Nach über 20 Jahren will die Gemeinde ihren Ponystall abreissen
«Sie nehmen unser Lebenswerk weg»

Ein Meter nach Süden, zwei Meter nach Westen: 2003 wurde der Ponystall der Familie Trummer in Frutigen BE versetzt – nach einer Absprache mit dem damaligen Bauverwalter. Mehr als 20 Jahre später muss er trotzdem weg.
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2003 wurde der Ponystall von Rudolf Trummer in Frutigen BE versetzt – nach einer Absprache mit dem damaligen Bauverwalter.
Foto: Zamir Loshi

Darum gehts

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Devin SchürchReporter News

Für Rudolf Trummer (69) ist es nicht einfach ein Stall. Seit über 30 Jahren hält seine Familie Ponys, seit mehr als 20 Jahren in einem Schürli in Frutigen BE.

«Das ist ein kleines Lebenswerk, das einem jetzt auf eine komische Art und Weise weggenommen wird», sagt er. Der jahrelange Streit beschere ihm schlaflose Nächte. Es bleibt ihm fast keine Hoffnung mehr.

Jetzt steht fest: Der Ponystall muss weg. Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern hat den Rückbau im Januar 2026 bestätigt. Eigentlich hätte der Stall bereits bis Ende Juli 2026 verschwinden müssen. Doch das Schürli steht noch.

Einen Meter nach Süden – zwei nach Westen

Der Knackpunkt liegt mehr als 20 Jahre zurück. 2002 erhielt die Familie eine Baubewilligung für Arbeiten an der bereits seit 1953 bestehenden Scheune. Doch statt diese nur zu sanieren, wurde sie abgebrochen und leicht versetzt wieder aufgebaut: rund einen Meter nach Süden und zwei Meter nach Westen.

Grund dafür sei eine Stromleitung der BKW gewesen, sagt Trummer. Auch die Kosten für den Aushub habe der Stromanbieter übernommen. Das Verwaltungsgericht hält fest, dass der neue Standort 2003 mit dem damaligen Bauverwalter der Gemeinde Frutigen besprochen wurde.

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2003 wurde der Ponystall von Rudolf Trummer in Frutigen BE versetzt – nach einer Absprache mit dem damaligen Bauverwalter.
Foto: Zamir Loshi

Trummer erinnert sich, dass die Familie damals nicht nochmals monatelang auf eine neue Bewilligung warten wollte. Die Ponys seien bereits da gewesen. «Dann hat man uns gesagt: Nein, das müsst ihr nicht. Ihr könnt das aufstellen», sagt er. Doch er sagt auch den entscheidenden Satz: «Das ist nur mündlich gewesen.»

Genau das wird der Familie nun zum Verhängnis. Denn eine Absprache mit einem Bauverwalter ist laut dem Verwaltungsgericht keine Baubewilligung. Diese hätte schriftlich erteilt werden müssen.

Auch nachträglich kann der Stall laut Verwaltungsgericht nicht bewilligt werden. Die Familie hielt und züchtete dort seit Jahrzehnten Ponys. Für eine Baubewilligung in der Landwirtschaftszone reicht das laut Verwaltungsgericht jedoch nicht.

«Aber sie haben es abgenommen»

Nach dem Wiederaufbau reichte Trummer Fotos und Ausführungspläne ein. Im März 2004 fand eine behördliche Baukontrolle statt. Für Trummer ist deshalb unverständlich, weshalb der Stall heute als rechtswidrig gilt. «Sie haben das Schürli abgenommen, so wie es ist und dort, wo es ist», sagt er. Und: «Das ist in Ordnung gewesen. Über 20 Jahre lang.»

Besonders ärgert ihn ein Dokument, das heute nicht vorliegt: das Protokoll der damaligen Bauabnahme. «Das wäre das wichtigste Protokoll, aber das fehlt», sagt er. Ob ein solches Protokoll tatsächlich existierte und später verloren ging, lässt sich anhand der vorliegenden Unterlagen nicht belegen.

Ganz ruhig blieb es in den folgenden Jahren allerdings nicht. Die Behörden stellten auf dem Grundstück der Familie Trummer weitere Bauten ohne Bewilligung fest, es kam zu neuen Verfahren. Später ging das Grundstück mit dem Ponystall an Trummers Tochter über. Sie zog den Fall bis vors Bundesgericht. Dieses trat auf ihre Beschwerde jedoch nicht ein, weil sie keine Begründung eingereicht hatte.

Die Gemeinde Frutigen beantwortet die Fragen von Blick zur damaligen Absprache und zur Baukontrolle nicht. Sie verweist auf ein laufendes Verfahren.

«Wir machen gar nichts»

Als Frist für den Rückbau wurde der 31. Juli 2026 festgelegt. Doch Anfang Oktober steht das Schürli noch immer.

Trummer will sich mit dem Ausgang trotzdem nicht abfinden. Auf die Frage, wie es mit dem Rückbau weitergehe, sagt er: «Wir machen gar nichts.» Für ihn ist klar, dass er das Schürli nicht freiwillig beseitigen wird. Was er sich wünscht, sagt er ohne Umschweife: «Dass man es stehen lässt.» Wann das Schürli tatsächlich fällt, ist offen.

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