Darum gehts
- Viviane Obenauf, Ex-Boxweltmeisterin, sitzt seit 2020 wegen Mordes in Hindelbank
- Sie lehnt Therapie ab, riskiert schlechtere Haftbedingungen – und kämpft dagegen
- Haft kostet 410 CHF/Tag, 18 Jahre ergeben 2,7 Millionen CHF
Sie war «The Golden Girl» im Ring, heute kämpft sie hinter Gittern um ihre Version der Wahrheit: Viviane Obenauf (39), einst Boxweltmeisterin im Superfedergewicht, sitzt eine 18-jährige Haftstrafe wegen Mordes an ihrem Ehemann ab. 2025 bestätigte das Bundesgericht das Urteil endgültig.
Jetzt hat das Berner Justizvollzugsamt eine Therapie für sie angeordnet – gestützt auf eine Risikoeinschätzung. Doch Obenauf bestreitet die Tat bis heute und weigert sich, darüber zu sprechen. Genau das aber würde eine solche Therapie voraussetzen. Sie hat Beschwerde eingereicht. Das berichtet CH Media, deren Reporter die prominente verurteilte Mörderin in der Justizvollzugsanstalt Hindelbank besuchte, dem einzigen Frauengefängnis in der Deutschschweiz.
Die Konsequenzen sind heikel: Ohne Therapie drohen ihr schlechtere Aussichten auf Ausgänge – etwa Besuche bei ihrem 15-jährigen Sohn, der bei seinem Vater lebt.
Die Tat
Im Oktober 2020 soll Obenauf ihren Ehemann, einen Wirt aus Interlaken, mit einem Baseballschläger erschlagen haben. 19 Kopfverletzungen stellte die Rechtsmedizin fest. Ein wichtiges Indiz: winzige Blutspritzer auf ihrem Schuh, die laut Kriminaltechnik durch Blut entstanden, das mit hoher Geschwindigkeit auf den Schuh traf.
Besuch von Brian Keller
Aus dem Gefängnis Hindelbank betreibt Obenauf mit Hilfe von Freunden eine eigene Website und einen Youtube-Kanal. Dort präsentiert sie sich als Justizopfer, postet Fotos hinter Gittern – lächelnd, gestylt – und zeigt sich mit Ex-Häftling Brian Keller, der sie an ihrem Geburtstag besuchte.
Beide sind Sportler mit brasilianischem Migrationshintergrund.
Kostenfrage
Die Behörden boten Obenauf an, ihre Strafe in ihrer Heimat Brasilien abzusitzen – das würde die Schweiz viel Geld sparen: Ein Hafttag in Hindelbank kostet 410 Franken, macht über 18 Jahre rund 2,7 Millionen Franken.
Obenauf lehnt ab. Sie will in der Nähe ihres Sohnes bleiben.
«Kampf meines Lebens»
«Es ist der Kampf meines Lebens», schreibt sie auf ihrer Website. Ein Ticker zählt die Tage in Haft. Fünf Jahre, acht Monate und 25 Tage sinds am 3. August.
Akribisch listet sie Medienberichte zu ihrem Fall auf. Die Ex-Boxerin denkt nicht ans Aufgeben, bleibt Kämpferin.
Online zeigt sie Fotos von sich hinter Gittern, von ihrem persönlichen Freiheitskampf.