Zahlen des Bundes zeigen
Deine Nationalität verrät, wie gross du wohnst

In der Schweiz ist der Wohnraum ungleich verteilt. Schweizerinnen und Schweizer haben pro Person in der Regel doppelt so viel Platz wie Mazedonierinnen oder Mazedonier, die hierzulande leben. Was sagt das über die Schweiz aus?
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Wer hat wie viel Wohnraum zur Verfügung? In der Schweiz gibt es grosse Unterschiede – je nach Nationalität.
Foto: imago/Westend61

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer haben mehr Wohnraum als Ausländer, besonders Rentner verfügen über viel Platz
  • Mazedonier haben mit 25,1 Quadratmeter pro Person am wenigsten Wohnraum
  • In Appenzell Innerrhoden haben Schweizer Einpersonenhaushalte 96 Quadratmeter Wohnraum, Ausländer 66,2 Quadratmeter
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Lucien FluriCo-Ressortleiter Politik

Sag mir, wo du geboren bist. Und ich sage dir, wie gross deine Wohnung in der Schweiz ist. Die Prognose dürfte in vielen Fällen nicht falsch herauskommen. Denn Zahlen zeigen: Ausländerinnen und Ausländer haben je nach Nationalität klar weniger Wohnraum zur Verfügung als Schweizerinnen und Schweizer.

Die Unterschiede sind gross. Engländer etwa haben fast so grosse Wohnungen wie die Schweizer. Eine Mazedonierin hat im Schnitt halb so viel Platz wie eine Schweizerin.

Das zeigen Zahlen des Bundes. Was zeigen sie sonst noch? Und was lässt sich daraus über die Schweiz lernen? Blick hat die Statistik gemeinsam mit dem Soziologen Ganga Jey Aratnam (53) angeschaut.

Ausländer müssen in der Schweiz zusammenrücken

Portugal, Türkei, Serbien, Kosovo und Mazedonien: Das sind die Nationalitäten mit dem kleinsten Wohnraum. Er reicht von 25,1 Quadratmeter pro Person bei Nordmazedoniern bis zu 31,5 Quadratmeter bei Portugiesinnen. «Diese Ausländerinnen und Ausländer können sich die hohen Mieten für grosse Wohnungen nicht leisten», sagt Jey Aratnam. Tendenziell arbeiten sie auch in Berufen mit tieferen Löhnen.

Hinzu kommt: Während junge Schweizer zu Hause ausziehen und in eigene Wohnungen wechseln, ist dies beispielsweise in kosovarischen Familien kulturbedingt weniger der Fall. Es leben mehr Leute in einer Familienwohnung, was zu weniger Wohnraum pro Person und weniger Privatsphäre führt.

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Schweizer kennen die Tricks – und profitieren davon

Egal in welchem Kanton: Schweizer Haushalte haben überall deutlich mehr Wohnraum zur Verfügung als ausländische Haushalte. Die Differenzen betragen teils gegen 30 Prozent. In Appenzell Innerrhoden haben Schweizer Einpersonen-Haushalte 96 Quadratmeter zur Verfügung, ausländische dagegen nur 66,2. Auch in Uri beispielsweise hat ein Einpersonenhaushalt von Schweizern 88,6 Quadratmeter zur Verfügung. Ausländische Einpersonenhaushalte haben nur 66,5 Quadratmeter, also gut ein Zimmer weniger.

«Früher beanspruchten Deutsche und Niederländer mehr Platz als die Schweizer», sagt Jey Aratnam. Dass die Schweizer «vorwärtsgemacht» haben, hat verschiedene Gründe. Einerseits gibt es mehr Rentner, die nach dem Auszug der Kinder alleine in grossen Wohnungen oder Häusern leben. Zugleich wohnen viele junge Schweizerinnen und Schweizer in Einpersonenhaushalten.

«Die Schweizer Bevölkerung kann sich auch die Miete leisten», sagt Jey Aratnam. Hinzu kommt, dass Einheimische oft das bessere Netzwerk haben und so rascher und einfacher an bezahlbare grössere Wohnungen gelangen, gerade bei Genossenschaften in grossen Städten.

Expats brauchen mehr Platz

Nach den Schweizern (50,3 Quadratmeter pro Person) bewohnen Engländer (48,9), Deutsche (47,3) und Österreicher (47,2) die grössten Wohnungen. Ein Grund dafür: Hoch qualifizierte Expats wohnen oft alleine und beanspruchen viele Quadratmeter. «Grosse Wohnungen sind ein Statussymbol wie die Rolex», sagt der Forscher. Wer in solche Wohnungen einlädt, zeigt, dass er etwas erreicht hat. Das schafft bei potenziellen Kunden Vertrauen.

In Genf lebt es sich enger

In engsten Verhältnissen leben Ausländer in Genfer Mehrpersonenhaushalten. Es sind 28,1 Quadratmeter pro Person, während Schweizerinnen und Schweizer in Genf 36,3 Quadratmeter zur Verfügung haben. Schweizweit am meisten Platz hat – bei Mehrpersonenhaushalten – ein Schweizer Haushalt im Thurgau. Pro Person gibt es dort 50,7 Quadratmeter Wohnraum bei Schweizern und 34,3 bei Ausländern.

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Bei den Schweizer Haushalten hat eine Person in Basel-Stadt mit 39 Quadratmeter – nach Genf – am wenigsten Platz. In den Stadtkantonen sind die Mieten einerseits höher, während in ländlich geprägten Kantonen viele Einfamilienhäuser stehen. Allerdings sind dafür nicht nur die hohen Mieten ein Grund, wie Jey Aratnam sagt. «Gerade in Basel gibt es viele geschützte Häuser», sagt der Soziologe. Ausbaumöglichkeiten sind begrenzt. «Und Genossenschaften achten auf den Flächenverbrauch, während bei Neubauten in ländlichen Gebieten grosse Wohnungen boomen.»

Sollen die Rentner Platz machen?

Mit Abstand am meisten Platz haben Rentnerinnen und Rentner. Sie leben auf 72,2 Quadratmetern pro Person, während der Schweizer Schnitt bei 46,6 liegt. Der Grund ist schnell erklärt: Oft haben Pensionierte ein Haus, das vom Platz her für eine Familie gebaut worden ist. Zwar brauchen sie den Platz seit dem Auszug der Kinder nicht mehr. Doch aufgrund der tiefen Hypotheken lohnt es sich nicht, in eine kleinere Wohnung zu ziehen.

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Gesellschaftlich ist dies nicht ohne Brisanz, gerade an Orten mit wenig freien Wohnungen: Der Bund hat sich schon Gedanken gemacht, wie man Rentnerinnen und Rentner – zugunsten von Familien – aus ihren Häusern locken könnte. In einer Studie will er Möglichkeiten ausloten. Doch alleine diese Pläne sorgten für einen massiven Aufschrei, als Blick sie enthüllt hat. Der Tenor: Mein Haus lasse ich mir nicht wegnehmen.

Auch Soziologe Jey Aratnam hält wenig von solchen Bestrebungen. «Es geht hier um Menschen und nicht um Legosteine, die man einfach umplatzieren kann», sagt er. Die eigene Wohnung sei mit vielen Erinnerungen verbunden. «Warum soll jemand mit 80 unbedingt etwas Neues beginnen, wenn er sich in der eigenen Umgebung wohlfühlt und dort verwurzelt ist?» 85 Prozent der Menschen über 80 lebten zu Hause. Hinzu kommt, dass viele Ältere auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind. Für selbstbewohntes Wohneigentum gilt dabei eine Ausnahme von der Vermögensgrenze, betont Jey Aratnam.

Enden dürfte die Diskussion um Quadratmeterverbrauch und knappen Wohnraum übrigens spätestens ab 2060. Die Bevölkerungsprognosen gehen davon aus, dass die Schweizer Bevölkerung dann zu schrumpfen beginnt.

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