Operation «Imagetransfer»
Schweizer Botschafter holen Glencore aus der Verbannung

«Kein positiver Imagetransfer»: Dem Aussendepartement wurde Glencore einst als Sponsor zu heikel. Jetzt ist der Rohstoffriese wieder im Spiel. Wie kam es zur Kehrtwende?
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Der Rohstoffkonzern Glencore ist wieder Partner von Schweizer Botschaften.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Schweiz lässt das Sponsoring durch den umstrittenen Rohstoffkonzern Glencore wieder zu
  • EDA-Dokumente zeigen: Glencore sponsert Anlässe wie «Swiss Days» und Bundesfeiern
  • 2025 finanzierte Glencore die Bundesfeier in Peru, die Höhe des Beitrags ist unbekannt
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Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Dem Bund wurde die Sache zu heiss. Das Aussendepartement EDA von Bundesrat Ignazio Cassis (64, FDP) beendete 2021 die Sponsoringpartnerschaften mit dem Rohstoffgiganten Glencore. Für Schlagzeilen sorgte etwa, dass die Schweizer Botschaft in Kolumbien einen Vertrag auslaufen liess.

Der Hintergrund: Das Rohstoffgeschäft stand hierzulande in der Kritik. Besonders der Zuger Konzern, der weltweit Minen betreibt, geriet immer wieder in den Fokus von Umweltschützern und Nichtregierungsorganisationen. Wie handfest die Kritikpunkte im Einzelfall waren, schien dabei zweitrangig: In Bern ging man vorsorglich auf Distanz, zu gross war die Sorge vor einem Reputationsrisiko. 

«Der Minenabbau ist derzeit derart kontrovers, dass sich aus einer Partnerschaft mit Glencore kein positiver Imagetransfer generieren lässt», sagte der Topdiplomat Nicolas Bideau (56) gar der NZZ. Als Chef von Präsenz Schweiz war er damals für die Imagepflege des Landes zuständig, heute ist er EDA-Kommunikationschef. Der Bund setzte den Konzern quasi auf die Abschussliste. 

Doch das ist Schnee von gestern. Glencore ist wieder Partner der Eidgenossenschaft – Botschaften lassen sich erneut vom Konzern sponsern. Das zeigen Dokumente aus dem EDA. «Sponsoringpartner» sind Schweizer Firmen, die etwa an repräsentativen Anlässen des Bundes im Ausland als Unterstützer auftreten, dort ihre Produkte präsentieren oder Veranstaltungen finanziell mittragen. 

Regeln nach Tabaksponsoring verschärft

So unterstützte der Konzern kürzlich in Usbekistan die «Swiss Days», eine Plattform zur Promotion der Schweizer Wirtschaft. In Peru wiederum finanzierte Glencore die Bundesfeier 2025 der Botschaft mit. Über die Höhe der Unterstützung ist nichts bekannt.

Wie kam es zu diesem Kurswechsel? Klar ist: Es geht um ein zentrales Gut – den Ruf der Eidgenossenschaft im Ausland. Wer an offiziellen Anlässen als Sponsor auftritt, profitiert vom Image der Schweiz. Klar ist ebenso: Umgekehrt strahlt auch das Image eines Unternehmens auf die Schweiz ab.

In Bern spricht man von «Imagetransfer». Gerade dieser Punkt war 2021 beim EDA das Killerargument gegen Glencore. Zuvor waren die Sponsoringregeln verschärft worden. Auslöser war die Philip-Morris-Affäre: 2019 wollte der Bund ausgerechnet den Tabakkonzern zum Hauptsponsor für den Schweizer Pavillon an der Expo in Dubai machen – nach massiver Kritik platzte der Deal.

«Erhöhte Vorsicht angebracht»

Bei den heutigen Regeln ist eine Frage zentral: Könnte ein Partner dem Ruf der Schweiz schaden? Jede Partnerschaft müsse gemäss Sponsoringrichtlinien «fallweise und situationsbezogen dahingehend überprüft werden, ob ein potenzielles Imagerisiko besteht», sagt ein EDA-Sprecher zu Blick. Er räumt zugleich ein: «Rohstoffhandelsfirmen gehören zu jenen Branchen, bei welchen ein potenzielles Imagerisiko besteht und deshalb erhöhte Vorsicht angebracht ist.»

Verantwortlich für die Überprüfung seien die Missionschefs der Auslandsvertretungen. Federführend waren also die Botschafter in Peru und Usbekistan allein – sie haben den Konzern aus der Verbannung geholt. «In den vorliegenden Fällen haben die beiden Botschaften die Chancen und Risiken abgewogen und eigenständig entschieden, dass eine Zusammenarbeit möglich ist», heisst es dazu. Die Hintergründe bleiben im Dunkeln. Auf die Gründe für die Neubeurteilung geht das EDA nicht näher ein.

Glencore selbst verweist gegenüber Blick auf die Bedeutung solcher Partnerschaften. Als eines der weltweit grössten Rohstoffunternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz schätze man die Möglichkeit, «mit unseren Stakeholdern, darunter auch die Schweizer Regierung, im In- und Ausland über Fragen der verantwortungsvollen Förderung und Vermarktung von Rohstoffen zu diskutieren».

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