Von seinem Ausstellungsstück spricht das Luzerner Verkehrshaus in den höchsten Tönen. Es handle sich um ein «bedeutendes Zeugnis der Schweizer Automobilgeschichte», um eines der «seltensten europäischen Serienfahrzeuge», ja gar um ein «unwiederbringliches Unikat – von grosser Bedeutung für das kulturelle Erbe» des Landes. Tatsächlich ist die Monteverdi-Sierra-Limousine, die 1978 in Basel gebaut wurde, eines der letzten Automobile, das in der Schweiz serienmässig hergestellt worden ist.
Doch so einzigartig und wichtig das Automobil auch sein mag: In den letzten Jahren bekam es im Verkehrshaus der Schweiz nicht immer die nötige Liebe. Rost hat sich angesetzt, die Bremsen müssten gemacht werden. Differenzial, Fahrwerk und Lenkung, aber auch Zündung, Kraftstoffsystem und Räder haben Mängel. 30'000 Franken kostet die Reparatur. Das Verkehrshaus sucht deshalb Spender, um das Fahrzeug, das ihm 1987 geschenkt wurde, wieder auf Vordermann zu bringen.
In einer feuchten Tiefgarage gelagert?
Ob Museumsautos immer fahrbereit sein müssen, ist in der Szene umstritten. Viele Liebhaber sind überzeugt, dass Autos bewegt werden müssen. Klar ist so oder so: Verschlechtern sollte sich der Zustand sicher nicht.
In Binningen bei Basel hatte der Rennfahrer und Konstrukteur Peter Monteverdi (1934–1998) seine Autos gebaut. Anfang der 1970er-Jahre sorgte er mit dem Monteverdi Hai oder dem Modell 375 («High-Speed») für Furore. Es waren superschnelle Schweizer Traumautos, die vor allem mit eleganten Karosserien und luxuriöser Ausstattung die Schönen und Reichen der Welt begeisterten.
Technisch waren die Karossen weniger ausgefeilt: Sie beruhten auf amerikanischen Grossserien-Fabrikaten. Mit dem Modell Sierra, von dem eines nun im Verkehrshaus restauriert werden soll, neigten sich Monteverdis Glanzzeiten schon dem Ende zu.
Spätere Comebacks kamen nicht mehr zum Fliegen. Monteverdi entwickelte Anfang der 1980er-Jahre aber noch den viertürigen Range Rover, der zum Welterfolg wurde. Bis zum Kleinwagen Microlino, der aktuell produziert wird, blieb Monteverdi der letzte Schweizer «Serienhersteller».
In Binningen bei Basel hatte der Rennfahrer und Konstrukteur Peter Monteverdi (1934–1998) seine Autos gebaut. Anfang der 1970er-Jahre sorgte er mit dem Monteverdi Hai oder dem Modell 375 («High-Speed») für Furore. Es waren superschnelle Schweizer Traumautos, die vor allem mit eleganten Karosserien und luxuriöser Ausstattung die Schönen und Reichen der Welt begeisterten.
Technisch waren die Karossen weniger ausgefeilt: Sie beruhten auf amerikanischen Grossserien-Fabrikaten. Mit dem Modell Sierra, von dem eines nun im Verkehrshaus restauriert werden soll, neigten sich Monteverdis Glanzzeiten schon dem Ende zu.
Spätere Comebacks kamen nicht mehr zum Fliegen. Monteverdi entwickelte Anfang der 1980er-Jahre aber noch den viertürigen Range Rover, der zum Welterfolg wurde. Bis zum Kleinwagen Microlino, der aktuell produziert wird, blieb Monteverdi der letzte Schweizer «Serienhersteller».
Wie kommt es also, dass ein Oldtimer ausgerechnet in dem Haus, das das mobile Kulturgut der Schweiz sichern soll, vergammelt oder zumindest nicht fachgerecht gelagert worden ist? In einem der grössten und angesehensten Museen der Schweiz, das von vielen Besuchern geliebt und von der öffentlichen Hand unterstützt wird?
Beim Monteverdi handelt es sich offenbar um keinen Einzelfall. Im Branchenmagazin zwischengas.com schildert ein Insider, der am Konzept für die neuen Depots mitgearbeitet hatte, nicht nur den Fall des Monteverdi, sondern berichtet über weitere Fälle von geschenkten Fahrzeugen, denen wenig Sorgfalt zuteil wurde – «lange vor der Zeit der aktuellen Verantwortlichen des Hauses».
«Es gibt zahlreiche Autos, die im fahrbereiten Zustand dem Haus übergeben wurden, bei denen jedoch der Erhalt dieser Eigenschaft aus Mangel an Ressourcen jeglicher Art nicht zu stemmen war», ist zu lesen. «Geeignete Lagerplätze und Personal mit Sachverstand» hätten gefehlt. Betroffen sein sollen auch einstige Luxusautos wie Lincoln, Rolls-Royce oder Hispano-Suiza.
In einem Fall sei ein Alvis Graber – diese Autos gehören zum Renommiertesten, was die Schweizer Automobilindustrie hervorbrachte – von den früheren Donatoren in miserablem Zustand wieder angetroffen worden. So seien die Schweller zerbröselt. Autos seien jahrelang in einer «feuchten Tiefgarage eines Schweizer Bundesbetriebs» eingelagert worden. Andere Fahrzeuge hätten Vogelkot abbekommen. Ein Rolls-Royce habe Schäden erlitten, als er aus seinem Depot gewuchtet worden sei.
Verkehrshaus: Möglichst Zustand bei Anlieferung erhalten
190 Fahrzeuge, inklusive Dreiräder, besitzt das Verkehrshaus. Davon sind 13 «jederzeit fahrbereit», und die Zahl der fahrbereiten Oldtimer nimmt «laufend zu», wie Mediensprecherin Beatrice Rüttimann zu Blick sagt. «Der Finanzbedarf wäre aber unermesslich hoch, wenn alle Sammlungsfahrzeuge fahrtüchtig erhalten oder gemacht würden.» Das Verkehrshaus sei ein privater Verein und finanziere sich zu 85 Prozent selbst. «Die Beiträge des Bundesamts für Kultur an unseren Betrieb und unseren Sammlungsauftrag sind leider rückläufig.»
Immerhin: Der angesprochene Alvis Graber befindet sich in einer umfassenden Restaurierung bei einem Spezialisten. Idealerweise könne das Verkehrshaus den Zustand bei der Einlieferung halten. «In unserer umfangreichen Sammlung gibt es immer Fahrzeuge, die wir gerne restaurieren oder sogar wieder fahrtüchtig machen würden», sagt Rüttimann.
In den letzten Jahren hatte das Verkehrshaus immer wieder spezielle Geschenke erhalten: Ein Teil der Monteverdi-Sammlung aus dem Basler Museum des Markengründers kam ins Verkehrshaus. Auch der langjährige UBS-Chef Marcel Ospel (1950–2020) hatte dem Verkehrshaus einst einen eigens angefertigten, 600 PS starken Aston Martin Kombi geschenkt.
Neben dem Monteverdi Sierra, der nun restauriert werden soll, besitzt das Verkehrshaus noch weitere Monteverdi-Modelle. Autobauer Peter Monteverdi hatte nahe Basel selbst ein eigenes Automuseum eingerichtet, das von seinem langjährigen Partner bis Ende 2016 gehütet wurde. Nach der Auflösung kamen mehrere Fahrzeuge ins Verkehrshaus in Luzern. Inzwischen versichert das Haus: «Primäres Ziel ist der möglichst lange Erhalt des Zustands wie bei der Anlieferung.» An diesen Monteverdis soll der Zahn der Zeit nicht nagen.