Darum gehts
- Rockerkrieg: Urteilsverkündung steht bevor
- Gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Motorrad-Clubs führte zu Verletzten und Schuldsprüchen
- Acht der verurteilten Rocker, die Schuldsprüche weiterzogen, stehen vor dem Berner Obergericht
Der Gerichtsprozess im Jahr 2022 sorgte für Aufsehen. Nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den Rockern der Motorrad-Clubs (MC) «Hells Angels», «Broncos» und «Bandidos» im Jahr 2019 mit mehreren Verletzten, trafen 22 Beschuldigte rund drei Jahre später am Regionalgericht Bern-Mittelland zum Gerichtsprozess wieder aufeinander.
Die Polizei war bei der damaligen Gerichtsverhandlung mit einem Grossaufgebot vor Ort. Und das nicht ohne Grund, wie sich zeigen sollte. Vor dem Gerichtsgebäude kam es zu Scharmützeln zwischen Mitgliedern der verfeindeten MCs, die nach Bern angereist waren. Die Polizei musste Gummischrot, Wasserwerfer und Tränengas einsetzen, um die Gruppen zu trennen. Der Prozess selbst endete mit zahlreichen Schuldsprüchen. Den Hauptangeklagten verurteilte das Gericht wegen versuchter vorsätzlicher Tötung.
Ähnliche Tumulte wie damals 2022 könnten der Bundesstadt kommende Woche wieder bevorstehen. Denn: Ab Montag startet vor dem Berner Obergericht der Prozess gegen acht der verurteilten Rocker, die in Berufung gingen. Und wieder wird der Prozess im Amtshaus abgehalten. Dies aus Platzgründen.
YB spielt auch noch
Laut der Berner Zeitung soll die Polizei auch diesmal mit einem Grossaufgebot für Ruhe sorgen, obwohl die Ordnungshüter nicht von einem derart grossen Besucheraufkommen wie beim letzten Prozess ausgehen würden. Das Gebiet um das Amtshaus würde allerdings gesichert und es werde zu Verkehrsbehinderungen kommen. Da in der Prozesswoche auch noch die Berner Young Boys ein Heimspiel in der Champions League abhalten (Mittwoch, 21 Uhr), hat der Kommandant der Kantonspolizei Bern entschieden, dass von Montag bis Freitag der Grossteil der Polizeiwachen im ganzen Kanton geschlossen bleibt. «Ausschliesslich die Wachen Bern-Waisenhaus, Biel,
Moutier, Interlaken und Thun werden geöffnet bleiben», heisst es in einer Mitteilung. «Diese Massnahme hat zum Ziel, genügend Personal für die Einsätze stellen zu können und zugleich kantonsweit jederzeit die Grundversorgung sicherzustellen.»
Fehde eskaliert 2019
Rückblick: In Berner Vorort Belp kommt es 2019 im Zuge von Revierkämpfen unter Rockern zu einem gewaltsamen Aufeinandertreffen zwischen drei MCs, bei dem auch Schüsse fallen. Auf der einen Seite die Hells Angels mit Unterstützung der befreundeten Broncos, auf der anderen Seite die Bandidos. Mehrere Personen werden verletzt, drei davon schwer. Die verfeindeten MCs gehen aufeinander los, weil die Bandidos ihr erstes Clublokal hierzulande im Berner Vorort Belp eröffnen wollen und zuvor Mitglieder bereits an einer Motorradausstellung im Kanton Freiburg mit dem Bandidos-Logo auftraten. Eine klare Provokation für die in der Schweiz etablierten Hells Angels, die die Bandidos hierzulande nicht dulden wollen.
Laut damaliger Anklageschrift planen die Hells Angels 2019 lediglich einen Einschüchterungsversuch. Doch die Situation eskaliert komplett. Es kommt zu einem wüsten Aufeinandertreffen mit verschiedenen Schuss- und Schlagwaffen. Die Polizei hielt im Anschluss 34 Personen an und stellt unter anderem mehrere Schusswaffen sicher, unter anderem ein Sturmgewehr, Pistolen und eine Pump Action, eine Art Schrotflinte.
Unruhen vor dem Gerichtsgebäude
Drei Jahre nach dem Vorfall, 2022, kommt es in Bern zum Prozess. Schon zum Prozessauftakt eskaliert die Situation zwischen den rivalisierenden Gruppen ein weiteres Mal, und zwar direkt vor dem Gerichtsgebäude. Nach ersten Provokationen zwischen Bandidos und Hells Angels fliegen die Fetzen – und bald auch Steine durch die Luft. Die Polizei muss intervenieren, um die Rocker auseinanderzuhalten.
Nach etlichen Verhandlungstagen im Rockerprozess fällte das Gericht das Urteil: Von den 22 Angeklagten werden 17 verurteilt. Der Hauptbeschuldigte kassiert eine Freiheitsstrafe von acht Jahren. Im Berufungsprozess, der am Montag startet, ist er aber keiner der acht vorgeladenen Beschwerdeführer.
Die Verhandlung ist auf vier Tage angesetzt, die Urteile sollen am 13. Februar verkündet werden. Blick ist vor Ort und tickert live aus dem Gerichtssaal.