Darum gehts
- Das VBS hat laut Bericht bei KI-Systemen einen niedrigen Reifegrad
- Nachrichtendienst fordert eine KI-Strategie zur Erfüllung seines gesetzlichen Auftrags
- Empfehlungen aus dem Bericht sollen bis Ende 2026 umgesetzt werden, sagt Verteidigungsminister Pfister
Die Interne Revision des Verteidigungsdepartements (VBS) zieht ein ernüchterndes Fazit: In ihrem vor wenigen Tagen publizierten Prüfbericht zur «Entwicklung und Nutzung von KI-Systemen im VBS» heisst es, der «Maturitätsgrad» im Departement sei mit Blick auf den Einsatz künstlicher Intelligenz «noch niedrig». Der gegenwärtige Stand sei «unzureichend». Zudem liessen die Voraussetzungen eine kurzfristige Verbesserung des Niveaus «nur in begrenztem Umfang» zu.
Es gebe im VBS zwar sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich viele Anstrengungen zur Förderung von KI-Innovationen, eine übergeordnete Koordination fehle aber, und es bestehe keine Übersicht über die Anwendungen künstlicher Intelligenz.
Warnruf des Nachrichtendienstes
Gerade im militärischen Sektor gewinnen die technologische Entwicklung und die Datenbeschaffung mit elektronischen Systemen kontinuierlich an Bedeutung. So betont der dem VBS angegliederte Nachrichtendienst des Bundes (NDB) im Prüfbericht denn auch, er sei auf eine KI-Strategie angewiesen, um seinen gesetzlichen Auftrag erfüllen und Gefahren abwehren zu können.
Die Revisoren empfehlen Verteidigungsminister Martin Pfister (62/Mitte) unter anderem, für das Departement einen KI-Massnahmenplan zu erarbeiten, ein zentrales Monitoring für Anwendungen aufzuziehen sowie die Kompetenzen zu künstlicher Intelligenz aufzubauen. Pfister wies die Verantwortlichen im Departement inzwischen an, «die Empfehlungen bis Ende 2026 in geeigneter Form umzusetzen», wie es in seinem Brief heisst.
Problem der ganzen Verwaltung
Das VBS habe die Ausführungen der Internen Revision zur Kenntnis genommen, sagt Sprecherin Aline Brülisauer. Sie gibt allerdings an, dass die Rückstände nicht vom Departement eingehandelt wurden: «Innerhalb der Bundesverwaltung bestehen weiterhin Lücken bei den Grundlagen und der Infrastruktur, wovon auch der Kompetenzaufbau im VBS abhängt.» Brülisauer betont: Im Vergleich zur übrigen Bundesverwaltung befinde sich das Verteidigungsdepartement nicht im Rückstand. Die Sprecherin fügt an: «Es ist nicht zielführend, dass jedes Departement eine eigene KI-Strategie erarbeitet.»
Anders gesagt: Der Bund liegt gesamthaft im Hintertreffen. Die Verwaltung ist daran, eine eigene KI-fähige Infrastruktur zu errichten. Brülisauer sagt, dieses System sei speziell darauf ausgelegt, «klassifizierte Informationen sicher zu verarbeiten und zu schützen».
Im VBS ist das für den Nachrichtendienst besonders wichtig. Sprecherin Brülisauer hält fest, der NDB achte bei seiner Tätigkeit ausgeprägt auf neue Technologien. Sein gesetzlicher Auftrag basiere stark auf der Beschaffung und Verarbeitung von Daten, was die Anwendung von KI essenziell mache.