Skifahren im Oktober! Auf der Tschentenalp in Adelboden BE lief am letzten Oktobertag auf rund 1950 Meter über Meer bereits der Skilift. Das rund 450 Meter lange Schneeband inmitten von grünen Wiesen war bereits zum zweiten Mal geöffnet für die Öffentlichkeit.
Dank Snowfarming konnte das Pistenteam der Tschentenalp bereits Anfang Oktober damit beginnen, eine kleine Piste zu präparieren. «Es handelt sich dabei um reinen Naturschnee», betont Pisten- und Rettungschef Bruno Oester (48) gegenüber Blick. «Das ist wesentlich günstiger für uns, als wenn wir mit Kunstschnee arbeiten müssten», sagt er.
27'000 Kubikmeter Schnee
Seit fast zehn Jahren werde auf der Tschentenalp Ende Winter Naturschnee gesammelt und über den Sommer mit einer isolierenden Abdeckung geschützt. So konnten Oester und sein Team Anfang Oktober mit rund 27'000 Kubikmeter Schnee damit beginnen, die Piste zu präparieren.
Eigentlich ist die Mini-Piste für den Ski-Nachwuchs reserviert. Seit dem 24. Oktober ist sie einmal pro Woche auch für die Allgemeinheit zugänglich. «Jeden Samstag von 13.30 bis 16.30 Uhr. Die Tageskarte kostet 50 Franken. Wer einen Alps Pass hat, der hat freien Zugang», erklärt Oester.
«Dieser Kontrast ist spektakulär»
Am letzten Oktobertag blieb der grosse Pisten-Andrang allerdings aus. Nur Kinder des regionalen Ski-Nachwuchses waren auf der Piste zu sehen. «Ich finde es sehr cool, bereits vor allen anderen Ski fahren zu können. Aber es ist auch ein komisches Gefühl, dass es Gras neben der Piste hat», erzählt Seraina (12) aus Adelboden BE.
«Ich fuhr heute fünf Mal hinunter», sagt die 12-Jährige und fügt an: «Der Schnee ist hart und mit zunehmender Zeit auch eisig. Es ist daher eher schnell zum Fahren, was aber kein Problem für mich ist.»
Auch Pistenchef Bruno Oester betont: «Die Piste ist nichts für Anfänger.» Beim aktuellen Abschnitt handle es sich um eine rote Piste mit Weltcup-Bedingungen. Bei den Nachwuchstalenten kommt dies offenbar gut an. Oester erzählt stolz: «Ein junger Skirennfahrer meinte gestern zu mir, dass wir europaweit aktuell die besten Bedingungen hätten.»
Vor Ort trifft Blick auf eine Wanderin, die anonym bleiben möchte. Sie ist die Mutter eines Kindes, das ebenfalls mit dem Ski-Nachwuchs-Team auf der Piste ist. «Es ist genial zum Trainieren», lobt sie die Mini-Piste und fügt an: «Leute, die leidenschaftlich gern Ski fahren, sind sehr glücklich, nach dem Sommer endlich wieder damit zu starten.»
Zum Wandern angereist ist auch Roland Forster (63) aus Sutz BE. Er kann es fast nicht glauben, als er inmitten der grünen Wiesen das weisse Schneeband sieht: «Das habe ich nicht erwartet. Aber Snowfarming macht das möglich.» Sein Freund, Nick Mauerhofer (60) aus Biel, pflichtet ihm bei: «Dieser Kontrast ist spektakulär.»
Roland Forster findet es einerseits komisch, bereits Ende Oktober eine Skipiste zu sehen, andererseits sei dies wohl die Entwicklung, an die man sich wohl zunehmend gewöhnen müsse. «Wenn ich darauf vorbereitet gewesen wäre, hätte ich mir durchaus vorstellen können, heute hier ebenfalls hinunterzufahren», so Forster.
«Es kribbelt bereits in mir»
Klaus Löcherbach (55) ist mit seiner Familie aus der Region Biel nach Adelboden gereist, um die Aussicht und die frische Luft zu geniessen. Als er von der Bergstation aus die Piste begutachtet, sagt er: «Es kribbelt bereits in mir drin im Hinblick auf die neue Saison. Ich hoffe, dass es im Winter wieder schön weiss wird.» Obwohl er skibegeistert sei, würde er sich Ende Oktober noch nicht auf die vor ihm liegende Piste wagen: «Ich fahre gern sehr grosse Bögen und schnell. Das ist auf diesem schmalen weissen Band noch nicht gut möglich.»
Vor Ort trifft Blick auch Elisabeth Hari (79) aus Adelboden BE: «Ich finde das gut, vor allem, weil es Schnee ist von letztem Winter.» Dass die Piste einmal pro Woche auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist, sei gut für das ganze Tal, die Restaurants und die Bahn. Wegen Knieproblemen geniesst sie selbst allerdings nur den Pisten-Anblick während ihres Spaziergangs: «Ich kann leider nicht mehr Ski fahren, ansonsten würde ich sofort auf die Piste.»
Pistenchef beobachtet Wetter laufend
Eine Woche zuvor habe es mehr Leute auf der Piste gehabt, erzählt Pistenrettungschef Bruno Oester und begründet dies mit den Wetterbedingungen. «Damals gab es ein wenig Neuschnee. Das hat wohl viele Ski-Begeisterte auf die Piste gezogen.»
Er blickt positiv auf die bevorstehenden Wochen: «Unser Team ist rund um die Uhr dran, die Piste laufend den bestehenden Wetterbedingungen anzupassen.»