Risiken für Krankheiten bei Nachkommen
Wie gefährlich ist Sex mit der Cousine?

Beziehungen zwischen Cousin und Cousine sind in der Schweiz erlaubt. Doch für gemeinsame Kinder kann das gesundheitliche Risiko steigen. Die Fakten zur hochbrisanten Debatte.
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Sie dürfen auch heiraten: Beziehungen zwischen Cousin und Cousine sind in der Schweiz nicht verboten.
Foto: Getty Images/Westend61

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SVP thematisiert Cousinenehen in Schweiz – erlaubt, aber medizinisch bedenklich
  • Genetisches Risiko für Kinder aus solchen Ehen etwa doppelt so hoch
  • Risiko bei Cousinenkindern: genetische Erkrankungen 4–6 %, normal 2–3 %
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Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Die SVP bringt ein heikles Thema aufs Tapet: Ehen zwischen Cousin und Cousine. Solche Beziehungen sind in der Schweiz erlaubt – sie gelten auch rechtlich nicht als Inzest. Verboten ist nur Sex unter engen Blutsverwandten in direkter Linie, etwa zwischen Eltern und Kindern oder Grosseltern und Enkeln, sowie zwischen Geschwistern. Solche Fälle können mit einer Strafe geahndet werden.

Allerdings: Bei Liebesbeziehungen zwischen Cousinen und Cousins gibt es medizinische Bedenken. Studien zeigen, dass Kinder aus solchen Verbindungen ein erhöhtes Risiko für bestimmte genetische Erkrankungen haben.

Risiko ist etwa «doppelt so hoch»

Intensiv darüber debattiert wurde etwa in Österreich. Dort wurde kürzlich ein Gesetz beschlossen, das Ehen zwischen Verwandten bis zum vierten Grad untersagt – also auch zwischen Cousin und Cousine. Vor dem Entscheid verwies Familienministerin Claudia Bauer (31) auf den Forschungsstand: Das Risiko für bestimmte genetische Erkrankungen sei für Kinder aus solchen Verbindungen etwa «doppelt so hoch». Im Fokus: die sogenannten rezessiven Erbanlagen. 

Der Wiener Humangenetiker Markus Hengstschläger (57) ordnete die Risiken in der Debatte ein. Es gehe um Erkrankungen, die nur dann ausbrechen, wenn ein Kind von beiden Elternteilen ein mutiertes, «fehlerhaftes» Gen erbe, sagte er dem «Kurier». «Wir alle tragen solche Gene in uns – durchschnittlich vielleicht etwa zwei bis fünf.» In der Regel merke man davon nichts, weil die nicht-mutierte, «korrekte» Genkopie des zweiten Elternteils das ausgleiche. Kritisch werde es, wenn beide Eltern dieselbe Genveränderung tragen. Und das sei bei Verwandten wahrscheinlicher.

Während das Risiko allgemein bei etwa zwei bis drei Prozent liege, betrage es bei Kindern von Cousin und Cousine ersten Grades rund vier bis sechs Prozent. «Das bedeutet keineswegs, dass jedes Kind automatisch krank ist», so Hengstschläger im «Kurier», «aber die Wahrscheinlichkeit ist eben erhöht.»

Was neue Daten sagen

Pauschale Aussagen sind schwierig. Es gibt Tausende genetische Erkrankungen – und je nach Region und Bevölkerung treten sie unterschiedlich häufig auf. Neue Auswertungen der gross angelegten «Born in Bradford»-Studie aus Grossbritannien zeigen jedoch: Kinder von Cousinenehen haben nicht nur ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Probleme. Auch das Risiko für Entwicklungsauffälligkeiten ist grösser.

Weniger klar ist die Lage beim Thema Autismus – diesen Zusammenhang bringt die SVP ins Spiel. Einzelne Studien deuten zwar auf erhöhte Raten bei Kindern aus Verwandtenehen hin. Autismus gilt jedoch als komplexe Entwicklungsstörung mit vielen möglichen Ursachen. Der Zusammenhang muss noch näher erforscht werden.

Viele genetische Risiken lassen sich heute zudem früh erkennen. Paare, die miteinander verwandt sind, können sich vor einer Schwangerschaft genetisch beraten lassen. Mit entsprechenden Gentests kann abgeklärt werden, ob beide Träger derselben Erbanlage sind – und wie hoch das Risiko für ein Kind ist.

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