Die langersehnte Abkühlung ist da. Regenschauer haben die Temperaturen in der Schweiz purzeln lassen. In einigen Regionen hat es am vergangenen Donnerstag und Freitag besonders viel geregnet.
«In den vergangenen 48 Stunden hat es einerseits im (Süd-)tessin und Südbünden, andererseits von der Zentralschweiz Richtung Alpstein und bis zum Bodensee am meisten Niederschlag gegeben», sagt Michael Eichmann, Meteorologe von Meteo News, auf Nachfrage von Blick. «Ein weiteres Maximum lag zwischen dem Neuenburgersee und Solothurn.»
Krasse Unterschiede beim Regen
Ein Blick auf die konkreten Zahlen zeigt enorme regionale Unterschiede. Die Station Toricella TI etwa verzeichnete gemäss Eichmann in den vergangenen 48 Stunden 181 Millimeter Regen. Nirgendwo sonst hat es mehr geregnet.
Die Station Soglio GR verzeichnete immerhin 124.5 Millimeter Niederschlag, an den Stationen Grono TI und Lugano TI wurden 110.6 beziehungsweise 105.1 Millimeter gemessen. Spitzenreiter in der Zentralschweiz ist Siebnen SZ mit 102.7 Millimetern Niederschlag in den vergangenen 48 Stunden.
«Am wenigsten Niederschlag gab es im Wallis, besonders im Mattertal mit nur 8.2 Millimeter in Mattsand oder 8.9 Millimeter in Grächen», so Eichmann weiter.
«Vielerorts sinken die Flusspegel wieder»
Doch was hat der Regen wirklich gebracht? Können wir mit Blick auf Flüsse und Seen wieder aufatmen? Nicht wirklich. Oder besser gesagt: Für eine Entwarnung ist es noch zu früh.
«Zunächst haben die Pegel der Flüsse reagiert, diese sind eigentlich überall angestiegen», sagt Eichmann zu Blick. «Vielerorts sinken diese aber nun bereits wieder.» Immerhin sei die Lage besser als vor den Niederschlägen.
Ein grosser See auf normalem Niveau
Und unsere Seen? Der Meteorologe weiss: «Bei den grösseren Seen sieht man eine leichte Entspannung, allerdings ist auch das grundsätzliche Niveau sehr tief, wodurch diese Niederschläge noch nicht die grosse Entlastung waren.»
Gemäss Eichmann ist der Pegel des Bodensees erst um rund 10 Zentimeter gestiegen. «Verglichen mit dem klimatologischen Durchschnitt (1991-2020) fehlen über 80 Zentimeter.» Beim Zürichsee beträgt der Anstieg auch gerade einmal 10 Zentimeter. Dort fehlen aber immerhin nur 45 Zentimeter zur Norm. Grund zur Freude gibts hingegen beim Vierwaldstättersee. «Dieser liegt derzeit auf einem normalen Niveau», so der Meteorologe.
«Für eine nachhaltige Entspannung reicht das nicht»
Der Regen der vergangenen Tage war wichtig. Es braucht aber mehr davon. «Für eine nachhaltige Entspannung der Trockenheit reichen diese Niederschläge bei Weitem noch nicht», erklärt Eichmann. Das Defizit sei dafür einfach zu gross. «Die Pegel der Fliessgewässer mögen jeweils rasch reagieren, ausschlaggebender sind aber die Seepegel oder der Grundwasserspiegel.»
Ein Blick auf die hydrologischen Daten des Bundes zeigt, dass die Grundwasserstände vielerorts noch immer niedrig und in der Tendenz eher sinkend sind. Der nächste Regenschauer ist also sehr willkommen.