Darum gehts
- In Kandersteg verliert ein Schwimmbad täglich 100'000 Liter Wasser
- Ein Riss im unterirdischen Ausgleichsbecken wurde entdeckt
- Ein Haushalt verbraucht im Vergleich nur 640 Liter Wasser pro Tag
Die Badi Kandersteg steht vor einem Rätsel: Jeden Tag verschwinden rund 100'000 Liter Wasser – doch niemand weiss, wohin. Wegen dieses aussergewöhnlichen Verlustes musste die Eröffnung der Badi-Saison verschoben werden. Das Schwimmbad bleibt bis auf Weiteres geschlossen.
Im Rahmen der Vorbereitungen auf die Badesaison 2026 stiess die Gemeinde Kandersteg auf ein gravierendes Problem: Die Badi verlor gemäss Wasserzähler täglich rund 100 Kubikmeter Wasser – das entspricht den 100'000 Litern. «Da bemerkten wir, dass sehr viel Wasser verloren geht», sagt Gemeinderatspräsident René Mäder gegenüber Radio SRF.
Um diese Menge zu veranschaulichen: Das verlorene Wasser entspricht rund 700 prall gefüllten Badewannen – und das jeden einzelnen Tag!
Rohre mit Kameras abgesucht
Die Verantwortlichen versuchten sofort, das Leck zu finden. Das gestaltete sich jedoch schwierig. Alles wurde überprüft: Rohrdruck, Schäden an Leitungen – ohne Erfolg. Schliesslich stiess man im unterirdischen Ausgleichsbecken auf einen grösseren Riss. Das Sammelbecken fängt das beim Schwimmen verdrängte Wasser auf und sorgt so für einen konstanten Wasserkreislauf.
Rechnerisch geht damit innerhalb von zehn Tagen das gesamte Wasservolumen der Anlage verloren. Trotz umfassender Abklärungen konnte bislang nicht festgestellt werden, auf welchem Weg das Wasser die Anlage verlässt.
Gelangen Stoffe unkontrolliert in die Umwelt?
Klar ist: In die Kanalisation fliesst es laut Mäder nicht. «Also geht es irgendwo in den Grund.» Heikel: Bei dem verlorenen Wasser handelt es sich nicht um unbehandeltes Leitungswasser. Es wird mit Netz-Wasser nachgespeist, auf rund 26 Grad geheizt und gechlort, sowie mit weiteren Chemikalien behandelt, heisst es bei der Gemeinde. Da der Verbleib ungeklärt ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Stoffe unkontrolliert in die Umwelt gelangen.
Der Riss in Kandersteg wurde inzwischen geflickt. Nun läuft ein weiterer Fülltest, um zu schauen, ob er die Ursache war. Frühstens könne die Anlage in drei Wochen wieder öffnen. Es könnte jedoch auch sein, dass es noch länger dauert.
Wasserrätsel auch in Wimmis und Schmiedrued
Wo ist das ganze Wasser hin? Diese Frage stellten sich im Juli 2023 auch die Bewohner von Wimmis BE. Über Nacht verschwanden 660'000 Liter Trinkwasser aus dem Versorgungsnetz beziehungsweise dem Wasserreservoir der Gemeinde. Bis heute ist ungeklärt, wie dieser Verlust zustande kam. Dass ein technischer Fehler oder gar ein Leck für den enormen Verlust verantwortlich ist, schloss die Gemeinde aus.
Im August 2023 kommunizierte die Gemeinde auf ihrer Website: «Sämtliche denkbaren Ursachen wurden überprüft, soweit das möglich war. Der Gemeinderat geht nicht davon aus, dass sich die Angelegenheit nachträglich noch klären lässt.» Bis heute weiss die Gemeinde nicht, wer oder was für den Wasserverlust verantwortlich ist.
Anders sieht es in der Gemeinde Schmiedrued AG aus. Über Wochen ist der nächtliche Wasserverbrauch angestiegen – zunächst konnte sich niemand den hohen Verlust erklären. Dann kam heraus: Schuld sind unachtsame Bürger. «Eine Person hat den Gartenschlauch offengelassen, und bei einem anderen Haushalt hat der Hausanschluss geronnen», sagte die Gemeinde auf Anfrage von Blick.