Darum gehts
- Bauernhaus in Trub BE droht einzustürzen wegen Fundament-Schäden
- Sanierung kostet geschätzte 750'000 Franken, Familie Kobel fehlt das Geld
- Spendenaktion gestartet, Winter auf 1135 m ü. M. verschärft Problem
Ein Loch klafft zwischen Küche und Stube im Boden des Bauernhauses von Familie Kobel in Trub BE. Kreisrund, etwa 20 Zentimeter Durchmesser und 30 Zentimeter tief. «Das ist die Kernbohrung, also ein Loch, um zu sehen, was los ist», sagt Fritz Kobel (56) zu Blick. Er schüttelt den Kopf.
Das Loch im Boden ist Symbol für die Misere, in der Familie Kobel mit ihren beiden Söhnen Marcel (15) und Adrian (13) wohnt. Seit 2024 wissen die Kobels, dass unter ihrem Haus etwas vorgeht und ihre Existenz bedroht. «Ein altes Abwasserrohr ist undicht. Das Fundament des Hauses wird unterspült und ausgewaschen», sagt Fritz Kobel. Die Folge: Die Statik ihres Heims ist akut gefährdet.
Alles verzieht sich
Ein Blick ins Loch offenbart, dass das Wasser unter dem Haus bereits ganze Arbeit geleistet hat. Von solidem Grund ist keine Spur, lose Steine liegen unter dem Boden. Von blossem Auge ist zu erkennen, welche Kräfte auf die Mauern und Böden wirken.
«Es gibt kaum noch eine Tür, die richtig zugeht», sagt Mutter Irene Kobel (49). Die Türrahmen haben sich bis zu zweieinhalb Zentimeter verzogen. Küchenschränke hängen schief an den Wänden. Risse zieren die Wände, Plättli in der Küche lösen sich vom Boden. Wer keine Schuhe trägt, spürt, dass der Boden uneben ist.
Wie lange das Wasser schon das Fundament aushöhlt, weiss die Familie nicht. Die Betonrohre stammen aus den 1960er-Jahren. «Das kann schon Jahre so gehen», sagt Fritz Kobel. Sicher ist nur: Einen kompletten Rohrbruch hat es nicht gegeben. «Das hätten wir gemerkt», sagt er. Dass etwas nicht stimmt, bemerkten die Kobels vor zwei Jahren, als sich erste Risse in den Wänden zeigten.
Die undichte Stelle führt nicht nur zu Schäden am Haus. «Wenn es regnet, stinkt es nach Fäkalien», erklärt Irene Kobel. Ein notdürftig verlegtes neues Rohr sorgt dafür, dass das Abwasser aus dem Badezimmer anderweitig abgeleitet werden kann. So sind die Kobels bislang wenigstens von Schimmel verschont geblieben.
Gefahr für die Familie
Das Problem geht über unschöne Risse und Gestank hinaus. Durch eine Wand, die sich absenkt, führen Ofenrohre. «Wird es undicht, könnte ein Feuer ausbrechen», sagt der Familienvater. Seine Frau ergänzt: «Wir haben Angst vor unserem eigenen Haus.»
Über kurz oder lang könnte auch die Statik des Hauses so weit beschädigt werden, dass Einsturzgefahr drohen würde. Dann müssten die Kobels aus dem Haus raus. Kurzum: Es muss etwas passieren!
Es fehlt an Geld
Doch das ist leichter gesagt als getan. «Die Versicherung würde zwar die Massnahmen zum Anheben und Sichern des Bodens übernehmen. Leider reicht das nicht», sagt Fritz Kobel. «Wir müssen richtig sanieren.»
Neue Fenster, neue Schränke, neues Dach. Geschätzte Kosten: 750'000 Franken. Das Haus der Kobels im Emmental stammt aus dem Jahr 1823! Die letzten Arbeiten wurden in den 1960er-Jahren gemacht. «Die Schäden, die die Absenkungen am Rest des Hauses verursacht haben, sind zu gross», so Kobel. Nur den Boden zu flicken, mache keinen Sinn.
Die 750'000 Franken muss die Familie also allein stemmen. «Wir wissen aber nicht, wie wir das aufbringen sollen», sagt Irene Kobel. Sie ist verzweifelt. Die Familie wohnt nicht nur hier. Ihr Haus ist Heim und Arbeitsplatz zugleich. Die Kobels führen einen Mastbetrieb für Kälber. «Wir können hier nicht weg, aber können so auch nicht weiterleben. Die Zukunft unserer Familie ist bedroht», fasst Irene Kobel zusammen.
Die Zeit drängt
Die aktuell extrem hohen Spritpreise und andere nötige Investitionen schränken den Handlungsspielraum der Familie zusätzlich ein. «Erst kürzlich mussten wir die Strasse zum Hof teeren und ausbauen lassen. Das hat viel Geld gekostet. Genauso wie die eigene Wasserversorgung des Hofs», erklärt Fritz Kobel.
Die Familie versucht nun alles, um die nötigen finanziellen Mittel zusammenzukratzen. Eine Bekannte hat eine Spendenaktion lanciert. Die Zeit drängt. «Jeden Tag kann sich die Situation verschlechtern», sagt Fritz Kobel. Schon jetzt können sie kaum noch im Haus leben. «Weil sich auch die Fenster verzogen haben, ist es an manchen Orten im Haus so kalt, dass man sich nur mit Jacke dort aufhalten kann. Und der Winter steht noch bevor.»