Darum gehts
- Pierre-André Page, 65, ist ein SVP-Politiker aus Châtonnaye FR
- Er engagiert sich als Co-Präsident der parlamentarischen Gruppe «Schweiz-Afrika»
- Dreimal kandidiert, 2015 in den Nationalrat gewählt, zweimal bestes Resultat erzielt
Was macht einen SVPler aus? Abschottung, Antimigration, Althergebrachtes bewahren. Das passt zu Pierre-André Page (65). Er ist ein typischer Vertreter seiner Partei – aber nicht nur.
Châtonnaye FR, ein Dorf zwischen Freiburg und Lausanne mit Blick gen Neuenburgersee. Hier ist Pierre-André Page verwurzelt wie ein Baobab-Baum. Baobab? Eine goldene Statue des afrikanischen Affenbrotbaums steht auf dem Küchentisch. Doch dazu später. Page wuchs als Bauernsohn auf, übernahm mit 21 den Milchbetrieb des Vaters. Mit seiner Frau Isabelle (67) kümmerte er sich um Hof, Vieh und drei Kinder.
Seine Mutter war die erste Frau im Gemeinderat von Châtonnaye, eine Parteilose. «Als sie mit der Politik aufhörte, sagte sie zu mir, ich solle weitermachen», erinnert sich Page. Und das tat er – auch wenn die ersten Jahre holprig waren.
Drei Anläufe für den Nationalrat
Nach dem Einstieg über die Gemeinde- und Kantonspolitik brauchte er drei Anläufe, um es 2015 in den Nationalrat zu schaffen. «Die SVP war damals noch nicht so stark im Kanton Freiburg, deshalb habe ich das nicht als Niederlage empfunden. Ich musste mich den Wählern ja erst einmal präsentieren.» Die Beharrlichkeit lohnte sich.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
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Zweimal wurde Page seither mit dem besten Resultat aller Freiburger Kandidierenden bestätigt. 2023 stand er sogar mit einem Bein im Ständerat. Doch im zweiten Wahlgang zog er sich zurück, um die Chancen der beiden stärkeren Bürgerlichen nicht zu gefährden. Ein Vorgehen, das Page logisch findet, das jedoch manche seiner SVP-Parteikollegen vor den Kopf stiess. Page scheint es nicht zu stören, die Dinge etwas anders anzugehen. Im Militär war er Sanitäter. «Das fand ich sinnvoller als den Umgang mit einer Waffe.» Und als Bauer tat er sich mit einem Kollegen aus dem Dorf zum Jobsharing zusammen. «So konnten wir uns auch mal freie Tage ermöglichen.»
Allerdings sind auch die freien Tage bei Page meist ausgefüllt. Einen «positiven Teufelskreis» nennt das seine Frau Isabelle. «Ein Engagement führt zum anderen. Er ist einfach an vielem interessiert.» Das Interesse zwischen den beiden begann, als sie sich mit Anfang zwanzig in der Dorfbeiz kennenlernten. Dentalassistentin Isabelle aus der Deutschschweiz war eigentlich nur hier, um ein paar Wochen lang Französisch zu lernen.
Beide lachen, wenn sie davon erzählen. Ihre Kinder sind längst erwachsen, und es gibt auch schon ein Enkelkind, um das sich Isabelle einmal in der Woche kümmert. Fabien (41) ist Ökonom in Zürich, Carmen (39) Sportlehrerin in Freiburg und Kevin (34) Aviatik-Elektroniker in Payerne VD. Keines der Kinder hat den Hof übernommen. «Seine» Kühe sieht Page zwar noch jeden Tag, doch mit dem Bauern hat er vor vier Jahren aufgehört.
Ein SVPler als Co-Präsident der «Schweiz-Afrika»-Gruppe
Bekanntlich muss jeder Bundeshauspolitiker seine Interessenbindungen offenlegen. Bei Page ist das nicht nur das Blasorchester La Landwehr, sondern auch die parlamentarische Gruppe «Schweiz-Afrika» mit ihm als Co-Präsidenten. «Sonst machen das ja immer Linke», scherzt er.
Sein Interesse an Afrika besteht seit Jahren. «Ich kann es einfach gut mit den Leuten dort», sagt er – beinahe entschuldigend. Senegal und Burkina Faso kennt er am besten. «Wir werden immer herzlich und gastfreundlich empfangen.» Sein Blasorchester gab schon Konzerte vor Ort und führte Stücke mit lokalen Musikern auf. Kein Wunder, steht in Pages Büro im Bundeshaus eine Djembé aus Ziegenleder – er hat die Trommel bei einer Afrikareise selbst hergestellt. «Die Geiss habe ich aber nicht geschlachtet», scherzt er. Ansonsten packt er gern an, baute auch schon einen Getreidespeicher in Senegal. «Bei der Entwicklungshilfe wird oft so viel Geld verlocht, das muss sich ändern», so Page.
«Ich möchte, dass es den Leuten dort gut geht, wo sie herkommen»
Ist es kein Widerspruch, dass er die gastfreundlichen Menschen aus afrikanischen Ländern nicht in der Schweiz willkommen heissen will? «Da vermischen Sie etwas», findet Page. «Ich möchte, dass es den Leuten dort gut geht, wo sie herkommen. Den Migranten geht es in der Schweiz doch gar nicht gut. Sie stellen sich das Leben hier viel zu einfach vor.» Der Kreis zum typischen SVPler schliesst sich.
«Zukunft kultivieren», so das Motto seines Präsidialjahres. Es spielt auf seinen bäuerlichen Hintergrund an und darauf, dass er «die helvetische Kultur bewahren» möchte. «Mir geht es auch um die Ausbildung der Jungen. Sie sollen von den Älteren lernen können, wie in einem Orchester.» Die Anliegen der Landwirte und Energiethemen sind Page besonders wichtig. Er will, dass die Schweiz möglichst nicht von ausländischem Strom abhängig ist.
Sind wir eine Insel? «Ja, bis zu einem gewissen Grad. Und wir fahren sehr gut damit. Das müssen wir uns erhalten.» Zum Schweizer Erfolgsmodell gehöre auch das gemeinsame Glas Wein nach der Debatte. «Das muss möglich sein, auch wenn man sich nicht immer einig ist.» Und falls dieses Jahr die Debatte im Nationalrat doch mal zu aufgeheizt ist, kann Page ja einfach seine Djembé hervorholen und die Kolleginnen und Kollegen zur Vernunft trommeln.
Dieser Artikel erschien erstmals am 31. Dezember 2025.