meldemöglichkeit für Mitarbeitende zwei Fälle gemeldet, die Hinweise auf mögliche Verstösse gegen unseren Verhaltenskodex enthielten. Die Leitung Publizistik hat die Meldungen jeweils noch am selben Nachmittag aufgenommen und CEO und HR involviert. Am folgenden Vormittag erfolgte jeweils die interne Abstimmung unter Einbezug der Westschweizer Personalkommission. Die beschuldigten Mitarbeitenden wurden unter Wahrung der Unschuldsvermutung umgehend beurlaubt, und es wurde festgelegt, dass sie bis auf weiteres keinen Kontakt zu Tamedia-Mitarbeitenden haben. Noch am selben Arbeitstag wurde in beiden Fällen jeweils die externe Kanzlei formell mit den Untersuchungen beauftragt. Die Untersuchungen dauern aktuell noch an, stehen aber vor dem Abschluss. Für Tamedia ist entscheidend, dass solche Meldungen ernst genommen und unabhängig abgeklärt werden. Gleichzeitig muss das Verfahren für alle Beteiligten fundiert und fair sein und den beschuldigten Personen die Möglichkeit geben, zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Diesen Anspruch haben wir mit dem gewählten Vorgehen sichergestellt.»

Transparenz-Hinweis: Der Chef von Blick Romandie, Claude Ansermoz, war von November 2017 bis November 2024 Chefredaktor von «24 heures». Er war in diese Recherche nicht involviert und ist in den Ausstand getreten.

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