Schweiz droht Preis-Hammer
Neue AKW kosten bis zu 43 Milliarden Franken!

Das Parlament will, dass in der Schweiz neue Kernkraftwerke gebaut werden. Ein neuer Bericht zeigt jetzt, was diese Kosten könnten.
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Die Schweiz diskutiert über den Bau neuer Kernkraftwerke.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Neuer Bericht schätzt Kosten für AKW-Bau auf bis zu 43 Milliarden Franken
  • Nur EDF/Framatome und Westinghouse kommen für Schweizer AKW-Projekte infrage
  • Bau muss bis Anfang 2040er starten, Ausschreibung bis Anfang 2030er nötig
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Tobias BruggmannRedaktor Politik

Diese Extrarunde hätte sich Umweltminister Albert Rösti (59, SVP) wohl gerne erspart. In der Sommersession leistete der Nationalrat zuerst Widerstand gegen den Bau neuer Kernkraftwerke. Nach einer stundenlangen Debatte verlangte der von Rösti, zuerst die Finanzierung von neuen AKW auszuführen. Monatelange Verzögerungen drohten. Rösti konnte die Fronten zwar drehen – indem er versprach, einen Bericht zum Thema zu liefern.

Doch die Finanzierung von Kernkraftwerken bleibt ein Zankapfel. Verschiedene Studien gibt es schon: Die Axpo spricht zum Beispiel von 10 Milliarden Franken, bei anderen Papieren ist es deutlich mehr.

Nur mit staatlicher Unterstützung

Jetzt gibt es einen neuen Bericht – und der hat es in sich: «Der Bau eines neuen Kernkraftwerks kann je nach Entwicklung der Kosten und Reaktorgrösse rund 15 Milliarden Franken, aber auch 43 Milliarden kosten», sagt Urs Neu. Er leitet die Energiekommission der Akademien der Wissenschaften Schweiz, die den Bericht erstellt hat. «Ein Neubau wäre nur mit wesentlicher staatlicher Unterstützung finanzierbar.» 

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Der Bericht ist ein gnadenloser Realitätscheck für all jene, die auf neue Kernkraftwerke hoffen. Die Forscher haben zusammengestellt, was eine neue Anlage kosten würde und wie sich der Bund beteiligen könnte. Dafür analysierten sie Neubauten und Neubauprojekte in Europa und den USA.

Auffällig: Für die Schweiz kommen eigentlich nur zwei Anbieter infrage. Die Firma EDF/Framatome aus Frankreich und Westinghouse aus den USA. «Es gibt zwar zwei weitere Anbieter aus Japan oder Südkorea, doch die dürften sich aus verschiedenen Gründen kaum bewerben», erklärt Neu. «Russische oder chinesische Firmen kommen aus geopolitischen Überlegungen kaum infrage.»

Grosse Unterschiede

Preislich gibt es grosse Unterschiede zwischen den beiden Firmen. Die Industrie will die Kosten senken. Gelingt das, kostet ein amerikanischer Westinghouse-Reaktor rund 14 Milliarden Franken, der etwas grössere französische EDF-Reaktor etwa 21 Milliarden. «Die tatsächlichen Kosten sind bisher jedoch von Projekt zu Projekt angestiegen», sagt Neu. «Wenn sich die Kosten ähnlich entwickeln wie bisher, könnten sie bei etwa 25 Milliarden für den US-Reaktor beziehungsweise 43 Milliarden Franken für das französische Modell liegen.»

Weltweit beteiligen sich private Investoren nur noch am AKW-Bau, wenn der Staat einen grossen Teil der Finanzierung übernimmt oder die Risiken stark abfedert. «Das dürfte auch in der Schweiz so sein», sagt Neu. Davon wären nicht nur der Bund betroffen, sondern möglicherweise auch Kantone und Gemeinden, da sie die grossen Betreiber wie die Axpo besitzen. 

«International kombiniert man meistens staatliche Beteiligungen, zinsgünstige Darlehen, Kreditgarantien oder garantierte Abnahmepreise», erklärt Neu. Beim nächsten Neubau in Grossbritannien zahlen die Leute mehr für den Strom, um schon während der Bauzeit an der Finanzierung mitzuzahlen. 

Bis im Jahr 2050 braucht die Schweiz mehr Strom, gleichzeitig wird älteren Atomkraftwerken der Stecker gezogen. Wenn neue Kernkraftwerke bis dann stehen sollen, drängt die Zeit. «Der Bau müsste Anfang der 2040er-Jahre beginnen, die Ausschreibung schon Anfang der 2030er-Jahre starten. Und zuerst braucht es gesetzliche Anpassungen», sagt Neu. Bis Mitte der 2030er-Jahre stehen weiterhin vor allem grosse, wassergekühlte Reaktoren der dritten Generation zur Verfügung. 

Kleine Reaktoren

Viele AKW-Befürworter träumen von kleinen, modularen Reaktoren. Neu mahnt zur Vorsicht. «Bislang wurde erst mit dem Bau eines Moduls in Kanada begonnen. Bis man konkrete Erfahrungen zu Kosten, Betrieb oder Rentabilität gemacht hat, dauert es.» Neu schätzt, dass man hier die weitere Entwicklung noch abwarten muss, bevor die kleinen Reaktoren zu einer realen Option werden.

Bis dahin müsste die Schweiz zum Beispiel die Laufzeit der bestehenden Kernreaktoren Gösgen und Leibstadt verlängern. Technisch wäre das möglich.

Im Unterschied zur Axpo-Studie werden im Bericht auch die Finanzierungskosten einberechnet, also zum Beispiel die Zinskosten für Darlehen. «Rechnet man das ein, kommt die Axpo-Studie auf ein ähnliches Ergebnis wie das tiefe Szenario im Bericht.»

Bis Ende Jahr will Bundesrat Rösti einen Bericht zum Thema vorlegen. Voraussichtlich Ende Februar stimmt die Schweiz über die Aufhebung des Neubauverbots ab. Sagt das Volk Ja, geht wohl das grosse Feilschen um Fördermittel los. Und auch das Volk dürfte sich dann zu einem konkreten Projekt nochmals äussern.

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