Zankapfel AKW-Kosten
Röstis Milliardenproblem

Albert Rösti will neue Atomkraftwerke bauen. Im Bundesamt für Energie erhitzt nun eine Kontroverse über die Baukosten die Gemüter.
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Bundesrat Albert Rösti will wieder Atomkraftwerke bauen.
Foto: keystone-sda.ch
Raphael Rauch, Ringier
Raphael RauchBundeshausredaktor

Als Albert Rösti (59) Bundesrat wurde, traf er im Bundesamt für Energie (BFE) auf Wohlwollen. Seine Vorgängerin im Uvek, Simonetta Sommaruga (66, SP) habe an internen Sitzungen bisweilen unsicher gewirkt, sich nicht für technische Details interessiert und das Bundesamt weitgehend ihrem Generalsekretär überlassen – so erzählt man es sich jedenfalls im BFE selbst. Mit Rösti ist es anders: Der promovierte ETH-Ingenieur vertiefte sich in die Dossiers, stellte fundierte Rückfragen, bot jedem das Du an. Selbst linke Kritiker gestehen dem SVP-Bundesrat zu: 2023 kämpfte er engagiert für das Klima- und Innovationsgesetz und erzielte ein besseres Abstimmungsergebnis, als es Sommaruga wahrscheinlich geschafft hätte.

Bichsel geht Parlamentarier schroff an

Inzwischen ist der Honeymoon verflogen. Was auch daran liegt, dass Generalsekretär Yves Bichsel (55) immer mehr Einfluss für sich beansprucht. Dies wurde besonders während Röstis Abwesenheit nach einer Rücken-OP deutlich. Bichsel, der ihn im Parlament vertrat, ging einzelne Kommissionsmitglieder schroff an, wie mehrere Beteiligte berichten. Und bei einem Podiumsauftritt antwortete er auf die Frage, weshalb die SVP gegen Windenergie sei, mit dem unverblümten Eingeständnis: «Wenn die anderen gegen Kernkraft sind, sind wir gegen Windenergie.» Das Uvek versuchte, diese Aussage gegenüber SonntagsBlick zu relativieren: «Der Bundesrat unterstützt alle Technologien, so auch den Wind. Diese Haltung vertritt auch Generalsekretär Yves Bichsel.»

Nirgendwo zeigt sich Bichsels Handschrift stärker als in Fragen der Atomenergie. Wie Insider berichten, wollte man eine Kostendiskussion zunächst vermeiden – unter anderem dadurch, indem nur Ausgaben bis 2019 aufgeschlüsselt werden sollten. Damit wäre die Explosion der Investitionen für den französischen Reaktor Flamanville ausgeklammert gewesen, der am Ende mehr als 21 Milliarden Franken kostete; 2024 ging das Uvek noch von 13 Milliarden Euro aus. Auch in Finnland gabs eine ähnliche Entwicklung. Aus ursprünglich geplanten drei Milliarden Euro für den Atomreaktor Olkiluoto 3 wurden am Ende 11 Milliarden – und das bei einem Bauprojekt, dessen Planung bis ins Jahr 2003 zurückreicht.

Nach Informationen von SonntagsBlick hat das Bundesamt für Energie die externe Beratungsfirma Deloitte mit einer neuen Kostenrechnung beauftragt. Ein erster Deloitte-Bericht wurde von Röstis Beamten zurückgewiesen, mittlerweile liegt ein fertiger Bericht vor. Er unterliegt strengster Geheimhaltung und soll in den nächsten Tagen an Bichsel und Rösti gelangen, der ihn auf Ende Jahr veröffentlichen möchte.

«Alles unter 20 Milliarden ist unseriös»

Ein ehemaliger BFE-Mitarbeiter, der anonym bleiben will, sagt im Gespräch mit SonntagsBlick voraus: «Alles unter 20 Milliarden für ein neues Kernkraftwerk ist unseriös.» Kosten, wie sie China angebe, seien in Europa unrealistisch. In Grossbritannien werden aktuell zwei Reaktoren gebaut, von denen ein einziger zwischen 26,9 und 32,6 Milliarden Franken projektiert ist. Einen Fixpreis gibt es nicht, auch hier zeichnet sich bereits eine Kostenexplosion ab.

Pikantes Detail am Rande: Rösti soll intern den Wunsch geäussert haben, Minireaktoren – sogenannte «Small Modular Reactors» – zu besichtigen. Daraufhin mussten ihm seine Fachleute erklären, dass die Technologie noch ganz am Anfang stehe. In Kanada würden sie erst noch gebaut, Rösti müsse hierfür nach Russland oder China reisen. Dass dies politisch nicht gut ankommt, sahen dann auch Rösti und Bichsel ein. Dazu das Uvek: «Es bestanden keine Pläne für eine Reise nach Russland oder China.»

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