Darum gehts
- Bei einer Übung in Österreich wurde ein Schweizer Soldat schwer verletzt
- Ein Radpanzer ist über seine Beine gerollt
- Nun ist die Strafuntersuchung gegen den Fahrer eingestellt worden
«Es ertönten ein Knacken und anschliessend lautes Schreien.» So ist es im Bericht der Militärjustiz nachzulesen. Bei der internationalen Militärübung «Trias 25» in Niederösterreich war ein Schweizer Soldat im April 2025 schwer verletzt worden. Ein rund 5,5 Tonnen schweres Eagle-Aufklärungsfahrzeug war dem damals 19-Jährigen über die Beine gefahren. Die Folge: mehrere offene Brüche im Bereich von Knöcheln, Schien- und Wadenbeinen.
Die Militärjustiz eröffnete eine Strafuntersuchung gegen den Fahrer. Der damals 26-jährige Soldat stand im Verdacht, sich der fahrlässigen schweren Körperverletzung sowie der groben Verletzung von Verkehrsregeln schuldig gemacht zu haben. Die Voruntersuchung wurde nun eingestellt. Es lägen keine hinreichenden Verdachtsgründe für eine strafbare Handlung vor. So steht es in der schriftlichen Einstellungsverfügung, die Blick vorliegt.
Verletzter hatte Glück im Unglück
Der Bericht zeigt den bisher unbekannten Unfallhergang auf: Demnach hatte der Beschuldigte Drohnen-Akkus in ein Lager transportiert, wo diese über Nacht aufgeladen wurden. Zurück beim Biwakplatz seiner Kompanie war er um etwa 22.15 Uhr mit dem Radpanzer im Schritttempo unterwegs und wollte wenden – dann ertönten die Schmerzensschreie.
Der Beifahrer suchte mit seiner Taschenlampe die Umgebung ab und entdeckte den in seinem Schlafsack liegenden Verletzten. Der Eagle war ihm mit den rechten Vorder- und Hinterrädern über die Beine gerollt. Der Soldat musste notfallmässig ärztlich versorgt werden und wurde via Universitätsklinik St. Pölten ins Stadtspital Zürich überführt.
Glück im Unglück: Der verletzte Soldat gab bei der Untersuchungsrichterin zu Protokoll, dass keine gesundheitlichen Schäden zurückbleiben würden.
Nicht an Übungsvorgaben gehalten
Dem Fahrer aber sei strafrechtlich ohnehin nichts vorzuwerfen. So habe die Voruntersuchung gezeigt, dass er nicht wegen Alkohols sowie Betäubungs- oder Arzneimitteln fahrunfähig war. Auch habe er die Ruhezeiten eingehalten.
Wegen der Tarnung sei die Sicht durch die Windschutzscheibe aber eingeschränkt gewesen. Dabei habe der Beschuldigte «aus eigenen Sicherheitsüberlegungen» sogar die Scheinwerfer eingeschaltet – obwohl die Militärübung eigentlich einen Tarnmodus mit Nachtsichtgeräten vorgesehen habe.
Dennoch habe der Fahrer den im hohen Gras liegenden Soldaten nicht wahrnehmen können. Auch habe er nicht davon ausgehen müssen, dass dort jemand schlafen könnte. Eine Verletzung der Sorgfaltspflicht sei ihm daher nicht vorzuwerfen. Das militärgerichtliche Verfahren wurde ohne Straffolgen eingestellt.
Mit dem trinationalen Truppenversuch «Trias 25» hatte die Schweizer Armee zusammen mit Soldaten aus Österreich und Deutschland ihr Konzept «Zukunft der Bodentruppen» getestet. Das sei auf Schweizer Truppenübungsplätzen nur eingeschränkt möglich. Der ausgewählte Truppenübungsplatz Allentsteig liegt im Bundesland Niederösterreich, rund 100 Kilometer nordwestlich von Wien.