Es war ein sonniger Samstagmorgen, als das Unglück über Schaffhausen hereinbrach. Drei Geschwader der US-Luftwaffe attackierten am 1. April 1944 die Stadt am Rhein. Innert 40 Sekunden schlugen 378 Spreng- und Brandbomben ein und töteten vierzig Menschen. Über 270 Menschen wurden verletzt, mehrere Dutzend Häuser dem Erdboden gleichgemacht. Es war der folgenschwerste Angriff der Alliierten auf die neutrale Schweiz.
Von einer Bombe getroffen wurde damals auch die Steigkirche, in der heute, genau 75 Jahre nach dem tragischen Unglück, der Opfer der Bombardierung gedacht wurde. Mit dabei waren Justizministerin Karin Keller-Sutter (55) und der US-Botschafter Ed McMullen (54). Neben lokaler und kantonaler Politprominenz waren zudem Angehörige von Opfern geladen und Personen, die das Unglück damals hautnah miterlebt hatten.
Schaffhausen mit Ludwigshafen verwechselt
McMullen war angereist, um «Sorry» zu sagen – so wie das vor Jahrzehnten bereits der frühere US-Präsident Franklin D. Roosevelt (1882–1945) getan hatte. Denn der Bombenabwurf über Schaffhausen war ein Versehen. Eigentlich wollten die US-Bomber die IG Farben (heute BASF) im süddeutschen Ludwigshafen ins Visier nehmen, wo Giftgas für die Konzentrationslager der Nazis hergestellt wurde. Doch die Piloten hatten wegen schlechter Wetterbedingungen in der Umgebung und kaputten Radars komplett die Orientierung verloren.
«Amerikaner lernen im Geschichtsunterricht, dass im Krieg viele Fehler gemacht wurden. Das ist einer davon», sagte McMullen zu BLICK (siehe Video). Er sei nach Schaffhausen gekommen, um Anteil zu nehmen. Die Bevölkerung solle wissen, dass der unglückliche Vorfall «den USA und unserem Präsidenten sehr leid tut». Die USA hatten Schaffhausen für den Wiederaufbau eine Entschädigung in der Höhe von 40 Millionen Dollar gezahlt.
«Es gibt neue Bedrohungen, auf die wir Antworten brauchen»
Bundesrätin Karin Keller-Sutter zog in ihrer Ansprache Parallelen zu heute. «Die Katastrophe machte klar, wo die Schweiz steht: mitten in Europa», sagte sie. Heute sei man zwar umgeben von Freunden. «Doch es gibt neue Bedrohungen, auf die wir Antworten brauchen.»
Die Polizei- und Justizministerin sprach beispielsweise den dschihadistisch motivierten Terrorismus an, der mehrere europäische Metropolen erschüttert hat, einige davon nicht weit von der Schweiz entfernt. Zudem verwies Keller-Sutter auf den anstehenden Kampfjetkauf. Die Schweiz könne es sich nicht leisten, im Ernstfall auf die Hilfe anderer zu vertrauen, betonte sie. «Wir müssen unsere Sicherheit selber in die Hand nehmen.»