Geringster Verbesserung seit 1876
Der Anstieg der Lebenserwartung in der Schweiz gerät ins Stocken

Menschen in der Schweiz werden zwar durchschnittlich immer älter. Neuste Erhebungen des BFS belegen jedoch, dass der Anstieg der Lebenserwartungen zwischen 2010 und 2020 so schwach war wie noch nie. Kann dieser überhaupt noch beschleunigt werden?
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Die Lebenserwartung steigt in der Schweiz weiter an. (Symbolbild)
Foto: Shutterstock

Darum gehts

  • Die Lebenserwartung in der Schweiz steigt
  • Von 2010 bis 2020 wuchs sie über ein Jahrzehnt hinweg so langsam wie nie seit 1876
  • Männer liegen bei 81,6, Frauen bei 85,5
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Wiebke KöhneRedaktorin Newsdesk

Alle zehn Jahre veröffentlicht das Bundesamt für Statistik (BFS) einen Bericht über die Entwicklung der Sterblichkeit der Schweizer Wohnbevölkerung. Über die Jahrzehnte hinweg stiegen die Lebenserwartungen stets an. Wie die neusten Veröffentlichungen vom BFS am Dienstag zeigen, hat sich daran auch jetzt nichts geändert. Allerdings fällt die Anstiegskurve der Lebenserwartungen im Zeitraum zwischen 2010 und 2020 historisch flach aus.

Wie es im aktuellen Bericht heisst, stieg die Lebenserwartung (ab der Geburt) der Männer in der beschriebenen Periode um 1,5 Jahre an. Bei Frauen betrug der Anstieg mit einem Jahr etwas weniger. Laut dem BFS handelt es sich dabei um die geringsten Zuwächse, «die seit den ersten Sterbetafeln von 1876/1880 innerhalb eines Jahrzehnts verzeichnet wurden». Zum Vergleich: Zwischen 2000 und 2010 betrug der Anstieg bei den Männern noch 2,9 Jahre und bei den Frauen 1,7 Jahre. Im Rekordzeitraum zwischen 1920 und 1930 stieg die Erwartung bei Männern um 4,8 und bei Frauen sogar um 5,6 Jahre.

Pandemie hatte Einfluss auf Verlangsamung

Auch wenn das Tief beide Geschlechter betrifft, war es bei den Männern nur ein knapper Rekord. Das BFS hält fest, dass der Anstieg sehr nahe an jenem liegt, der zwischen 1960 und 1970 gemessen wurde. Dass er darunter gefallen ist, führt das Amt auf die Corona-Pandemie zurück. Diese habe geschlechterübergreifend einen erheblichen Einfluss auf die Verlangsamung gehabt.

Gegenwärtig ist die Lebenserwartung ab der Geburt in der Schweiz weltweit eine der höchsten. Wie das BFS auf seiner Website angibt, lag sie bei Männern im Jahr 2025 bei 82,7 Jahren. Bei Frauen sogar bei 86,3 Jahren. Kann diese hohe Zahl überhaupt noch innerhalb kürzerer Zeit weiter ansteigen?

«Es erscheint unwahrscheinlich, dass die Lebenserwartung in Zukunft schneller steigen wird», teilt das BFS auf Anfrage von Blick mit. Dies, obwohl in der Senkung der Sterblichkeit durch Haupttodesursachen weiterhin Fortschritte zu verzeichnen sind. Der Rückgang an Sterbefällen durch Krebs habe in den letzten Jahren, wenn auch bescheiden, deutlicher zum Anstieg der Lebenserwartungen beigetragen.

Besserer Schutz der ältesten Menschen

Anders sieht es bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Dort gestalten sich wesentliche Fortschritte laut dem Amt zunehmend schwieriger. Dies sei jedoch wenig verwunderlich, da Todesfälle aufgrund dieser Erkrankungen immer häufiger bei sehr hochbetagten Menschen auftreten. Bei einem stark geschwächten Organismus kann bereits die geringste zusätzliche Erkrankung, wie eine Grippe, zu einem Tod durch Herz-Kreislauf-Versagen führen.

Mögliche Hebel für einen weiteren Anstieg der Lebenserwartungen sieht das Amt daher in einem «besseren Schutz der ältesten Menschen vor saisonalen Krankheiten». Ein weiterer Ansatzpunkt wäre eine allgemeine Verbesserung des Gesundheitsverhaltens innerhalb der Bevölkerung. Dazu gehören unter anderem eine gesunde Ernährung, körperliche Betätigung und der Verzicht auf schädliche Substanzen wie Nikotin.

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