Ermordeter Bub (†7) in Basel: Hier trauert die Familie um Mergim(02:32)

«Sie dachte, es sei ein Autounfall»
Mutter wusste lange nicht, dass Bub (†7) erstochen wurde

Horror-Tat in Basel: Eine 75-jährige Frau sticht einen siebenjährigen Buben auf dem Heimweg von der Schule nieder. Mergim L. (†7) stirbt wenig später im Spital. Die Mutter erfuhr erst Stunden nach der Tat von dem Drama.
Publiziert: 21.03.2019 um 15:51 Uhr
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Aktualisiert: 03.08.2020 um 14:28 Uhr
  • Ein Bub (†7) wird am Donnerstagmittag, 21. März 2019, von einer Seniorin (75) im Gotthelf-Quartier am St.Galler-Ring in Basel niedergestochen
  • Beim Opfer handelt es sich um den Primarschüler und Kosovo-Albaner Mergim L.
  • Der Junge war Schüler des Schulhauses Gotthelf – das nur 200 Meter vom Tatort entfernt liegt
  • Die Täterin – eine Schweizerin – hat sich kurz nach der Tat bei der Staatsanwaltschaft Basel gestellt
  • Laut Staatsanwaltschaft wird die Angreiferin psychiatrisch begutachtet
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Mergim L. (†7) wurde auf dem Schulheimweg getötet.
Dafina Eshrefi, Beat Michel, Johannes Hillig, Nicolas Lurati, Petar Marjanovic, Georg Nopper, Dominique Rais

Trauer und Fassungslosigkeit im Basler Gotthelf-Quartier. Primarschüler Mergim L.* (†7) wurde dort am Donnerstag brutal getötet. Die Bluttat passiert am helllichten Tag, auf offener Strasse. Der Bub kommt gerade aus der Schule. Er macht sich auf den Heimweg. Es ist nicht weit bis nach Hause.

Der Kleine ist allein, als er rund 200 Meter von seinem Schulhaus Gotthelf entfernt am St.Galler-Ring gegen 12.45 Uhr von einer Rentnerin (75) attackiert wird. Die Schweizerin sticht das Kind nieder. Blutend bricht Mergim auf dem Trottoir zusammen.

Seniorin (75) stellt sich nach Bluttat der Staatsanwaltschaft

Zur gleichen Zeit ist seine Klassenlehrerin mit dem Velo nur wenige Meter entfernt unterwegs. Sie findet ihren Schüler schwer verletzt am Boden. Sofort ruft sie die Rettungsdienste. Der schwer verletzte Mergim wird direkt ins Basler Universitäts-Kinderspital gebracht – Not-OP! Verzweifelt versuch die Ärzte das Leben des Jungen zu retten – doch ohne Erfolg. Mergim erliegt seinen Verletzungen.

Kurz nach der Tat wird eine Polizeifahndung nach der Täterin eingeleitet. Wenig später stellt sich die 75-jährige Seniorin bei der Staatsanwaltschaft und gibt zu, den kleinen Mergim niedergestochen zu haben. Sie wird sofort festgenommen. Gemäss Peter Gill, Kriminalkommissär und Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, handelt es sich bei der Frau um eine Schweizerin. «Die Frau wird einvernommen, davor können wir nicht mehr sagen», sagt Gill zu BLICK. Gemäss Gill handelt es sich aber bei der Tatwaffe um eine «Stichwaffe». Die Hintergründe der Horror-Tat bleiben vorerst unklar.

Laut dem kosovarischen TV-Sender «Klan Kosova» handelt es sich beim Opfer um einen Buben mit kosovarischen Wurzeln. Seine Familie soll aus der Ortschaft Lipjan stammen. Augenzeugen berichteten der «Basler Zeitung», dass der Bub «im Halsbereich» verletzt wurde und in einer «grossen Blutlache» lag.

«Es hätte jeden von uns treffen können»

Nach der Attacke begeben sich schockierte Anwohner an den Tatort. Sie legen Blumen und Stofftiere nieder, zünden Kerzen an, halten inne. Viele weinen, schütteln fassungslos den Kopf. «Warum musste der Kleine sterben?» fragt eine Anwohnerin klagend. Sie kann sich nicht erklären, wieso niemand dem Buben geholfen hat – wieso er alleine unterwegs war. Sie weiss: «Um die Mittagszeit ist am St.Galler-Ring immer viel los.» Eltern, Schüler, Spaziergänger.

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Nach Tod von Mergim L.* (7): Der Schock im Quartier sitzt tief(00:53)

Auch drei Schulbuben zieht es nach der Tat zum Ort der Tragödie. «Als uns nach der Schule jemand von dem Vorfall erzählte, glaubten wir es zunächst nicht», sagen einer der Buben zu «primenews.ch». Die Schüler waren draussen zum Basketball spielen als ihre Eltern kamen und ihnen von der Bluttat erzählten. «Wenn ich daran denke, dass ich hier jeden Tag vorbeikomme – es hätte jeden von uns treffen können», sagt Florentin.

Die grausame Tat macht in Basel schnell die Runde. Doch die Mutter von Mergim bleibt lange unwissend. Sie ahnt nicht, welch schrecklichem Verbrechen ihr ältester Sohn zum Opfer fiel. «Die Mutter hat erst um 20 Uhr abends erfahren, dass ihr Sohn niedergestochen wurde», sagt ein Bekannter der Familie gegenüber «albinfo.ch». Zuvor sei Mergims Mutter davon ausgegangen, dass er von einem Auto angefahren wurde. Die Staatsanwaltschaft Basel bestreitet das.

«Bei den Kinderschreien dachte ich mir nichts»

Im Quartier ist die Betroffenheit enorm. Anwohner berichten gegenüber BLICK vor der Tat Kinderschreie gehört zu haben «Ich habe mir dabei nichts gedacht. Hier laufen oft Kinder nach der Schule lang, spielen und werden eben manchmal laut dabei», sagt ein weiterer Quartierbewohner zu BLICK. Erst als die Polizei und der Notarzt kamen, war dem Anwohner klar: «Hier muss etwas Schlimmes passiert sein.»

An normalen Unterricht ist an der betroffenen Schule vorerst nicht zu denken. «Der Schulpsychologische Dienst wird am Freitagmorgen in die Klassen gehen und als erstes das Geschehene mit den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrpersonen aufarbeiten», sagt Simon Thiriet, Sprecher des Erziehungsdepartements.

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Auch am Tag nach der Tat bleiben die Umstände der Horror-Tat noch ungewiss. Die Kriminalpolizei sowie das Institut für Rechtsmedizin untersuchen den Fall. Die Kriminalpolizei der Staatsanwaltschaft sucht Zeugen, die Angaben zu dem Drama im Basler Gotthelf-Quartier machen können.

* Name geändert

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