Er führte ein Leben in Saus und Braus, kennt die halbe Schweizer Fussball-Nati sowie deutschsprachige Rap-Stars und andere Sternchen und gönnte sich auch während der U-Haft Sex und sonstige Gefälligkeiten: Doch jetzt könnte Ex-Hells Angel Ertan Y.* (36) für eine längere Zeit im Gefängnis landen. Der Basler mit türkischen Wurzeln muss sich ab Montag wegen diverser Vorwürfe vor dem Basler Strafgericht verantworten.
Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Bis zu seiner Haft Mitte Juni 2021 finanzierte Ertan Y. sein Luxusleben mit dem Geld von anderen. Dieses soll er sich durch grossangelegten Anlagebetrug einer international organisierten Gruppierung angeeignet haben. Der Schaden: über 3,6 Millionen Euro und 79 Opfer.
Geld soll auch durch organisiertes, illegales Glücksspiel in seine Taschen geflossen sein. Weitere Vorwürfe: Kindesmissbrauch, Urkundenfälschung und Bestechung von zwei Gefängnisaufsehern. Die beiden werden sich ab Montag ebenfalls vor Gericht verantworten müssen.
Rapper und Fussballer
Blick berichtete bereits Ende März über Ertan Y. – ein führendes Ex-Mitglied der Basler Hells Angels. Auf seinem Instagram-Kanal präsentiert er sich als erfolgreicher und hart arbeitender Geschäftsmann, verlinkt dort eine Schweizer Spielerberater-Agentur. Auf einem Foto ist der Beschuldigte Anfang Mai 2020 in einem Büro voller Fussball-Trikots zu sehen. In seinen Hashtags ist die Firma aufgelistet. Zudem ist er auf Fotos mit dem Inhaber zu sehen. Auf Blick-Anfrage wollte Letzterer jedoch keine Stellung nehmen.
Sowieso scheint der Basler ein Flair für den Fussball zu haben: So zeigt er sich auf Instagram mit Nati-Star Breel Embolo und Ragip Xhaka – dem Papa von Granit und Taulant Xhaka. Zum Geburtstag gratulieren ihm per Video neben Embolo die Nati-Stars Granit Xhaka und Manuel Akanji. Auch in der Musikszene scheint er Leute zu kennen: Die Schweizer Rapperin Loredana sowie ihr Ex-Mann Mozzik und dessen Bruder Getinjo – beide erfolgreiche kosovarische Rapper – gratulieren ihm ebenfalls per Video zum Geburtstag. Weiter zeigt er sich mit dem deutschen Rapper Mero in den Ferien.
Eine der Fussballbekanntschaften erscheint auch in der Anklageschrift: Breel Embolo. Gemäss Staatsanwaltschaft soll der Nati-Star im Februar 2021 zweimal gefälschte Covid-Reisezertifikate beim Beschuldigten bestellt haben, die bescheinigen, dass der Covid-Test negativ ausgefallen sei.
Internationaler Betrug
Ein weiterer Anklagepunkt aus der langen Vorwurfsliste: sexuelle Handlungen mit Kindern. So soll Ertan Y. ab Anfang 2018 eine damals 14-Jährige so manipuliert haben, dass sie ihm Nacktaufnahmen von sich und ihrer damals 10-jährigen Schwester schickte. Die soll er dann genutzt haben, um sie weiter unter Druck zu setzen, indem er ihr drohte, diese auf Social Media mit ihren Daten zu streuen. Auch soll er das Mädchen zu sexuellen Handlungen genötigt haben. Die Kommunikation zwischen den beiden liegt der Staatsanwaltschaft in Form von Chatverläufen vor.
Weiter muss sich Ertan Y. für das Luxusleben innerhalb der Gefängnismauern verantworten. Ihm wird hier etwa Bestechung vorgeworfen. Er soll zwei Ex-Mitarbeiter der Securitas AG für seine Dienste benutzt haben. So liess er sich von dem männlichen Angestellten Handys gegen Geld ins Gefängnis schmuggeln. Mit der weiblichen Angestellten hatte er Sex. Hierfür versprach er ihr Geld, teure Geschenke und luxuriöse Ferien. Auch die beiden sind als Beschuldigte in diesem Prozess vorgeladen.
Laut Staatsanwaltschaft ging dieses Strafverfahren weit über den üblichen Rahmen von Ermittlungs- und Untersuchungshandlungen hinaus. Allein die Anklageschrift ist 52 Seiten lang, die Unterlagen zum Fall umfassen 55 Aktenordner, 36 Beilagenordner, acht USB-Sticks und eine CD. Für das Gericht sind zwölf Tage angesetzt, wobei die öffentliche Verhandlung an drei bis vier Tagen stattfinden soll. Für die restlichen Tage zieht sich das Gericht zur Beratung zurück. Gleich zwei Staatsanwälte sind für den komplexen Fall zuständig.
Das Urteil wird am 30. Mai erwartet. Für die Beschuldigten gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung. Blick ist am Montag vor Ort und berichtet live.
* Name geändert