Darum gehts
- ETH Zürich schreibt neue Software für Plagiatsprüfung aus
- Schritt nötig, da bisherige Lösung Kostengrenze sprengte
- ETH erhält jährlich Plagiatsverdachtsmeldungen im mittleren zweistelligen Bereich
Die ETH Zürich will beim Kampf um die Schummelei neue Wege gehen. Wie auf der Beschaffungsplattform des Bundes Simap ersichtlich ist, sucht die Hochschule aktuell nach einer Software für die Plagiatsprüfung.
Die digitalen Werkzeuge sind für die Universitäten bei der Plagiatsjagd mittlerweile unverzichtbar. Sogenannte Textvergleichssoftwares suchen in den Arbeiten der Studierenden nach Sätzen und Formulierungen, die auch schon in anderen Veröffentlichungen zu finden sind. Alles finden die IT-Tools also nicht – sie helfen aber immer wieder, Skandale aufzudecken. Besonders in Deutschland stolperten in den letzten Jahren zahlreiche politische Persönlichkeiten über mutmasslich abgeschriebene Doktorarbeiten.
Kostengrenze gesprengt
Klar ist: Die Plagiatsjagd geht ins Geld. Auf Anfrage offenbart die ETH Zürich, dass die Ausschreibung für ein neues Tool gezwungenermassen geschah. Aufgrund einer Zusatzfunktion, die lizenziert wurde, überschreite die aktuelle Software nämlich die Kostengrenze von 250’000 Franken für WTO-Ausschreibungen. Heisst: Der Auftrag muss zwingend erneut öffentlich ausgeschrieben werden.
Wie nötig ist der Aufwand überhaupt? Wie die Hochschule mitteilt, würden wegen eines Plagiatsverdachts bei Studierenden jährlich Meldungen «im mittleren zweistelligen Bereich» eintreffen. «Die Verdachte erhärten sich bei Fällen im niedrigen zweistelligen Bereich.» Im Verhältnis zur Anzahl der Studierenden (aktuell rund 27’000 – inklusive Doktorierende) seien die Meldungen in den letzten Jahren konstant geblieben.
KI setzt Unis unter Druck
Die Schweizer Unis stehen aktuell besonders aufgrund der künstlichen Intelligenz unter Druck. Letztes Jahr teilte etwa die Universität Zürich mit, dass Doktorarbeiten zukünftig auch mündlich geprüft würden. Zwar haben die meisten Institutionen mittlerweile KI-Richtlinien eingeführt. Dennoch: Ein zuverlässiges Tool für die Erkennung fehlt.
Bei der ETH zeigt man sich dagegen eher wenig besorgt um die Schummelei mit ChatGPT und Co: «Aufgrund der Art der Arbeiten, die an der ETH Zürich geschrieben werden, schätzen wir den Einsatz von KI als untergeordnetes Problem ein», so die Hochschule. Die Arbeiten an der ETH würden zum einen eng begleitet, zum anderen liege ihr Fokus mehrheitlich auf eigenhändigen Erzeugnissen wie etwa experimentellen Daten. «Zudem gehören zu einem Abschluss an der ETH auch die Verteidigung der Arbeit oder anderweitige Prüfungen.»