Das war das Lawinenunglück von Evolène
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Lawinenwinter 1999:Das war das Lawinenunglück von Evolène

17 Tote und 600 Millionen Franken Sachschaden bei Katastrophenwinter
Über 1200 Lawinen verschütteten 1999 die Schweiz

Zuerst freuten sich alle über den vielen Neuschnee auf den Skipisten. Aus Begeisterung wurde aber schnell Entsetzen, als die ersten Lawinen die Berghänge hinunter bretterten. Ein Rückblick auf den Lawinenwinter 1999.
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Die Lawine in Evolène VS war die schlimmste Katastrophe vom Lawinenwinter 1999.
Foto: Mattia Jutzeler

Darum gehts

  • Lawinenwinter 1999: Grösste Krise seit 50 Jahren mit verheerenden Folgen
  • Katastrophenlawinen begruben das Land, höchste Gefahrenstufe ausgerufen
  • 28 Menschen verschüttet, 17 nicht gerettet, Sachschaden über 600 Millionen Franken
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Mattia JutzelerRedaktor News

Starke Schneefälle und Lawinenabgänge sorgen in der Schweiz aktuell für Schlagzeilen. In Goppenstein VS entgleist ein Zug wegen einer Lawine, und in Davos GR reisst ein Schneebrett einen Snowboarder (†38) in den Tod. Diese Schlagzeilen erinnern viele Menschen an den schrecklichen Winter vor 27 Jahren. Mehr als 1200 Lawinen überzogen die Schweiz 1999 mit Tod und Verwüstung. Ein Blick zurück.

Was ist passiert?

«Todeslawine verschlang 10 Menschen», «Wetter-Wahnsinn» und «Lawinen-Angst» – das sind nur einige der Blick-Schlagzeilen aus dem Februar 1999.

Die Blick-Ausgabe vom 23. Februar 1999.
Foto: Mattia Jutzeler

Die grösste Lawinenkrise seit fast 50 Jahren hielt die Schweiz in Atem. Rund 1200 Lawinen begruben das Land. Insgesamt 28 Menschen wurden verschüttet, 17 von ihnen konnten nicht gerettet werden. Zum ersten Mal überhaupt musste die Schweiz die höchste Lawinen-Gefahrenstufe ausrufen. Der verursachte Sachschaden betrug über 600 Millionen Franken.

Grund für den Katastrophenwinter waren die Unmengen an Schnee, die Anfang Jahr vom Himmel fielen. Zwischen Januar und Februar 1999 lagen in weiten Teilen des Alpenraumes zwischen fünf und acht Meter Neuschnee. Im Berner Oberland schneite es so viel wie seit 100 Jahren nicht mehr.

Das schlimmste Unglück der Krise traf das Dorf Evolène im Kanton Wallis. Am Abend des 21. Februars verschüttete die Lawine weite Teile der Gemeinde. 12 Personen verloren ihr Leben. Nur zwei andere Lawinen in der Schweiz forderten in den letzten 100 Jahren mehr Todesopfer.

Warum ist der Lawinenwinter für die Schweiz so wichtig?

Die katastrophalen Wochen im Januar und Februar 1999 zeigten deutlich auf, wie zerstörerisch Lawinen sein können. Die Forschenden vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF beschäftigte der Winter noch viele Jahre.

Im Auftrag des Bundes wurde noch im selben Jahr eine Ereignisanalyse durchgeführt. Ziel war es, die Lawinenprozesse zu untersuchen und die Effizienz der bestehenden Sicherheitsmassnahmen zu überprüfen.

Das Ergebnis lautete: Es hätte noch viel schlimmer kommen können! Der letzte grosse Lawinenwinter im Jahr 1951 kostete fast 100 Menschen das Leben. Im Vergleich dazu hätten sich 1999 die meisten existierenden Schutzmassnahmen bewährt. Die Untersuchung zeigte allerdings auch Schwachpunkte im Umgang mit Lawinen auf.

Was ist seither geschehen?

Nach dem Lawinenwinter 1999 hat das SLF viele der bestehenden Schutzmassnahmen saniert oder erweitert. Auch wurde das Frühwarnsystem grundlegend überarbeitet. Ein Problem im Lawinenwinter war nämlich, dass die verantwortlichen Krisenstäbe und Rettungsdienste nicht früh genug über potenzielle Lawinen informiert wurden.

Jetzt findet diese Kommunikation interkantonal statt und das SLF hat spezifische Plattformen für den Austausch von Lawinenwarnungen eingerichtet. Auch die Ausbildung der Rettungskräfte wurde überarbeitet und schweizweit vereinheitlicht.

Die Änderungen scheinen Wirkung gezeigt zu haben. In den letzten 25 Jahren kam es nie wieder zu einem so schlimmen Lawinenwinter wie im Januar und Februar 1999.

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