Greenpeace-Aktion in Beringen SH
Rechenzentren: Der Protest erreicht die Schweiz, die Regeln fehlen

Greenpeace-Aktivisten haben am Freitag erneut gegen die «Mega-Datacenter» demonstriert, die in Beringen SH gebaut werden oder geplant sind. Auf politischer Ebene bleibt die Schweiz ziemlich zurückhaltend.
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Greenpeace demonstrierte am Freitag in Beringen im Kanton Schaffhausen.
Foto: GREENPEACE

Darum gehts

  • Greenpeace protestierte in Beringen SH gegen «Mega-Datacenter» und fordert Regeln oder ein Moratorium
  • Bundesbern bleibt zurückhaltend; neue Vorstösse verlangen erneuerbare Energie und Transparenz
  • Rechenzentren verbrauchten 2024 2,1 TWh Strom; bis 2030 könnte sich der Bedarf mehr als verdoppeln
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Yannick WeberNewsdesk

Rechenzentren haben in den vergangenen Wochen die politischen Debatten in den USA geprägt, doch Europa steht dem in nichts nach. Greenpeace hat am Freitag in mehreren Ländern Protestaktionen durchgeführt, darunter in der Schweiz. Rund zehn Aktivisten entrollten auf dem Gelände, auf dem ein «Mega-Rechenzentrum» gebaut wird und ein weiteres geplant ist, ein Transparent.

«Greenpeace fordert eine gesamtschweizerische Planung und Regeln, so dass Datacenter dem Gemeinwohl dienen. Solange das nicht der Fall ist, braucht es ein Moratorium», schreibt die Organisation in ihrer Mitteilung. Dies knüpft an die Vorschläge in den USA an, den Bau von Rechenzentren per Moratorium zu stoppen, bis strengere Regeln erlassen sind.

Zögerliches Bundesbern

Auf internationaler Ebene fordert Greenpeace, dass Rechenzentren zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben werden, ohne dass die Stromrechnung der Bevölkerung steigt. Der Wasserverbrauch soll nicht zulasten der Anwohner gehen, und die KI-Anwendungen, die in den Zentren laufen, sollen «keinen Schaden anrichten». Die NGO hat eine Petition lanciert, die Stand heute von mehr als 200'000 Personen unterzeichnet wurde.

Diese Forderungen gehen über das hinaus, was in der Schweiz verlangt wird. Auf nationaler Ebene sind entsprechende Vorstösse noch recht neu. So reichte etwa im September dieses Jahres die Zürcher Grünen-Nationalrätin Marionna Schlatter eine Motion ein, die unter anderem einen «schrittweisen» Übergang zu erneuerbaren Energien für Rechenzentren fordert. Zudem will sie eine Transparenzpflicht beim Wasser- und Stromverbrauch. «Für Haushalte und Industrie gelten verbindliche Energieeffizienzvorschriften. Für Rechenzentren gilt bisher nichts Vergleichbares, obwohl sie zu den energieintensivsten Infrastrukturen des Landes gehören», kritisiert sie.

Wachstum bis 2030

Das Parlament hat noch nicht über den Vorstoss abgestimmt, doch der Bundesrat antwortete auf frühere Interpellationen stets, dass die Regeln von den Kantonen abhingen und eine nationale Regulierung nicht angemessen sei. Im Frühling hatte das Bundesamt für Energie (BFE) einen Bericht veröffentlicht. Darin heisst es: «2024 betrug der Stromverbrauch der Rechenzentren in der Schweiz 2,1 TWh, was ungefähr 3,6 Prozent des Gesamtverbrauchs entspricht.»

Bis 2030 «könnte der Verbrauch kommerzieller Rechenzentren sich mehr als verdoppeln», hält das BFE zudem fest. Es weist darauf hin, dass diese Rechenzentren in der Schweiz vor allem Cloud-Anwendungen und weniger KI-Anwendungen bedienten, wie sie die Schweizer zunehmend nutzen.

Der Ball liegt bei den Kantonen. In Schaffhausen hat der Kantonsrat im Frühling gegen den Willen der Regierung Energieeffizienzvorschriften beschlossen, die den Betreibern der Zentren auferlegt werden sollen. Auch Zürich hat entsprechende Regeln. In dieser Hinsicht ähnelt die Schweiz den USA: Die Regeln werden auf lokaler Ebene festgelegt.

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