«Nicht auszuhalten»
Berner Berufsschulen kassieren reihenweise negative Bewertungen auf Google

Was Google über Berner Berufsschulen zeigt, ist teils vernichtend und doch nur ein Ausschnitt. Nach einer Welle von 1-Sterne-Kritiken stellt sich erneut die Frage, wie zuverlässig Online-Rezensionen sind.
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Immer wieder geben Google-Rezensionen zu reden. (Symbolbild)
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Berner Berufsschulen erhalten viele negative Google-Bewertungen zu Lehrpersonen und Gebäuden
  • Bildungseinrichtungen nehmen Rezensionen ernst, sehen sie aber nicht als Qualitätsbeurteilung
  • Weitere Fälle, bei denen Rezensionen für Stirnrunzeln sorgten, betreffen No-Show-Gebühren, Kliniklob vor Eröffnung und Tattoo-Erpressung per Whatsapp
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Marian NadlerRedaktor News

Wer sich über eine Einrichtung, ein Restaurant oder eine Boutique informieren möchte, schaut nicht selten auf die Rezensionen bei Google. Doch genau diese Bewertungsmöglichkeit sorgt immer wieder für ein verzerrtes Bild der Realität.

Der neueste Fall: Die «Berner Zeitung» berichtet, dass mehrere Berner Berufsschulen negative Bewertungen en masse sammeln. Dabei handelt es sich anders als im Falle vieler Gymnasien und Volksschulen, wo die Bewertungsfunktion von Google deaktiviert wurde, nicht nur um scherzhaft verfasste Rezensionen von pubertären Witzbolden, sondern auch um ernst gemeinte Kritik.

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In deftigen 1-Sterne-Bewertungen werden Lehrpersonen, Mensapreise und mehr auseinandergenommen. «Die Gibb ist eine Glaskuppel, sodass dort im Sommer gerne Temperaturen über 30 Grad herrschen und im Winter unter 5 Grad. Klimaanlage? Fehlanzeige», erzählt man etwa über die Berufsfachschule an der Stadtberner Lorrainestrasse.

«Absolute Katastrophe»

Auch die Berufsfachschule in Langenthal bekommt ihr Fett weg. «Nach vier Jahren an der BFSL muss man nüchtern betrachtet sagen: Nicht auszuhalten», heisst es dort in einer Bewertung. «Schlechter isoliert als eine Burg im Mittelalter», schreibt ein anderer Rezensent.

«Diese Schule ist eine absolute Katastrophe», erfährt man über das Berufsbildungszentrum Biel. Auf Anfrage der «Berner Zeitung» betonen mehrere Bildungseinrichtungen, die Rezensionen ernst zu nehmen und diese nach Möglichkeit auch zu beantworten. Einzelne Google-Bewertungen seien aber nicht mit einer systematischen Qualitätsbeurteilung gleichzusetzen, betont die Berner Bildungsdirektion.

Wo haben Google-Rezensionen noch für Stirnrunzeln gesorgt? Blick dokumentierte in jüngster Vergangenheit drei Fälle, die das Zeug zur Kontroverse haben.

1-Sterne-Bewertung für No-Show-Gebühr

Im Mai ging Samuel Bellino (31), Inhaber des Modegeschäfts Bellino Moda, viral, weil er sich über einen No-Show ärgerte. «Ein Kunde ist nicht aufgetaucht und hat mir wegen der Gebühr eine 1-Sterne-Rezension gegeben», beklagte sich Bellino damals im Blick. 150 Franken kostet das unentschuldigte Fernbleiben von einem Termin in dem Laden in Wohlen AG. Festgehalten ist die Gebühr in den AGB. Der Kunde erklärt in seiner Rezension, er habe einen Tippfehler bei der E-Mail-Adresse gemacht und deshalb keine Terminbestätigung erhalten.

Das Netz diskutierte jedenfalls intensiv über die Gebühr. «Bis anhin haben alle bezahlt», so Bellino.

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«Lügen musst du nicht»:Bellino ärgert sich über 1-Stern-Bewertung auf Google

Zürcher Promi-Klinik bereits vor Eröffnung top bewertet

Im Frühling 2026 eröffnete in der Seidengasse in der Stadt Zürich ein Ableger der Dorow Clinic. Kurios: Bereits Wochen vor der Eröffnung schwärmten angebliche Kundinnen und Kunden über die angeblich in der neuen Klinik erfolgten Eingriffe. Alles sei reibungslos verlaufen, das Resultat «fantastisch» oder «wunderschön», so der Tenor der angeblichen Besucherinnen und Besucher in gut 100 Rezensionen. Immer wieder antwortete die Dorow Clinic Zürich auch auf die lobenden Worte.

Die offizielle Begründung auf Blick-Anfrage: Die Bewertungen stammten von Patientinnen und Patienten, die an den zugelassenen Standorten in Waldshut (D) und Lörrach (D) behandelt worden seien. Auf Bewertungsportalen wie Trustpilot finden sich dagegen auch negative Stimmen. Ein Patient wirft der Klinik von Promi-Chirurg Andreas Dorow «Abzocke von Schweizer Kunden» vor. Andere Patienten äussern ihre Unzufriedenheit nach Behandlungen.

Fiese Abzocke mit Google-Rezensionen

Kaum zu glauben: Mitunter stecken hinter negativen Google-Rezensionen auch fiese Erpresser. Ganoven aus Pakistan versuchten im vergangenen Jahr, Schweizer Tattoo-Studios Geld abzuknöpfen. Die immer gleichen Google-Konten schilderten in Rezensionen haarsträubende Geschichten.

Nach Veröffentlichung der 1-Sterne-Bewertungen meldeten sich die Erpresser per Whatsapp bei den Tattoo-Studio-Betreibern und schlugen einen «Deal» als Bedingung für die Löschung der negativen Bewertungen vor. Gegen Geld könnten auch positive Bewertungen geschrieben werden, so das Angebot.

Dem Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs) ist die Masche bekannt. Betroffene sollen auf die Geldforderungen nicht antworten.

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