Drosten-Nachfolger Klaus Stöhr
«Die Schweiz ist besser durch die Pandemie gekommen als Deutschland»

Lockdowns, Maskenpflicht, Homeoffice: Mit Corona kamen die Massnahmen. Im Nachhinein betrachtet, findet der deutsche Epidemiologe Klaus Stöhr: Die Schweiz hat es besser gemacht als Deutschland.
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Der Epidemiologie Klaus Stöhr ist davon überzeugt, dass die Schweiz besser durch die Corona-Pandemie gekommen als Deutschland.
Foto: imago images/teutopress

Deutliche Worte aus Deutschland: Der Epidemiologe Klaus Stöhr (63), Nachfolger von Christian Drosten (50) im Sachverständigenrat, sagt im Interview mit der «NZZ»: «Die Schweiz ist besser durch die Corona-Pandemie gekommen als Deutschland».

Das macht der Deutsche insbesondere an den Folgen der Einschränkungen fest. Stöhr: «Die Folgen für freiheitlich-demokratische Grundordnung scheinen nicht so schwerwiegend wie in Deutschland.»

Er führt dies vor allem darauf zurück, dass die Schulen viel kürzer geschlossen gewesen und fast alle Massnahmen früher aufgehoben worden seien. Der Epidemiologe übt seit langem deutliche Kritik an den Corona-Massnahmen in seiner Heimat. Im April sagte er zum Beispiel zur «Bild»: «Die Wirkung von Corona-Massnahmen wird drastisch überschätzt.»

Man hätte mehr auf Eigenverantwortung setzen sollen

Auch aus gesundheitlicher Sicht habe die Schweiz insgesamt besser abgeschnitten. «Sowohl hinsichtlich der Übersterblichkeit als auch bei der Belastung der Intensivstationen», führt Stöhr in der «NZZ» weiter aus. Was erstaunlich sei, wenn man bedenke, dass Deutschland pro Einwohner dreimal so viele Intensivpflegeplätze habe wie die Schweiz.

Der Corona-Experte ist davon überzeugt, dass man von Beginn an auf mehr Eigenverantwortung hätte setzen müssen – so wie in Schweden. Alle Menschen aus dem Infektionsgeschehen rauszuhalten und damit in den Lockdown zu schicken, sei nicht die richtige Strategie gewesen.

Stöhr erwartet geringfügige Massnahmen im Herbst

Ganz auf Massnahmen verzichten, hält Stöhr allerdings auch für falsch. Für den kommenden Herbst hält er folgendes Vorgehen für sinnvoll: Vereinzelte Massnahmen auswählen und umsetzen. Je nach Situation eben.

Stöhr führt aus, was er genau damit meint: «Wenn zum Beispiel die Hospitalisierungen und die Einweisungen auf die Intensivstationen einen bestimmten Wert überschreiten, beginnt man mit den mildesten Kontaktreduktionen. Das wären Masken. Falls sich die Situation in den Krankenhäusern verschlimmert, könnte unter Umständen auch eine Home-Office-Empfehlung sinnvoll sein.»

Er gehe aber davon aus, dass nach einer guten Impfkampagne bei den über 60-Jährigen und anderen Vulnerablen im Herbst nur relativ geringfügige Eingriffe in das gesellschaftliche Leben notwendig sein würden. (oco)

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