Darum gehts
- FC-Thun-Fan Daniel T. wird in Holland wegen einer Attacke auf Polizisten zu vier Monaten Haft verurteilt
- Der 20-Jährige gesteht die Tat, Drogen- und Alkoholtests zeigen Kokain, Speed und Alkohol im Blut
- Daniel T. muss dem verletzten Polizisten rund 1300 Franken Schadenersatz zahlen
Vier Monate Knast! Diese Strafe muss der FC-Thun-Fan Daniel T.* (20) in Holland absitzen, weil er vor rund zwei Wochen beim Auswärtsspiel seines Vereines einen Polizisten attackierte und verletzte.
Beim Gerichtsprozess am Mittwoch in der Gemeinde Almelo ist der 20-Jährige sehr emotional, wie die niederländische Regionalzeitung «Tubantia» berichtet. Er muss sich wegen versuchter schwerer Körperverletzung verantworten.
Familie reist für Prozess nach Holland
Für die Verhandlung ist auch seine Mutter, eine bekannte SP-Politikerin aus dem Kanton Bern, aus der Schweiz angereist. Gemeinsam mit dem Bruder des Angeklagten sitzt sie ganz vorne im Saal. Im hinteren Teil sitzt der betroffene Polizist, umringt von rund 20 Kollegen.
Als Daniel T. von den Polizisten in den Gerichtssaal geführt wird, lächelt er seine Mutter an, schreibt die Regionalzeitung. Dann setzt er sich neben seine Anwältin und beginnt zu schluchzen. Der 20-Jährige gesteht seine Tat und sagt, dass es ihm leid tue. Ein Dolmetscher übersetzt seine Aussagen.
Mithilfe von Videoaufnahmen analysiert das Gericht den Vorfall vom 15. Oktober detailliert. Kurz vor dem Anpfiff des Conference-League-Spiels zwischen dem FC Twente und dem FC Thun streiten sich Schweizer Fans mit der Polizei. Sie weigern sich, die Treppe zum Auswärtsblock hinaufzugehen.
Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie Polizisten die Gruppe nach oben drängen. Ein Polizist läuft dabei mit einem Schlagstock in der Hand den Fans hinterher, als er plötzlich von Daniel T. getreten wird. Der Beamte stürzt daraufhin rund 1,5 Meter rückwärts nach unten. Der betroffene Polizist berichtet später, dass er von T. auch Schläge ins Gesicht kassierte.
Die Attacke hat gesundheitliche Folgen für den Polizisten. Er erleidet Prellungen an Kopf und Nacken sowie eine leichte Gehirnerschütterung.
«Normalerweise bin ich nicht so»
Vor Gericht reagiert Daniel T. schockiert. «So kenne ich mich selbst gar nicht», zitiert ihn die niederländische Zeitung. T. gibt an, dass er beim Vorfall Drogen und Alkohol intus hatte. Ein Test bestätigte Kokain, Speed und Alkohol in seinem Blut.
«Normalerweise bin ich nicht so», betont der Fussballfan. «Ich hatte Angst. Der Polizist kam nach dem ersten Schlag weiter auf mich zu. Durch die Drogen und den Alkohol konnte ich die Situation nicht einschätzen. Ich geriet in Panik», so die Aussage von Daniel T.
Hat Daniel T. bewusst provoziert?
Die Staatsanwaltschaft bezeichnet Daniel T. hingegen als Anstifter. Er sei bewusst nach Enschede gekommen, um Ausschreitungen zu provozieren. Daniel T. habe an diesem Abend mehrmals die Kleidung gewechselt und sich so den Kameras entzogen. Der Schweizer erklärt daraufhin, dass er dabei den Anweisungen der älteren Generation gefolgt sei.
Die Staatsanwaltschaft fordert härtere Strafen für Gewalttaten gegen Polizeibeamte und beantragt eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten.
Er befürchtet den Verlust seines Ausbildungsplatzes
Die Anwältin von Daniel T. plädiert für eine mildere Strafe und begründet dies damit, dass ihr Mandant nicht mit der Absicht gehandelt habe, den Polizisten schwer zu verletzen. Wenn er lange in Haft bleiben müsse, drohe ihm der Verlust seines Ausbildungsplatzes in einer Kindertagesstätte in der Schweiz.
Die Anwältin sagt, dass es sich bei T. nicht um einen «Fussball-Hooligan» handle. «Er möchte gerne nach Hause zu seinen Eltern.» Der Schweizer wurde nämlich direkt nach dem Fussballspiel verhaftet und sitzt seither in U-Haft.
Das Schlusswort gehört Daniel T. Dieses nutzt er, um dem Gericht zu versichern, nie wieder mit dem FC Thun in die Niederlande zu kommen. «Damit habe ich hier nur schlechte Erfahrungen gemacht», so T.
Knast und Geldbusse
Schliesslich verurteilt ihn das Gericht wegen versuchter schwerer Körperverletzung. «Sie haben sich dafür entschieden, dem Polizisten auf der Treppe gegen den Kopf zu treten», so die Begründung. T. sei dabei das Risiko einer schweren Verletzung eingegangen. «Dass es nicht dazu gekommen ist, ist nicht Ihr Verdienst», sagt die Richterin zu Daniel T. und betont, dass die Gesellschaft dieses Verhalten bei Fussballspielen «langsam satt» habe.
Neben der viermonatigen Freiheitsstrafe muss Daniel T. dem Polizisten umgerechnet fast 1300 Franken Schadenersatz zahlen.
Daniel T. schiessen nach dem Urteil Tränen in die Augen. Er fragt das Gericht, ob er seine Mutter umarmen dürfe. Als die Richterin zustimmt, fällt sich die Familie im Gerichtssaal weinend in die Arme.
* Name geändert