Darum gehts
- Beim Drittligaspiel FC Reinach gegen US Olympia schlug ein Spieler einem Gegner ins Gesicht
- Der Reinacher Spieler erlitt laut Trainer einen doppelten Kieferbruch und musste operiert werden
- FC Reinach erstattete beim Verband Anzeige, der FVNWS leitete eine Untersuchung zum Vorfall ein
Bei Sportveranstaltungen können die Emotionen schon mal hochkochen. Gewalt sollte trotzdem keinen Platz haben. Beim Drittligaspiel zwischen dem FC Reinach 1921 (Basel-Landschaft) und US Olympia 1963 (Basel-Stadt) kam es am Samstag in den Schlussminuten zu einer schlimmen Szene.
Ein Spieler streckte seinen Gegenspieler mit einem Faustschlag nieder. Am Montag meldete ein Blick-Leser den Vorfall. «Es ist nicht das erste Mal, dass US Olympia negativ auffällt», sagte er. Videoaufnahmen, die Blick vorliegen, zeigen, wie ein Spieler im blauen Trikot einem Gegenspieler im roten Trikot ins Gesicht schlägt.
Spieler muss operiert werden
Ein anderer Leser sagte zu Blick, dass dem Prügelopfer bei der Attacke der Kiefer doppelt gebrochen worden sei. Ein Sprecher des Vereins ging auf die Art der Verletzung nicht näher ein, sagte aber, dass sich der Betroffene im Spital befinde und voraussichtlich noch am Montag operiert werde.
«Beim FC Reinach gilt ein klarer Verhaltenskodex», so der Sprecher des FC Reinach weiter. «Wir leben die Werte der Ethik-Charta des Schweizer Sports und vermitteln unseren Mitgliedern bereits im Kindesalter Anstand, Fairness und Respekt.»
Angeblich soll dem Faustschlag eine rassistische Beleidigung vorausgegangen sein, wie Blick erfuhr.
Trainer schildert Attacke auf dem Platz
Jemand, der bei dem Vorfall dabei war, ist Marco Chiarelli (62), Trainer der 3.-Liga-Mannschaft des FC Reinach. Passiert sei es nach dem Schlusspfiff. Chiarelli und seine Jungs hatten gerade 2:1 gewonnen. «Ein paar meiner Spieler sind noch auf dem Feld beieinander gestanden und haben das Spiel besprochen. Dann lief ein Spieler von US Olympia zu meinen Spielern und hat einem voll mit der Faust ins Gesicht geschlagen – doppelter Kieferbruch», sagt er.
«Mein Spieler fiel zu Boden und war sofort bewusstlos», so Chiarelli sichtlich geschockt. Über 50 Jahre sei er bereits im Fussballgeschäft und habe schon einiges erlebt. «Aber einen doppelten Kieferbruch sehe ich zum ersten Mal.»
Bereits vor diesem verheerenden Schlag sei es zu einem Aufeinandertreffen der beiden Männer gekommen. «Der Gegner verpasste meinem Spieler einen leichten Schlag. Der Schiedsrichter gab für dieses Vergehen Gelb», sagt er. Danach habe es ein Wortgefecht zwischen den beiden Spielern gegeben.
Zum Glück keine Massenschlägerei
Seinem Spieler traue er durchaus zu, dass er bei einem Wortgefecht austeile. Grundsätzlich sei er zwar ein Ruhiger, aber: «Er lässt sich nichts sagen und auch nicht herumschubsen. Er gibt Kontra», sagt Chiarelli. Dass er eine schwerwiegende Beleidigung Richtung Gegner herausliess, glaubt Chiarelli aber eher nicht. «Das ist nicht seine Art. Ich konnte mich aber noch nicht wirklich über den Vorfall mit ihm austauschen.»
So oder so ist für den langjährigen Trainer klar: «Selbst eine Beleidigung rechtfertigt keinen brutalen Faustschlag ins Gesicht.» Nach dem Schlag sei es auf dem Platz zu Rudelbildungen zwischen den Teams gekommen. «Zum Glück konnte der Staff von beiden Mannschaften die Situation beruhigen – und es eskalierte nicht zu einer Massenschlägerei», sagt der 62-jährige Trainer.
Schiris sollen härter durchgreifen
Sein Spieler habe mittlerweile die Polizei eingeschaltet. Ihm sei empfohlen worden, nach der Operation Anzeige gegen den Täter zu erstatten. Auch der FC Reinach ist in Aktion getreten: «Wir haben bereits eine Anzeige beim Fussballverband eingereicht. Der Verband muss jetzt Sanktionen gegen diesen Spieler ergreifen», heisst es auf Anfrage. Gemäss Reglement wären das bei einem Vergehen dieser Art vier bis sechs Spielsperren. Für Chiarelli wäre das zu wenig: «Ich denke, es sollten ein paar Sperren mehr sein – der Angriff war echt brutal.»
Chiarellli hätte sich auch vom Schiedsrichter mehr erhofft: «Grundsätzlich finde ich, dass die Schiedsrichter im Amateurfussball schneller eingreifen müssen. Sie sollen für körperlichen Einsatz ohne Fokus auf den Ball schneller gelbe Karten zeigen, zum Beispiel». Durch härteres Durchgreifen würde das Spielgeschehen allgemein deeskaliert werden.
Untersuchung eingeleitet
Der Fussballverband Nordwestschweiz (FVNWS) hat ebenfalls Kenntnis vom Vorfall. Geschäftsführer Pascal Buser sagte auf Nachfrage von Blick, dass bereits eine Untersuchung eingeleitet worden sei. «Die Beteiligten werden zu Stellungnahmen aufgefordert. Allfällige Sanktionierungen erfolgen durch den zuständigen Ausschuss der Abteilung Spielbetrieb». Diese würden gemäss «Weisung Strafen» entschieden und den Beteiligten direkt kommuniziert.