Es gibt 100 Stutz
Kein Witz! Zürich zahlt jetzt die Reparatur deiner Jacke

Zürich zahlt fürs Flicken: Seit diesem Sommer erhalten Einwohnerinnen und Einwohner jährlich bis zu 100 Franken Reparaturbonus. Besonders häufig werden damit bisher elektronische Geräte repariert. Auch die zuständige Stadträtin profitiert vom Angebot – für ein Kleidungsstück.
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Die Zürcher SP-Stadträtin Simone Brander (48) liess einen Riss in ihrer Kleidung von einer Schneiderin flicken.
Foto: Facebook Simone Brander

Darum gehts

  • Die Stadt Zürich bezahlt ihren Einwohnern jährlich bis zu 100 Franken für Reparaturen
  • Auch SP-Stadträtin Simone Brander lässt sich das Flicken ihres Anzugs mitfinanzieren
  • Bisher entfallen 78 Prozent der geförderten Reparaturen auf Handys, Tablets und Smartwatches
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Janic UrechRedaktor Politik

Die Zürcher SP-Stadträtin Simone Brander (48) lässt einen Riss in ihrem Anzug bei einer Modedesignerin flicken. Die Hälfte der Reparaturkosten übernimmt die Stadt Zürich. Allerdings nicht, weil Brander Stadträtin ist, sondern weil sie in Zürich wohnt: Seit diesem Sommer unterstützt die Stadt ihre Einwohnerinnen und Einwohner mit einem Reparaturbonus.

Wer kaputte Gegenstände reparieren lässt, bekommt die Hälfte der Kosten zurückerstattet. Dafür hat die Stadt einen Topf mit einer halben Million Franken Steuergeld bereitgestellt.

Bis zu 100 Franken für Reparatur

«Flick-it» heisst das Projekt. Über eine Onlineplattform können sich Zürcherinnen und Zürcher das Flicken von Textilien und Elektrogeräten zur Hälfte von der Stadt bezahlen lassen.

Wer also seine löchrigen Turnschuhe, seinen defekten Staubsauger oder gar seine kaputte E-Gitarre flicken lassen will, kann jährlich von bis zu 100 Franken Reparaturbonus profitieren. Einzige Bedingung: Die Reparatur muss bei einem der rund 40 Partnerbetriebe des Projekts durchgeführt werden.

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Mit dem Reparaturbonus will die Stadt Zürich dafür sorgen, dass mehr Gegenstände repariert werden, statt im Abfall zu landen. «So werden Ressourcen geschont und Handwerksbetriebe vor Ort gestärkt», wirbt SP-Stadträtin Brander in einer Kolumne im «Tagblatt der Stadt Zürich».

Brander steht dem Entsorgungsdepartement vor und ist damit auch für das Projekt verantwortlich. Nun rührt sie in den sozialen Medien kräftig die Werbetrommel – und zeigt sich mit ihrem auberginefarbenen Einteiler bei der Schneiderin. Die Reparatur des Risses lässt sie sich gleich selbst aus dem «Flick-it»-Topf mitfinanzieren.

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Grossteil des Geldes fliesst in Handyreparaturen

Dass Brander dieser Tage nochmals dafür wirbt, Kleider mit der Finanzhilfe reparieren zu lassen, ist wohl kein Zufall. Geflickte Hosen und Hemden dürften unter den bisher geförderten Reparaturen nämlich eher die Ausnahme sein.

Wie die «NZZ am Sonntag» berichtete, entfielen in den ersten Wochen des Projekts 78 Prozent der Reparaturen auf Smartphones, Tablets und Smartwatches. Gerade für Handyreparatur-Shops ist der Bonus attraktiv. Denn anders als bei vielen anderen Gegenständen sind Reparaturen bei Smartphones längst gang und gäbe.

Zürich ist nicht der erste Ort, an dem ein solcher Reparaturbonus ausprobiert wird. Österreich führte das Konzept bereits 2022 ein. Nach zahlreichen Betrugsfällen im Zusammenhang mit Smartphone-Reparaturen wurden Mobiltelefone und Tablets dort allerdings vom Förderprogramm ausgeschlossen. Ob auch Zürich mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben wird, muss sich erst noch zeigen.

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