Darum gehts
- Daniela Liebi wurde als Geschäftsführerin des Landgasthofs Rothorn entlassen
- Grund: Managementfehler, persönliche Probleme und zahlreiche Beschwerden von Mitarbeitern
- Lokal stand kurz vor Schliessung, fast alle Mitarbeiter wollten kündigen
Abserviert! Die bisherige Geschäftsführerin des Landgasthofs Rothorn in Schwanden BE muss ihre Schürze an den Nagel hängen, wie aus einem Beitrag auf der offiziellen Facebook-Seite hervorgeht.
Die Gründe für die Entlassung: zahlreich – und nicht ohne. Wen sie betreffen: gemäss Blick-Recherchen die Gastro-Rebellin Daniela Liebi.
Aktionen während Lockdown
Die Gastronomin sorgte während der Corona-Pandemie schweizweit für Schlagzeilen. Blick berichtete 2021 über die Bernerin, die trotz Lockdown ihre Beiz in Schwanden öffnete. Sie hatte sich an der Aktion #wirmachenauf beteiligt, bei der viele Beizer gegen die Anordnungen des Bundesrats protestierten.
«Zur Not gehe ich für die Aktion ins Gefängnis, aber es reicht mir langsam», sagte Liebi damals zu Blick. Lange dauerte ihr Protest nicht: Die Polizei schritt ein, kurz nachdem die ersten Portionen Hörnli mit Gehacktem serviert worden waren.
Liebi kassierte dafür eine Busse von 2800 Franken. «Ich weiss, dass ich eine Straftat begangen habe, daher akzeptiere ich die Busse», sagte sie zu Blick. Die Busse bezahlte sie mithilfe von Spenden.
Die Aktion hatte aber weitere Folgen: Liebi verlor ihren Platz im Vorstand von Gastro Oberland West. Zudem kämpfte sie später mit Long Covid.
Vielzahl von Beschwerden
Jetzt – Jahre später – verliert Liebi ihren Leitungsposten im Landgasthof Rothorn. Die neue Geschäftsführerin des Gasthofs, Kathrin Baake, klärt die Kundinnen und Kunden schriftlich über die Veränderung auf – und macht Liebi schwere Vorwürfe.
So schreibt Baake etwa: «Grund für die Trennung sind neben erheblichen Unregelmässigkeiten in der bisherigen Geschäftsführung und gravierenden Managementfehlern auch persönliche Unzulänglichkeiten.»
Weitere Details nennt die neue Geschäftsführerin auf Blick-Anfrage nicht. Die Gesellschafterversammlung habe sich für die Trennung entschieden, heisst es.
Fast-Aus wegen Imageschaden
Im Facebook-Beitrag wird zudem erklärt, Liebis Verhalten habe dazu geführt, dass fast alle Mitarbeitenden den Betrieb verlassen wollten. Der Landgasthof habe deshalb zeitweise sogar vor dem Aus gestanden. Auch das Image des Betriebs habe gelitten, was die Suche nach neuem Personal erschwert habe.
Mit den Corona-Protesten habe die Trennung allerdings nichts zu tun, betont Baake. «Es gab eine Vielzahl von Beschwerden aus unterschiedlichen Richtungen, dies mitunter auch in den sozialen Medien», sagt sie zu Blick.
Umgang mit Personal war «unterste Schublade»
In den Kommentaren unter dem Post zeigt sich, dass wohl auch andere Menschen Liebi als problematisch wahrgenommen haben. «Es ist unterste Schublade, wie sie mit den Mitarbeitern umgegangen ist», schreibt eine Userin. «Mein Mitleid hält sich in Grenzen.»
Die gleiche Person erklärt weiter, die Situation habe sich seit dem Weggang von Liebi deutlich verbessert. «War nett, wieder da zu sein, ohne ansehen zu müssen, wie das Personal vor den Gästen schikaniert wird.»
Andere Nutzerinnen und Nutzer kritisieren dagegen die Kommunikation der neuen Geschäftsleitung. «Diese Stellungnahme geht doch gar nicht und ist so untypisch für einen schweizerischen Betrieb», heisst es in einem Kommentar.
Kathrin Baake hat seit Mai die Geschäftsführung des Landgasthofs Rothorn übernommen. Sie habe dafür viel Zuspruch von Kunden erhalten. «Darüber freue ich mich sehr, und es zeigt mir auch, wie überfällig diese Massnahme war», schreibt sie.
Daniela Liebi hat sich gegenüber Blick bislang nicht zu den Vorwürfen und ihrer Trennung vom Landgasthof geäussert.