«Big Short»-Guru Michael Burry wettet auf fallende Kurse
Steuern die Börsen auf einen Crash zu?

Der Ölpreis steigt über 100 Dollar pro Barrel, US-Staatsanleihen rentieren mit fast 5 Prozent und die KI-Euphorie hat die Aktienkurse weit nach oben getrieben. An den Finanzmärkten braut sich ein gefährlicher Mix zusammen.
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Die Zwischenwahlen in den USA sorgen für zusätzliche Verunsicherung an den Börsen.
Foto: AP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ölpreise steigen: Diesel kostet bis zu 2.40 Franken pro Liter
  • Saudi-Arabien stoppte Pipeline nach Drohnenangriff, Ölpreis über 100 Dollar pro Barrel
  • US-Staatsanleihen mit 5 % Rendite, Börsen nahe Rekordhoch
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Beat SchmidWirtschaftsredaktor

An der Tankstelle kostet ein Liter Diesel bis zu 2.40 Franken. Bleifreies Benzin in manchen Regionen kaum noch unter 2.10 Franken. Nächste Woche könnten die Preise weiter steigen. Ein Grund dafür ist die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten: Nach Drohnenangriffen aus dem Irak stoppte Saudi-Arabien am Freitag eine wichtige Erdölpipeline.

Zuvor hatten die Huthi-Rebellen im Jemen eine Stadt im Osten des Landes eingenommen. Dadurch steigt das Risiko, dass der Schiffsverkehr durch die Meerenge Bab al-Mandab am Golf von Aden und damit die Verbindung durch den Suezkanal massiv gestört wird. Der Ölpreis ist vergangene Woche auf über 100 Dollar pro Barrel geklettert – so hoch wie seit Mai nicht mehr, als der Iran den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus blockierte.

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Michael Burry wettet auf den Absturz

Ist das die berühmte Nadel, die die Blase zum Platzen bringt? Börsengurus warnen seit Monaten vor einem Einbruch an den Finanzmärkten. Michael Burry (55), der gegen die US-Immobilienblase im Jahr 2007 spekulierte und damit zur Investorenlegende wurde, ist wieder «short» gegangen. Das heisst: Er wettet auf fallende Kurse.

Burry, dessen Geschichte im Hollywoodfilm «The Big Short» verfilmt wurde, deckte sich mit sogenannten Put-Optionen auf Aktien mit starkem Bezug zur künstlichen Intelligenz ein. Konkret spekuliert er gegen Titel wie Nvidia, Oracle, Palantir, Micron oder Caterpillar. Puts sind Finanzkontrakte, die an Wert gewinnen, wenn der Kurs der zugrunde liegenden Aktie fällt.

Ob seine Wette aufgeht, kann niemand sagen. Denn trotz globaler Krisen befinden sich wichtige Leitindizes wie der S&P 500, der die 500 grössten börsenkotierten US-Unternehmen abbildet, nahe ihren Allzeithochs. Allerdings sind die Anzeichen unübersehbar, dass die Märkte immer tiefer in die Gefahrenzone eindringen.

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Was professionellen Investoren neben den wieder stark steigenden Energiepreisen zusätzlich Respekt einjagt, sind die steigenden Renditen an den Anleihenmärkten. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten vergangene Woche zeitweise mit nahezu 5 Prozent. Damit dringen sie in einen Bereich vor, der für die Aktienmärkte zunehmend unangenehm wird.

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Der Grund: Je höher die Renditen sicherer Staatsanleihen steigen, desto weniger attraktiv erscheinen Aktien im Vergleich. Gleichzeitig verteuert sich die Finanzierung für Unternehmen und Staaten. Besonders heikel ist das für die Regierung von Donald Trump. Die amerikanischen Staatsschulden sind mittlerweile auf rund 40 Billionen Dollar angeschwollen. Neue Schulden aufzunehmen oder auslaufende Papiere zu refinanzieren, wird immer kostspieliger.

Fed zusätzlich unter Druck

Ein weiteres Zeichen, das kaum für eine Beruhigung der Lage spricht, ist die Teuerung in den USA. Wie die jüngste Meldung vom Freitag zeigte, hält sich die Inflation hartnäckig auf hohem Niveau. Damit nimmt der Druck auf den neuen Fed-Präsidenten Kevin Warsh (56) zu, nächste Woche die Zinsen zu erhöhen. Je nachdem, ob und wie stark der Zinsschritt ausfällt, könnte auch dies Folgen für die Aktienmärkte haben.

Hinzu kommt die Saisonalität. Der September gilt traditionell als schwieriger Monat für die Börsen. Immer wieder kam es gerade in diesem Monat zu starken Kursverlusten. Zudem stehen Anfang November die Zwischenwahlen in den USA an. 

Es kommt also einiges zusammen: ein Ölpreis von mehr als 100 Dollar pro Barrel, hohe und steigende US-Zinsen, die enormen Bewertungen vieler KI-Aktien, der Horrormonat September und die amerikanischen Midterms. 

Ein Schweizer Portfoliomanager, der seit Jahrzehnten an den Finanzmärkten tätig ist, sieht darin einen gefährlichen Mix. Eine Korrektur von 10 oder 20 Prozent sei unter diesen Voraussetzungen jederzeit möglich, sagt er. Aber der Kurseinbruch muss auch nicht kommen, meint er. Erstaunlich für ihn ist, wie stabil sich die Börsen bislang gehalten haben. 

Dafür gebe es einen entscheidenden Grund: die Unternehmensgewinne. Solange die Gewinne wachsen und die Erwartungen der Anleger erfüllen, seien die hohen Aktienbewertungen gerechtfertigt. 

Auch die SNB schaut genau hin

Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte die Entwicklung sehr genau verfolgen. Am 24. September fällt sie ihren nächsten Zinsentscheid. Eine Erhöhung um 25 Basispunkte, also von aktuell 0 auf 0,25 Prozent, wäre keine allzu grosse Überraschung. Das Zinsgefälle gegenüber dem Dollar- und dem Euroraum hat sich zuletzt deutlich vergrössert. Die Lage für die SNB hat sich zuletzt deutlich verbessert. Sie verfügt über Spielraum, ihre Bilanz zu verkleinern und sich beispielsweise von ausländischen Anleihen oder Aktien zu trennen.

Die SNB investiert einen erheblichen Teil ihrer Devisenreserven in Staatsanleihen. Wie gross ihr Bestand an US-Treasuries genau ist, legt sie nicht offen. Insgesamt werden der Schweiz laut US-Finanzministerium US-Staatsanleihen im Wert von rund 285 Milliarden Dollar zugerechnet. Darin enthalten sind allerdings neben der SNB auch Bestände von Banken, Fonds und anderen Investoren.

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