SRF-Leak und Geheimnisverrat im Verteidigungsdepartement
VBS-Spitze liess Jagd auf den falschen Mann machen

Als Medien Informationen über einen brisanten Rüstungsdeal mit Deutschland hatten, wurde das Verteidigungsdepartement nervös. Es schaltete die Bundesanwaltschaft wegen Geheimnisverrat ein. Monatelang wurde ein Mitarbeiter zu Unrecht unter Verdacht gestellt.
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SRF war gut informiert im Juni 2024.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweiz gab 2024 bestellte Panzerabwehrsysteme an Deutschland weiter
  • SRF wusste früh davon und fragte beim VBS nach
  • Das VBS trat gleich Ermittlungen wegen Geheimnisverrat los
  • Zwei Jahre Ermittlungen, kein Schuldiger gefunden, VBS-Mann unter falschem Verdacht
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Lucien FluriCo-Ressortleiter Politik

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) war gut informiert: Im Oktober 2024 beschloss der Bundesrat, dass er bei seinem bestellten Panzerabwehrsystem Deutschland den Vortritt lässt. Das Nachbarland bekam die Systeme so früher und konnte sie gleich an die Ukraine weitergeben.

SRF aber hatte schon Monate vor dem neutralitätspolitisch brisanten Entscheid von der Anfrage aus Deutschland erfahren und fragte deshalb beim Kommunikationschef des Verteidigungsdepartements (VBS) nach. Dass die Journalisten von der geheimen Anfrage wussten, sorgte ganz oben für Wirbel.

Markus Mäder (55), Staatssekretär für Sicherheitspolitik im Armeedepartement, reichte prompt bei der Bundesanwaltschaft eine Anzeige wegen des «Verdachts auf mutmassliche Verletzung des Dienstgeheimnisses» ein. VBS-Vorsteherin war damals noch Viola Amherd (64). Die Mitte-Frau kämpfte in ihrer Bundesratszeit immer wieder mit Leaks. Sogar ihr Rücktritt im Januar 2025 gelangte an die Presse, bevor sie ihn selbst verkündete.

«Kollegen» schwärzten Oberst an

Es folgte ein aufwendiges Verfahren. Militärpolizei und Bundesanwaltschaft machten Befragungen, sie stellten Dateien sicher, sie durchsuchten alle E-Mail-Boxen der Leute, die die vertraulichen Infos hatten. Ein langjähriger Armee-Kadermann geriet schliesslich unter Verdacht – und ins Visier der Ermittler. Zwei VBS-Leute hatten den Generalstabsoberst und Berufsmilitär angeschwärzt, aber offensichtlich mehr auf Gerüchtebasis als mit Beweisen.

Das Ergebnis nach zwei Jahren Aufwand: nichts. Man fand bei niemandem Hinweise auf die Weitergabe der Information; die Militärjustiz hat das Verfahren jetzt eingestellt, wie Blick vorliegende Dokumente zeigen. Zwei Möglichkeiten bleiben: Entweder hatten sich Journalisten und Whistleblower professionell verhalten und keine Spuren hinterlassen. Oder das Leck war gar nicht im VBS. Die Armeejustiz nimmt an, SRF habe die Information auch aus Deutschland haben können.

Die Konsequenz nach vielen Ermittlungen: Ein Kadermann, der von seinem Arbeitgeber über anderthalb Jahre lang zu Unrecht verdächtigt wurde, sowie Anwalts- und Verfahrenskosten in unbekannter Höhe, die der Bund zahlen muss.

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