Es ist ein emotionaler Gerichtsprozess, der sich am Montag vor den Augen mehrerer Dutzend Zuschauer abspielt. Verhandelt wird der mutmassliche Mord an Luiza D.* (†29) vom 16. Dezember 2022. Ihr Ehemann Lukas D.* (38) soll sie im Schlaf erdrosselt haben. Laut Staatsanwaltschaft wollte er Luiza D. eliminieren, um mit seiner Geliebten Sonja P.* zusammen zu sein.
«Luiza wollte demnächst schwanger werden»
Elisa A., die Mutter der Verstorbenen, schluchzt, als der Richter sie fragt, wie es ihr geht. Minutenlang findet sie keine Worte. Dann erzählt sie von ihrer Tochter: «Sie war die Sonne in meinem Leben – aufgestellt und lebensfroh. Einen Tag vor ihrem Tod vertraute sie mir an, dass sie nächstes Jahr schwanger werden wollte.»
Ihren Mann Lukas D. habe Luiza geliebt. «Sie sagte, die Ehe sei das Beste, was ihr je passiert sei», erzählt Elisa A.
Laut Anklage soll Lukas D. seiner Frau zunächst das Schlafmittel Dormicum verabreicht und sie um 6.01 Uhr mit einer Schlinge aus drei Kabelbindern erdrosselt haben. Dann sei er zur Arbeit aufgebrochen.
«Ist es schwer, jemanden zu erwürgen?»
Die Auswertung der GPS-Daten aus Lukas D.s Telefon ergab, dass er das Haus nach dem Tatzeitpunkt verlassen hatte. Ausserdem belasten ihn seine Google-Suchen in den Wochen zuvor. So suchte er etwa «Ist es schwer, jemanden zu erwürgen?» und recherchierte die Wirkungszeit von Dormicum. Der Opferanwalt fasst zusammen: «Er hat den Tatablauf in Voraus gegoogelt.»
Vor Gericht wehrt sich der Beschuldigte: «Ich gehe von einem Suizid aus.» Zu seinen Internetrecherchen sagt er: «Ich arbeite als Rettungssanitäter und muss die Wirkung von Medikamenten kennen.»
Er habe das Haus bereits vor 6 Uhr verlassen. Warum das GPS erst später eingesetzt habe, wisse er nicht. «Ich bin an diesem Tag extra früher los, weil es geschneit hatte und ich mit dem Velo vorsichtig fahren musste», erklärt Lukas D.
Er schaffte es nicht, sich zu trennen
Seiner Frau sei es nicht gut gegangen und er habe sich Sorgen gemacht. Seine Arbeitskollegen sagten später aus, Lukas D. habe an diesem Tag mehrmals erwähnt, er habe Angst, dass seine Frau sich etwas angetan haben könnte. «Er spielte den besorgten Ehemann, um Luiza D. als labile Person darzustellen und einen Suizid als wahrscheinlich darzustellen», argumentiert die Staatsanwältin.
Die Affäre mit seiner Arbeitskollegin Sonja P. sei Lukas D. schon knapp zwei Jahre vor der Tat eingegangen. Er habe sich trennen wollen. «Doch sein Drang, es allen recht zu machen, und der Glaube an Gott standen ihm im Weg», führt die Staatsanwältin aus.
«Meine Frau wusste, dass ich Sex mit einer anderen hatte»
Lukas D. wollte eine «Säule Gottes» sein. Die Scheidung – in seinem Glaubensverständnis eine Schande. «Das hat ihn schliesslich dazu gebracht, diesen fatalen Fehler zu begehen», so die Staatsanwältin.
Auch hier widerspricht Lukas D.: «Meine Frau wusste, dass ich Sex mit einer anderen habe. Ich habe es ihr erzählt.» Er habe sich von beiden Frauen nicht trennen wollen.
Die Staatsanwaltschaft fordert eine Verurteilung wegen Mordes mit einer Haftstrafe von 18 Jahren. Das Plädoyer der Verteidigung steht noch aus. Lukas D.s Anwalt sagte aber bereits: «Für mich gibt es nur ein mögliches Urteil: den Freispruch.»
* Namen geändert