Darum gehts
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Freitagmittag an der Madretschstrasse in Biel BE. Vor dem Haus Nummer 64 stehen Männer auf dem Trottoir, es wird gegessen, diskutiert, gelacht. Weil der Andrang zu gross ist, wird das Freitagsgebet zweimal abgehalten, um 12.10 Uhr und um 13.15 Uhr.
Hinter der frisch gestrichenen Fassade liegt eine der ältesten Moscheen der Region. Sie ist zu klein geworden. Im Mai 2025 lud die Moschee zu einer Informationsveranstaltung über ein neues islamisches Zentrum. Im November 2025 wurde für das Vorhaben ein eigener Verein gegründet: die Muslimische Gemeinschaft Biel.
Auf seiner Website machte der neue Verein klar, worum es geht. «Wir gründen eine Moschee», hiess es dort, eine, die die muslimische Gemeinschaft der Region Biel vereinen solle. Ein Spendenbalken zeigte das Ziel: 10 Millionen Franken. Erreicht waren null Prozent. Daneben das Versprechen: «100 Prozent transparent – jeder Franken zählt».
Wenige Tage, nachdem Blick den Verein mit Fragen konfrontiert hatte, sah die Website anders aus. Die 10 Millionen sind verschwunden, ebenso der Spendenbalken. Auch das Wort «Moschee» kommt nicht mehr vor. Geplant ist jetzt ein «Kultur- und Gebetszentrum».
Geld aus dem Ausland nicht ausgeschlossen
Die 10 Millionen Franken seien ein «rein illustrativer Betrag», schreibt der Vereinsvorstand auf Anfrage, weder ein Budget noch ein Sammelziel. Die Website sei noch im Aufbau, die Zahlen darauf hätten nicht die Wirklichkeit abgebildet. Eine Sammelkampagne, schreibt der Vorstand, habe man noch nicht lanciert.
Spenden für das Projekt nimmt der Verein auf seiner Website trotzdem entgegen. Per Twint, Karte, Paypal oder Banküberweisung.
Woher das Geld für das Zentrum einmal kommen soll? Hauptsächlich aus eigenen Mitteln, schreibt der Verein. Man bleibe aber «offen für weitere Unterstützung». Bei Geldgebern im Ausland, namentlich in Katar oder Kuwait, habe man bisher nicht angefragt. Ausgeschlossen hat der Verein das nicht. Künftige Beiträge müssten Schweizer Recht und die Unabhängigkeit des Vereins respektieren, heisst es.
Die Frage nach Geld aus Katar und Kuwait kommt nicht von ungefähr.
Ein Präsident, zwei Ämter
Die Moschee an der Madretschstrasse 64 gehört der Stiftung Wakef. Ihr Zweck: Bau, Erwerb und Sanierung muslimischer Gotteshäuser. Die Stiftung hat ihren Sitz in Prilly VD, ihr Kontaktbüro liegt aber im Bieler Moscheegebäude, ihr Briefkasten hängt neben der Haustür. Dieselbe Adresse führt auch die Muslimische Gemeinschaft Biel. Der Trägerverein der Moschee ist dort selbst Mitglied.
Präsident der Muslimischen Gemeinschaft ist Hamza Ben Messaoud. Er sitzt seit Anfang 2026 auch im Wakef-Stiftungsrat – ohne Zeichnungsberechtigung. Das Vereinspräsidium sei vor allem eine koordinierende Aufgabe, schreibt Ben Messaoud auf Anfrage, und solle jährlich wechseln. Die beiden Organisationen seien voneinander unabhängig.
Mit Wakef habe es bisher keine Gespräche über Finanzierung, Planung oder Eigentum des neuen Zentrums gegeben, so Ben Messaoud. Für eine Zusammenarbeit sei man aber offen.
Haben Sie Hinweise zu brisanten Geschichten? Schreiben Sie uns: recherche@ringier.ch
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Gekauft für eine Stiftung, die es nicht gab
Wakefs Geschichte beginnt mit dem Haus an der Bieler Madretschstrasse. Im November 2008 kaufte es die Liga der Muslime der Schweiz für 600'000 Franken. Und zwar im Namen einer Stiftung, die es noch gar nicht gab. Wakef wurde erst im März 2009 errichtet, im Juli ging das Haus an sie über. Im Grundbuch ist keine Bank als Pfandgläubigerin eingetragen. Die Stiftung hatte ein Kapital von 50'000 Franken.
Einen Hinweis, woher Wakef das Geld hatte, gibt ein Brief. Mohamed Karmous, Gründer der Liga und von 2012 bis 2022 Präsident der Stiftung, bedankte sich darin bei einer staatsnahen katarischen Stiftung: «Dank der Grosszügigkeit des Staates Katar konnten wir die Salah-Eddine-Moschee kaufen.» Salah-Eddine: So hiess die Bieler Moschee damals.
Im selben Brief bat Karmous um weiteres Geld für die Renovation. Publik wurde das Schreiben 2019 im Buch «Qatar Papers». Karmous schied im Herbst 2025 ganz aus der Wakef-Stiftung aus. Zwei Monate später wurde Hamza Ben Messaoud gewählt.
Die Spur nach Kuwait
Auch Kuwait taucht als Geldgeber auf. Für die Moschee in Le Locle NE nannte Wakef 2022 auf der eigenen Website die kuwaitische Awqaf-Stiftung als Geldgeberin. An ihrer Spitze steht der Religionsminister. 2023 bestätigte die kuwaitische Botschaft in Bern gegenüber Blick, dass Wakef-Projekte von staatsnahen Organisationen Kuwaits finanziert werden.
Ob dies auch für Biel galt, ist unklar. Für die Renovation in Biel rief Wakef später zu Spenden von insgesamt 500'000 Franken auf. Zur Herkunft und Verwendung ihrer Gelder macht die Stiftung auf Anfrage keine Angaben. Ihr Anwalt verweist stattdessen auf die Rechenschaftspflicht gegenüber der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht.
Erlaubt ist das alles
Geld aus dem Ausland für Moscheen in der Schweiz ist legal. Wakef untersteht zwar der Stiftungsaufsicht des Bundes, und ihre Rechnung wird laut der Stiftung von einer zugelassenen Revisionsstelle geprüft. Öffentlich machen, woher ihr Geld stammt, muss sie aber nicht. Vereine wie die Muslimische Gemeinschaft Biel unterstehen keiner vergleichbaren staatlichen Aufsicht.
Vorstösse für ein Verbot ausländischer Gelder für Moscheen scheiterten 2017 und 2018 im Parlament. Bundesrat und muslimische Verbände hatten gewarnt, man dürfe Muslime nicht unter Generalverdacht stellen.
Was St. Gallen versprach
Wie heikel das Thema ist, zeigte sich dieses Jahr in St. Gallen. Dort plant die albanisch-islamische Gemeinschaft El-Hidaje eine Moschee für gegen 15 Millionen Franken. Nachdem Blick darüber berichtet hatte, verlangte die SVP Transparenz über das Geld. Die Gemeinschaft legte sich schriftlich fest. Finanziert werde «ausschliesslich über die lokale Gemeinschaft». Geld von islamischen Staaten oder anderen ausländischen Stellen gebe es nicht.
In Biel gibt es bis heute keinen konkreten Standort und kein Baugesuch. Auf seiner überarbeiteten Website schreibt der Verein, er prüfe Liegenschaften «im Austausch mit Stadt und Quartier». Bei der Stadt heisst es auf Anfrage, es sei keine Anfrage für einen Standort eingegangen, von einer Standortsuche wisse sie nichts. Man stehe mit verschiedenen Stellen der Stadt regelmässig in Kontakt, schreibt dagegen der Verein, die Gespräche stünden erst am Anfang.
Die 10 Millionen Franken sind von der Website verschwunden. Ein Versprechen wie in St. Gallen gibt es nicht.