Sie hat heute ein Café
Ex-Fedpol-Chefin braucht erhöhten Polizeischutz

Über zehn Jahre lang kämpfte Nicoletta della Valle an vorderster Front gegen Mafia und Terror. Nun wurde sie zur Zielscheibe von Vandalismus und erhält deswegen erhöhten Polizeischutz.
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Jahrelang jagte sie Verbrecher, nun hat Nicoletta della Valle vergangenen Oktober ein Kaffee in Bern eröffnet.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

  • Caffè Sempre Berna in Bern erhält erhöhten Polizeischutz
  • Grund für Angriffe: Pro-israelische Haltung von Nicoletta della Valle
  • Kaffeebar hat auch ein Hilfsangebot
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Céline ZahnoRedaktorin Politik

Die Frontscheibe des Lokals war eingeschlagen, ein Sticker mit der Aufschrift «Boycott Apartheid» wurde daraufgeklebt. Im November wurde das Stadtberner Lokal von Nicoletta della Valle (64), der früheren Chefin des Bundesamts für Polizei, demoliert. Deswegen erhält das Lokal nun erhöhten Polizeischutz, wie der «Bund» publik macht.

Der Grund für den Angriff scheint klar. Der Slogan auf dem Sticker wird von israelkritischen Kreisen oft verwendet. Della Valle hatte aus ihrer pro-israelischen Haltung nie ein Geheimnis gemacht. Dass sie nur wenige Monate nach Amtsende ein Beratungsmandat bei der israelisch-schweizerischen Investmentfirma Champel Capital angenommen hatte, schlug hohe Wellen.

«Blinde Folgen einer Ideologie»

Die «Vorfälle, ja Angriffe» auf die Caffè-Bar Sempre Berna seien «inakzeptabel und beunruhigend», heisst es in einem Schreiben des Berner Gemeinderats an die Gesellschaft Schweiz-Israel. Solch «unhaltbare Situationen» seien die Folge der weltweit hohen Emotionalität im Konflikt in Israel und Gaza.

«Das teilweise fehlende kritische Denken und das blinde Folgen einer Ideologie sind eine grosse Herausforderung», schreibt der Gemeinderat weiter. In der Stadt Bern gebe es aber keinen Platz für Handlungen und Äusserungen, die andere gefährdeten oder herabsetzten. Aktuell seien davon «besonders israelische Gemeinschaften betroffen».

Der Gemeinderat nehme dies ernst. Die Kantonspolizei sei informiert und habe die Situation rund ums Lokal ständig auf dem Radar. 

Zuvor hatten sich die Grossräte Alain Pichard (GLP) und Mathias Müller (SVP), Vorstandsmitglieder der Gesellschaft Schweiz-Israel, an den Gemeinderat gewandt. Sie forderten ihn dazu auf, ihr Mitglied della Valle als Person und das Caffè Sempre Berna als Sozialprojekt zu schützen. 

Kaffeehaus mit Hilfsangebot

Kurz nach ihrem Abgang beim Fedpol erfüllte sich della Valle mit der Eröffnung der Cafébar einen Traum. «Seit 30 Jahren spreche ich davon, dass ich eine Kaffeebar eröffnen will, nun tue ich es», sagte sie beim Besuch von Blick.

Es handelt sich dabei nicht um eine normale Bar. Vorne gibt es Gipfeli, Snacks, Getränke und Apéro, der hintere Bereich wird für ein Hilfsangebot genutzt. Bis zu drei Freiwillige bieten gratis und spontan Hilfe beim Verfassen von Briefen an die Behörden oder bei Bewerbungen an. «Im Berufsleben sah ich, dass viele Leute Mühe haben mit Schreiben und Lesen», erzählt della Valle.

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